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Schneller als ein fliehendes Schaf

Beim Markgröninger Schäferlauf gewinnen alte Bekannte - Veranstaltung hat eine 500-jährige Tradition

  Nachwuchswasserträgerinnen rennen in Markgröningen über ein 300 Schritt langes Stoppelfeld. Foto: dpa
 

Nachwuchswasserträgerinnen rennen in Markgröningen über ein 300 Schritt langes Stoppelfeld. Foto: dpa

 

Von Jenna Behrends

Markgröningen - Mit der Hand auf der Brust setzte die Markgröninger Jugend zur Eröffnungshymne an: „Kommt Freunde Zuhauf zum Schäferlauf. Ja, wir freu'n uns auf ein Wiederseh'n in Markgröningen.“ Tatsächlich sind die diesjährigen Ge­winner des Markgröninger Schäferlaufs für die meisten der 3500 Besucher am Rande des Stoppelfelds alte Bekannte: Yvonne Fauser (19) aus Pfronstetten im Kreis Reutlingen und Andreas Erhardt aus Stödt­len im Ostalbkreis siegten bereits im Vorjahr. Stolz stiegen sie erneut auf das grün gestrichene Siegerpodest und nahmen ihre Kronen entgegen. Landrat Rainer Haas schmunzelte, das Anpassen der Krone an die Kopf­größen des Königspaars konnte er sich sparen. Nur die beiden Schafe, die neben den siegreichen Läufern blökten, waren Neu­linge: Sie sind der Preis für das schnellste Sprinterpärchen.

Mit schmutzigen, geschundenen Füßen - denn die 300 Schritt lange Strecke muss barfuß zurückgelegt werden - verließen auch die anderen vierzehn Teilnehmer das Stoppelfeld. Insgesamt haben acht Mädchen und acht Jungen teilgenommen. Nach offiziellen Regeln dürfen nur angehende Schäfer und Kinder aus Schäfersfamilien aus Baden- Württemberg teilnehmen, die mindestens vierzehn Jahre alt sind. ­Dies sei auch vom Zuchtverband überprüft worden, merkte der amtierende Bürgermeister Rudolf Kürner an. Eine große Nachwuchshoffnung des Markgröninger Schäferlaufs ist der erst 15-jährige, zweitplatzierte Michael Erhardt. Womöglich wird er bald dem diesjährigen Sieger, seinem Bruder Andreas Erhardt (18), den Rang ablaufen. Neben dem Barfußlauf finden jedes Jahr auch zahlreiche andere Wettbewerbe statt.

Mehrere Disziplinen

Beim Sacklaufen hoppelte mit deutlichem Vorsprung der 11-jährige Noah Wach in das mit Tannenzweigen gesäumte Ziel. Überrascht zeigte er sich nicht, schließlich hatte er doch in einem Projekt der örtlichen Realschule fleißig trainiert. Ähnlich routiniert wirkte Margarete Kramer, die als Erste ihren Wasserkübel im bereitgestellten Fass entleerte. Ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen balancierte sie den Behälter geschickt auf ihrem Kopf. Während zahlreiche ihrer Konkurrentinnen vorsichtig schlichen, damit kein Wasser überschwappte, setzte sie sicher einen Fuß vor den anderen. Selbst im Markgröninger Rathaus kann niemand mehr nachvollziehen seit wie vielen Jahren die Wasserträgerin ihre Technik bereits erfolgreich anwendet. Bei den jüngeren Teilnehmerinnen siegte Nadine Cupal. Auch der Tanz rund um den auf einem Pfal sitzenden Hahn ist eine traditionelle Disziplin: Nach Ansicht der Preisrichter plusterten sich Sarah Schipp und Boris Bäßler am erfolgreichsten auf. Danach fiel schließlich der Startschuss zum eigentlichen Höhepunkt, dem Schäferlauf. Wie eine bunte Wolke fegten die Mädchen in ihren roten, grünen und blauen Schäferröcken über das Feld. Der Siegeswille stand in ihren Gesichtern. Wenig später folgten die Jungen, traditionell in schwarzen Hosen und weißen Hemden. Sie alle haben auf dem matschigen Acker bewiesen, dass sie für den Beruf des Schäfers geeignet sind. Ein flüchtendes Schaf würde den schnellen Läufern nämlich nicht entkommen. Der Markgröninger Schäferlauf wird seit mehr als 500 Jahren gefeiert und ist damit das älteste Schäferfest im Land. Zu den viertägigen Ereignis erwarten die Veranstalter 100 000 Besucher.

 

Artikel vom 30.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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