KOMMENTAR
Untragbar
Dies ist die Stunde der Heuchler und Pharisäer: Denn was gibt es Schöneres als die Schadenfreude über eine volltrunken fahrende evangelische Landesbischöfin, die zudem noch EKD-Ratsvorsitzende ist und mit teilweise harschen moralischen Forderungen die Menschen in diesem Lande traktierte. Doch wie sagte Jesus: Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Wie wahr: Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird in den meisten Fällen eingestehen müssen, dass auch er einmal mit zweifelhaftem Alkoholgehalt im Blut einen Wagen gesteuert hat. Doch so sehr Margot Käßmann - wie übrigens jeder andere auch -nach einer angemessenen Strafe einen Neuanfang verdient hat, so sehr ist die streitbare Bischöfin als Vorsitzende der EKD erledigt. Unvorstellbar, dass sie noch einmal glaubwürdig die Fastenaktion der evangelischen Kirchen „Sieben Wochen ohne“ vertreten kann. Ein Hohngelächter ohne Ende würde in der Republik erschallen. Aber auch alle anderen wohlfeilen moralischen Ratschläge - und dazu ist dieses Amt unter anderem da - würden von ihren Gegnern im Handumdrehen unter Hinweis auf ihre Glaubwürdigkeit ausgehebelt: Die soll doch vor ihrer eigenen Tür kehren. So sehr Margot Käßmann als Bürgerin dieses Landes, als Christin und sogar noch als Pfarrerin das Recht auf Umkehr und Neuanfang für sich in Anspruch nehmen kann, als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in Deutschland ist sie untragbar geworden. Ihr Rücktritt ist unvermeidbar und sollte schnell erfolgen, damit Schaden von der Evangelischen Kirche abgewendet wird.



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