THEMA DES TAGES
Fasten
Politischer Aschermittwoch, Schlagabtausch am größten Stammtisch der Welt - da werden normalerweise die Samthandschuhe zuhause gelassen. Da wird Klartext geredet ohne Rücksicht auf Freund und Feind. Doch der Bedarf an Krawall und Haudrauf scheint zumindest bei den drei Parteichefs der schwarz-gelben Koalition fürs Erste gedeckt zu sein. Ein paar Nickeligkeiten, ein paar Spitzen, aber das war es dann auch schon in Richtung Koalitionspartner. Schließlich ist die Lage für die Regierung Merkel schon ernst genug. Ein Krisengipfel folgt dem nächsten. Das von Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer vereinbarte Stillhalteabkommen hat nicht lange gehalten. Erst stellt CDU-Umweltminister Norbert Röttgen die vereinbarte Laufzeitverlängerung beim Atomausstieg in Frage. Dann zettelt Außenminister und FDP-Chef Westerwelle eine Sozialstaatsdebatte an. Dessen Kalkül scheint klar zu sein: Der FDP-Chef will enttäuschte Unionswähler, die dem Merkel-Kurs der Mitte nicht folgen wollen, auf Dauer an seine Partei binden. Ob ihm das mit seiner Strategie der Polarisierung wirklich gelingt oder ob er mit seinem Auftreten am Ende nicht mehr Wähler abschreckt als gewinnt, ist längst noch nicht ausgemacht. Die Umfrageergebnisse jedenfalls geben ihm bisher nicht recht. Schwarz-Gelb sollte sich eine Art Fastenzeit verordnen. Verzicht auf Krawall, Chaos und Pannen. Doch anders als beim Karneval und Fasching ist bei der Koalition noch nicht absehbar, ob die tollen Tage wirklich vorbei sind. Kommentieren Sie diesen Artikel bei ez-online.de.



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