Viele warme Worte zu Oettingers Abschied
Zetsche: Sie haben den Schwaben das Sparen beigebracht - Mappus überreicht Kunstgegenstände
Stuttgart - „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ - das mag sich Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) nach all den warmen Worten bei seiner Verabschiedung im Stuttgarter Opernhaus gefragt haben. Doch der frisch gebackene EU-Energiekommissar beantwortete die Frage gestern gleich selbst. Zwar sei Brüssel immer eine Reise wert, aber für eine Visite am Wochenende sei dies auch die Landeshauptstadt. Der Schwabe bleibt der Heimat verbunden und verfolgt, was sein Nachfolger macht. Wohlweislich fügte er mit Blick auf den neuen Regierungschef Stefan Mappus (CDU) hinzu: „nicht mit täglichem Rat, sondern mit Respekt“. 1000 Gäste machten dem 56-Jährigen ihre Aufwartung. Neben Ministern und Abgeordneten aus dem Südwesten sowie Oettingers Vorgängern Erwin Teufel und Lothar Späth (beide CDU) waren auch die ehemaligen bayrischen Amtskollegen Edmund Stoiber und Günther Beckstein (beide CSU) in den Prunksaal der Württembergischen Staatstheater geladen. Der sehr gerührte ehemalige Ministerpräsident wurde begleitet von Sohn Alexander, Mutter Anita und Lebensgefährtin Friederike Beyer.
Bei der Verabschiedung eines der Wirtschaft stets gewogenen Regierungschefs dürfte ein hochrangiger Vertreter der Industrie auf der Rednerliste nicht fehlen. Diesen Part erledigte Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Bravour. Premiumlimousinen aus Baden-Württemberg seien seit langem ein Exportschlager, neu sei, dass jetzt auch Ministerpräsidenten exportiert werden, sagte er. Das Fachgebiet Energie passe zum „Energiebündel“ Oettinger. Er fügte hinzu: „Sie haben den Schwaben das Sparen beigebracht.“
Schuldenbremse mit Struck
Auch weit über das Land hinaus habe er gemeinsam mit Peter Struck (SPD) in der Föderalismuskommission vernünftiges Haushalten gelehrt und eine Schuldenbremse für Bund und Länder durchgesetzt - trotz der vielen Unterschiede zwischen Struck und Oettinger. Diese lägen nicht nur in den Parteibüchern, sondern auch im Aussehen: „Der eine hat eine Frisur, der andere nicht.“ Die Anspielung auf Oettingers stets perfekt gestylten Schopf und Strucks Haarkranz belustigte umso mehr, da Zetsche was Haartracht und Schnauzer angeht fast als Zwilling Strucks durchgehen könnte. Struck würdigte seinen Partner in der allen Unkenrufen zum Trotz erfolgreichen Kommission, ging aber mit der schwarz-gelben Koalition ins Gericht, die für 2010 die höchste Neuverschuldung in der bundesdeutschen Geschichte verkündet hatte. „Günther Oettinger und ich gelten als die Väter der Schuldenbremse; ich bin nicht ganz sicher, ob die Kinder, vor allem die in Berlin, sich daran halten. Ein bisschen amateurhaft kommt mir das schon vor.“ Auch Oettinger schrieb den Landes- und Europapolitikern ins Stammbuch: Die Finanzkrise in Griechenland sei ein Warnschuss zur rechten Zeit. „Wir alle leben über unsere Verhältnisse.“
Laut Mappus ist der Aufstieg eines Baden-Württembergers unter 82 Millionen Deutschen in die EU-Exekutive eine Ehre für die Landespolitik und verdeutlicht die führende Rolle des Landes als Wirtschafts- und Innovationsregion in Europa. Damit Oettinger seine Wurzeln auch in Brüssel nicht vergisst, übergab Mappus ihm ein Werk desselben baden-württembergischen Künstlers, der bereits das Bild in Oettingers früherem Amtszimmer geschaffen hatte. „Blaue Architektur“, ein leuchtend blaues Quadrat von Hans Peter Reuter, und ein im Ländle gegossener Bronze-Stier für Stärke und Durchsetzungskraft in Europa sollen Oettinger in Brüssel an die Heimat erinnern.




Artikel kommentieren