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Köberle fordert Standards für Naturkosmetik

Gute Noten für Bio-Erzeugnisse - Ökomonitoring-Bericht vorgestellt

Stuttgart - Wo Bio draufsteht, ist in der Regel auch Bio drin. Laut dem aktuellen Ökomonitoring-Bericht 2009 haben 99 Prozent der in Stichproben untersuchten Bio-Waren das Öko-Siegel zu Recht getragen. Auch Naturkosmetik ist meist unbedenklich - allerdings fehlen aktuelle und rechtsverbindliche Regeln.

Von Hermann Neu

Der für Verbraucherschutz zuständige Minister für ländlichen Raum, Rudolf Köberle (CDU), erklärte gestern in Stuttgart, der gute Ruf der Bio-Lebensmittel habe sich im aktuellen Monitoring-Bericht bestätigt. Köberle sprach von einem „Siegeszug“ der Lebensmittel mit ökologischem oder biologischem Hintergrund. Inzwischen entfalle im Land auf diesen Bereich ein Flächenanteil von sieben Prozent. Von bundesweit 31 000 Betrieben in Produktion und Vermarktung haben 8000 ihren Sitz im Südwesten. An den fast 950 000 Hektar biologisch ausgerichteter Landwirtschaftsfläche bundesweit stellt der Südwesten 100 000 Hektar. Selbst im Krisenjahr 2009 hat die Biobranche laut Köberles Angaben noch ein Plus verbucht. Ob Bioprodukte aber besser schmecken und gesünder sind, müssten die Verbraucher für sich entscheiden, sagte der Agrarminister. Dies sei nicht Gegenstand des Monitorings gewesen.

Dem Bericht zufolge wurden 900 Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung gezielt auf bestimmte Inhaltsstoffe, Rückstände und Schadstoffe untersucht. Die Palette reichte von nicht zugelassenen Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärker in Würstchen über Spritzmittel auf Gemüse und Obst über Furane in Kaffee bis hin zu Acrylamid in Keksen und Dioxin in Eiern und Rindfleisch. 99 Prozent der Proben trugen das Öko-Siegel zu Recht, drei Viertel waren ganz ohne Rückstände. Auch der „Eierskandal“ des vergangenen Jahres, als zu viel Dioxin in Bio-Eiern gemessen wurden, war laut Ministeriumsangaben ein Einzelfall und von verunreinigtem Futtermittel verursacht.

433 Proben pflanzlicher Herkunft wurden auf Rückstände von Spritzmitteln getestet. Die Quote der Beanstandungen nahm dabei weiter ab. Nur vier Proben waren betroffen. Gleichzeitig wurde auf wesentlich mehr Stoffe untersucht: Im Jahr 2002 etwa wurde noch auf maximal 200 Wirkstoffe getestet, inzwischen sind es mehr als 500. Die Lebensmittelchemiker kontrollierten mit immer effektiveren Methoden, fänden aber immer weniger, erklärte Köberle. Er verwies allerdings darauf, dass auch konventionell erzeugte Ware laut den jüngsten Berichten der Lebensmittelüberwachung sicher sei.

Änderungen fordert der Minister für Naturkosmetika: Die Hersteller betrieben ihre Werbung vielfach mit wohlklingenden Namen und einer Fülle selbstkreierter Güte- und Prüfsiegel. Da aber spezielle Regelungen für Naturkosmetika fehlten, seien die Verbraucher auf die Ehrlichkeit der Werbestrategen der Naturkosmetikbranche angewiesen. Die noch aus dem Jahr 1993 stammenden Mindestanforderungen sind für Köberle „weder aktuell noch rechtsverbindlich“ und kein Schutz der Verbraucher vor Täuschung. Nötig sei daher eine klare und rechtsverbindliche europäische Regelung. Negativ aufgefallen sind Naturkosmetika allerdings nicht: Von 61 Produkten, die im vergangenen Jahr kontrolliert wurden, war lediglich eine Augencreme nicht einwandfrei.

 

Artikel vom 28.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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