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THEMA DES TAGES

Horrorjahr genutzt

Von Michael Paproth

Schnell und vernichtend kam das Urteil der Anleger. Gerade 15 Minuten lag die Daimler-Bilanz vor, da war die Aktie schon mit acht Prozent ins Minus gerast. Ein enormer Kursverlust für ein Dax-Schwergewicht, der ungewöhnlich und deshalb bemerkenswert ist. Für das Unternehmen kein gutes Zeichen, wird doch an der Börse die Zukunft gehandelt und nicht die Vergangenheit. Doch wenngleich Börsianer schon oft das Gras wachsen hörten, die Aussichten des Daimler-Konzerns sind besser, als es der nach unten geprügelte Aktienkurs vermuten lässt. Das schwerfällige schwäbische Unternehmen hat das Horrorjahr 2009 dazu genutzt, einen rigiden Sparkurs zu fahren und um ein Vielfaches effizienter zu werden. Von den Einsparungen in Höhe von 5,3 Milliarden Euro, beispielsweise an Arbeits- und Materialkosten, wird ein erklecklicher Anteil nachhaltig sein. Zieht die Nachfrage weiter an, sind sprudelnde Gewinne zwangsläufig.Die Marke mit dem Stern ist gut aufgestellt, wie der Erfolg der neuen E-Klasse zeigt. Zudem kommen in den nächsten 24 Monaten 16 neue Mercedes-Modelle auf den Markt. Das verleiht weiteren Schub. Auch mit umweltschonenden Antrieben ist Daimler - endlich - besser in die Spur gekommen: Verbrennungsmotoren werden optimiert und durch Hybridantriebe ergänzt. Auch bei vollelektrischen Fahrzeugen mit Brennstoffzelle oder batterie-elektrischem Antrieb gibt es Fortschritte. Konzernchef Dieter Zetsche hat also gute Gründe, zuversichtlich zu sein - und wachsam: Probleme mit Einspritzdüsen des US-Zulieferers Delphi beim neuen Dieselmotor aus Untertürkheim sind ein kräftiger Schuss vor den Bug. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.

 

Artikel vom 19.02.2010 © Eßlinger Zeitung

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19.02.2010 08:52 von Kurt Huppenbauer

Eine Horror-Vision im Jahr 2010

Ein Milliarden Tsunami hat den Daimler Luxus-Liner auf hoher See der Finanz-und Wirtschaftskrise zum Kentern gebracht. Die letzten Funksprüche des Konzernjahresabschlusses 2009: Konzernergebnis mit 2,6 Mrd.Euro im minus, Umsatz um 19,6 Mrd.Euro gesunken, pro Kopf der Belegschaft eine Tapferkeits- und Lohnverzichtsprämie von 500 Euro, Null-Dividende und somit Fastengericht für die Aktionäre; in der Kapitäns- kajüte des Liners treffen sich Aufsichtsratschef Manfred Bischoff, Betriebsrat Erich Klemm und Dieter Zetsche, letzterer durchnässt mit dem zerbrochenen Steuerrad in der Hand, zur letzten Flasche Schampus und zum letzten Skat. Sie besprechen die nächsten Sparpläne vor Untergang ihres Liners. Die Börsen flaggen auf halbmast, die Analysten berichtigen ihre falschen Statements und die Journalisten denken mit Wehmut an die Einladung des Kapitäns Zetsche nach Abu Dhabi Mitte Dezember 2009. Der frisch gekürte Co-Pilot Wolfgang Bernhard hält ein Kalenderblatt, datiert vom 8.September 1994 hoch, auf dem Friedrich Flick als ehemaliger Daimler Großaktionär zitiert wird: "Wenn bei einem Unter- nehemn die Kasse nicht stimmt, müssen sich entweder die Zahlen ändern oder die Gesichter." In Berlin tagt deswegen der nationale Sicherheitsrat. Die Bundeskanzlerin stöhnt: Auch das noch. Sie reicht die Nachricht an ihren Vizekanzler weiter. Die Tagesschau berichtet am Abend vom Untergang des Luxusliners.


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