THEMA DES TAGES
Respekt
Zügig und mit großer Klarheit hat Margot Käßmann einen Schlussstrich gezogen. Damit erweist sie ihrer Kirche und dem wichtigen Amt der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland einen entscheidenden Dienst. Auch wenn es landauf, landab zahlreiche Treueschwüre prominenter evangelischer Christen gab, am Ende sind wohl alle erleichtert, dass die Trunkenheitsfahrt der Bischöfin ein Ende mit Schrecken nimmt und sich nicht zum Schrecken ohne Ende entwickelt. Denn diese Gefahr bestand in der Tat: Die Ratsvorsitzende der EKD ist von ihrer Funktion her in allererster Linie eine moralische Instanz in dieser Republik. Es wird von ihr erwartet, dass sie aus christlicher Perspektive Stellung nimmt zu gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und dabei durchaus auch einmal klare Kante zeigt. Diese Funktion konnte Käßmann nicht mehr ausfüllen, wären ihr doch alle moralischen Appelle gleich wieder auf die Füße gefallen. Einen Vorgeschmack konnte sie gestern in den Gazetten der Republik bekommen, die zahllose Zitate der Bischöfin zu Alkohol, Fasten und disziplinlosem Autofahren auflisteten. Damit sollte aber jetzt die Diskussion beendet sein. Käßmann hat - wie sie selbst eingesteht - einen schweren Fehler begangen. Sie hat die Konsequenzen daraus gezogen und sich auch aus dem Amt der Bischöfin der Landeskirche Hannover zurückgezogen. Sie hat - biblisch gesprochen - tätige Reue gezeigt. Das verdient Respekt und verbietet jegliche Form von Nachtreterei.
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