THEMA DES TAGES
Aufatmen
Wieder einmal ebnet ein Schlichterspruch absehbar den Weg für einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Hatten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber über Wochen kaum bewegt, rückt der Durchbruch jetzt in greifbare Nähe. Mag Verdi die Empfehlung von Georg Milbradt und Herbert Schmalstieg noch so sehr loben: Gewerkschaftschef Frank Bsirske wird Mühe haben, eine Tarifeinigung entlang des Schlichterspruchs als prächtigen Erfolg zu verkaufen: Unter dem Strich 2,3 Prozent mehr, und das nur schrittweise - von der Fünf-Prozent-Forderung ist dies weit entfernt. Bsirske hat mit vernehmbarem Murren in den eigenen Reihen zu rechnen,. Doch wird er auf das Kleingedruckte verweisen: Arbeitgeber-Zugeständnisse zur Übernahme von Azubis, womöglich auch für eine tarifliche Altersteilzeit-Regelung und eine neue Entgeltordnung. Viel mehr scheint nicht drin gewesen zu sein. Nach der quasi geräuschlosen Tarifeinigung der Metaller hätten die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst ohnehin nicht mehr mit großer Unterstützung der Bevölkerung für einen langen Arbeitskampf rechnen können. Ein allzu kräftiger Schluck aus der Pulle, noch dazu für Beschäftigte, die selbst in Krisenzeiten nicht um ihre Jobs bangen müssen, wäre jedenfalls nicht vermittelbar gewesen. Mit einer Einigung wäre die befürchtete Fortsetzung der Streiks in Kitas, Nahverkehr, Verwaltung und Müllabfuhr abgewendet. Die Haushaltspolitiker des Bundes und die Kämmerer der Kommunen könnten aufatmen. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.


