THEMA DES TAGES
Zurückgepfiffen
Zwei Wochen lang konnte sich Norbert Röttgen sicher sein, im heiklen Streit um die Zukunft der Atomenergie in Deutschland die Rückendeckung der Kanzlerin zu haben. Jetzt hat Angela Merkel ihren Umweltminister zurückpfeifen lassen. Sie schlägt damit den Weg des geringsten Widerstands ein, gibt der lautstarken Kritik von Roland Koch, Stefan Mappus oder Guido Westerwelle nach. Das mag Merkels Bedürfnis nach etwas mehr Ruhe in der schwarz-gelben Koalition entsprechen und darüber hinaus dem Wunsch geschuldet sein, neuerlichen Konflikten mit den Ministerpräsidenten der Union aus dem Weg zu gehen. Dabei ist mit Merkels Machtwort nichts gelöst.Die notwendige Richtungsentscheidung über die Atomenergie wird auf die lange Bank geschoben. Wozu die frühere Bundesumweltministerin und heutige Regierungschefin und CDU-Vorsitzende tendiert, bleibt vage. Die Union ist tief zerstritten darüber, wohin die Reise gehen soll. Über Jahre hinweg gehörte das Festhalten an der Atomkraft zum Markenkern von CDU und CSU. Es war ein Profilierungsthema. Mit der Atomkraft ist bei den Wählern heute kein Blumenstrauß mehr zu gewinnen. Vorsichtig wurde unter Merkel zumindest in der Programmatik die Wende hin zur Förderung erneuerbarer Energien vollzogen. Röttgen, der nicht ohne Grund als Wegbereiter schwarz-gelber Bündnisse gesehen wird, setzt diesen Kurs selbstbewusst fort. Intern stößt er allerdings in einem Maß auf Widerstand, das Merkel wohl unterschätzt hat. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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