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THEMA DES TAGES

Respekt

Von Markus Bleistein

Zügig und mit großer Klarheit hat Margot Käßmann einen Schlussstrich gezogen. Damit erweist sie ihrer Kirche und dem wichtigen Amt der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland einen entscheidenden Dienst. Auch wenn es landauf, landab zahlreiche Treueschwüre prominenter evangelischer Christen gab, am Ende sind wohl alle erleichtert, dass die Trunkenheitsfahrt der Bischöfin ein Ende mit Schrecken nimmt und sich nicht zum Schrecken ohne Ende entwickelt. Denn diese Gefahr bestand in der Tat: Die Ratsvorsitzende der EKD ist von ihrer Funktion her in allererster Linie eine moralische Instanz in dieser Republik. Es wird von ihr erwartet, dass sie aus christlicher Perspektive Stellung nimmt zu gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und dabei durchaus auch einmal klare Kante zeigt. Diese Funktion konnte Käßmann nicht mehr ausfüllen, wären ihr doch alle moralischen Appelle gleich wieder auf die Füße gefallen. Einen Vorgeschmack konnte sie gestern in den Gazetten der Republik bekommen, die zahllose Zitate der Bischöfin zu Alkohol, Fasten und disziplinlosem Autofahren auflisteten. Damit sollte aber jetzt die Diskussion beendet sein. Käßmann hat - wie sie selbst eingesteht - einen schweren Fehler begangen. Sie hat die Konsequenzen daraus gezogen und sich auch aus dem Amt der Bischöfin der Landeskirche Hannover zurückgezogen. Sie hat - biblisch gesprochen - tätige Reue gezeigt. Das verdient Respekt und verbietet jegliche Form von Nachtreterei.

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Artikel vom 25.02.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

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25.02.2010 09:56 von Peter Harrer

Bischöfin Käßmann hat nach ihrer eigenen Einschätzung einen Fehler begangen der in der Öffentlichkeit sicher anders zu bewerten ist und insofern auch anders wahrgenommen wird als wenn dieses Delikt von einer Frau Margot Käßmann oder sonst jemandem widerfahren wäre. Es steht trotzallem niemandem zu, über sie zu richten und schon gar nicht in schadenfrohe Heuchelei zu verfallen. Dass alle Menschen fehlbar sind ist keine neue Erkenntnis; das wird uns selbst von Gott zugestanden. Christliche oder einfach nur humane Konsequenz beweisen wir letztendlich immer im verantwortlichen Umgang mit unseren Fehlern im Kontext zu unseren Mitmenschen. Hierin liegen Stärke und wahre Größe; Frau Käßmann verdient verdient für ihre konsequente christliche Haltung großen Respekt und Anerkennung. Peter Harrer Stuttgart


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