Salem geht in die Offensive
Salem (lsw) - Die Internatsschule Salem hat alle gegenwärtigen und ehemaligen Schüler aufgefordert, eventuellen Missbrauch offenzulegen. Dabei gehe es um „Grenzüberschreitungen und Übergriffe jeglicher Art“, teilte das Elite-Internat am Bodensee gestern mit. Der Schulleitung seien bislang keine Fälle sexuellen Missbrauchs bekanntgeworden. In der Vergangenheit habe die Schule ausschließlich auf Vorfälle reagiert, in denen Schüler über Belästigungen geklagt hätten. Dabei sei das Internat jedem Hinweis nachgegangen. In einem „schwerwiegenden Fall versuchten Missbrauchs“ sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. „Der Schutz der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen hat oberste Priorität“, erklärte Schulleiterin Eva Marie Haberfellner. Der frühere Schulleiter Bernhard Bueb hatte am Dienstag im SWR erklärt: „Es gab Situationen, wo Schüler sich an mich wandten oder an andere Mitarbeiter und erklärten, sie seien belästigt worden.“ Die verantwortlichen Lehrer seien darauf sofort entlassen worden, erklärte Bueb, der von 1974 bis 2005 an der Spitze der Privatschule gestanden hat.
Unterdessen will der Trägerverein nach der Kritik an der designierten Leiterin des Internats Salem, Monika Zeyer-Müller, im April über das weitere Vorgehen beraten. Der Vorstand des Internatsvereins werde zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammenkommen, teilte die Schule gestern mit. „Das Ergebnis der Beratungen ist offen“, sagte Vorstandsmitglied Günter Reinhart. Die 53-jährige Leiterin des Humboldt-Gymnasiums in Schweinfurt mit CSU-Parteibuch soll ihr Amt am Bodensee am 1. September antreten und Haberfellner ablösen, die in den Ruhestand geht. Zeyer-Müller hat einen Fünfjahresvertrag bekommen. Eltern, Schüler sowie ehemalige Salemer kritisieren ihre mangelnden Erfahrungen mit Internaten und auf internationaler Ebene sowie das Berufungsverfahren durch den Vorstand. Auch die pädgogisch-kommunikative Qualifikation Zeyer-Müllers wird in Zweifel gezogen.




Artikel kommentieren