THEMA DES TAGES
Überfällig
Die Entschuldigung von Erzbischof Zollitsch für den Kindesmissbrauch durch kirchliche Mitarbeiter war überfällig. Sie ist im Duktus den furchtbaren Taten angemessen. Er entschuldigt sich und verspricht zugleich, dass die Kirche vorbehaltlos aufklären werde.Es ist entsetzlich genug, dass Kinder und Jugendliche von Patres und Geistlichen in weit häufigerem Ausmaß missbraucht wurden, als man dies bis vor wenigen Wochen zu glauben wagte. Wer seine Kinder auf katholische Internate schickte oder in die kirchliche Jugendarbeit, der ging davon aus, dass diese in ihrer charakterlichen und seelischen Entwicklung gefördert würden. Dass die Kinder und Jugendlichen nicht nur nicht gefördert wurden, sondern oftmalig missbraucht, bedeutet im Ergebnis einen katastrophalen Vertrauensverlust breiter Bevölkerungskreise in die katholische Kirche. Noch viel schlimmer wiegt dieser Vertrauensverlust, da offensichtlich die Taten jahrzehntelang nicht aufgeklärt, sondern auch von Kirchenoberen systematisch vertuscht wurden. Genau dies stellt die eigentliche Nagelprobe der kommenden Monate und Jahre dar. Klärt die katholische Kirche nun wirklich rückhaltlos auf und hilft mit, dass sich Priester und Ordensleute vor deutschen Gerichten verantworten müssen oder nicht? Zollitsch hat versprochen, dass die Kirche nicht länger wegschaut, wenn es um die Aufklärung von Verbrechen geht. Gut so, wenn auch reichlich spät. Aber an diesen Worten wird sich die Kirche messen lassen müssen. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.


