ICE-Panne wird untersucht
Bundespolizei prüft Notfallmanagement der Bahn - Auch Klimaanlage augefallen
Stuttgart (lsw) - Nach der ICE-Panne in einem Tunnel bei Vaihingen/Enz ist die Bahn ins Visier der Bundespolizei und des Eisenbahnbundesamtes geraten.
„Wir konzentrieren unsere Untersuchungen auf das Notfallmanagement der Bahn“, sagte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamtes gestern in Stuttgart. Insbesondere solle geklärt werden, warum der Zug in einem Tunnel zum Stehen kam und welche Maßnahmen die Bahn danach ergriffen hat. Die Unfalluntersuchungsstelle geht davon aus, dass das technische Problem am Stromabnehmer im Triebfahrzeug verursacht wurde. Dieser leitet den Strom von der Oberleitung in den Zug. Die Bahn will die Reisenden entschädigen. Auch die Bundespolizei befasst sich mit der Panne: Laut einer Sprecherin wird untersucht, ob Fehlverhalten seitens der Bahn oder von Mitarbeitern vorliegt. Davon geht der Fahrgastverband Pro Bahn aus. Laut den Angaben des Verbandsvorsitzenden in Baden-Württemberg, Stefan Buhl, ist die Bahn in kritischen Situationen überfordert. „Die Sicherheitskonzepte der Bahn sind offensichtlich untauglich. Wenn schon ein solch banaler Vorfall so schwerwiegende Folgen hat, wollen wir uns gar nicht vorstellen, was bei einem Fahrzeugbrand passieren wird“, sagte Buhl. „Die Sicherheitskonzepte der Bahn müssen auf den Prüfstand. Man muss überprüfen, inwieweit sie theoretisch und praktisch sinnvoll und ausreichend sind.“ Die Bahn befragt zurzeit ihre Mitarbeiter zu dem Vorfall. „Außerdem wird den Fahrgästen der Fahrpreis zu 100 Prozent zurückerstattet“, sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Reisende, die in ärztlicher Behandlung waren, erhalten je 500 Euro Schadenersatz.
Am Sonntag war ein ICE mit 420 Passagieren an Bord im Pulverdinger Tunnel bei Vaihingen/Enz steckengeblieben. Ein Abschleppversuch scheiterte. Die Gäste mussten stundenlang bei ausgefallener Klimaanlage ausharren. Sieben bekamen Kreislaufprobleme, eine Frau war gestern immer noch im Krankenhaus. Defekte Klimaanlagen hatten die Bahn jüngst mehrmals in die Bredouille gebracht: 50 Zugverbindungen waren von dieser Störung betroffen. Für größere Verspätungen bezahlt die Bahn Entschädigungen; bei zwei Stunden gibt es 50 Prozent des Fahrpreises erstattet. Deshalb können die im ICE stecken gebliebenen Fahrgäste Geld zurück verlangen. Der fahruntüchtige ICE steht nun im Abstellbahnhof in Stuttgart-Untertürkheim.
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