THEMA DES TAGES
Der Schavan-Effekt
Das muss man Stefan Mappus lassen: Mut hat er. Er holt eine Parteilose aus Bayern als Kultusministerin - was im Umkehrschluss bedeutet, dass er in heimischen Gefilden nicht so recht fündig geworden ist. Erwin Teufel hat Derartiges 1995 gewagt und die herzlich unbekannte, aber wenigstens mit CDU-Parteibuch ausgestattete Annette Schavan ins Kabinett geholt. Nicht jeden in der Fraktion hat das anfangs erfreut.Der Schritt des neuen Ministerpräsidenten, das Kabinett an der ganz zentralen Stelle der Schulpolitik umzubilden, zeugt von gewachsener Sensibilität. In etwas mehr als einem Jahr ist Wahl. Die Bildungspolitik ist immer mehr zur offenen Flanke der CDU im Land geworden. Mit dem jetzt als Minister in die Regierungszentrale gewechselten Helmut Rau war kein Staat mehr zu machen. Marion Schick, die künftige Chefin im Kultusressort, hat umgehend betont, wie wichtig ihr der Dialog ist, den man bei Rau vermisste. Sätze der Art, dass Begriffe wie „Offensive“- die Schick martialisch vorkommen - verschwinden und eher von „Initiativen“ die Rede sein soll, lassen aufhorchen. Ansonsten hat sich Mappus weithin an Bewährtes gehalten: Rudolf Köberle, nach vielen Posten Dienstältester im Kabinett, wird das Agrarwesen gewiss solide verwalten, Umweltministerin Tanja Gönner hat die ersehnte Aufwertung durch den Verkehrsbereich erhalten. Für Wolfgang Reinhart, den konzentriert für den Bund und Europa zuständigen Minister, wird keine Welt zusammenbrechen, Willi Stächele war als CDU-Bezirkschef ohnehin gesetzt. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.


