Rauchverbot in der berühmtesten Raucherkneipe im Land

Viele Wirte haben inzwischen ihren Frieden mit den gelockerten Bestimmungen gemacht

Tübingen (lsw) - Vor einem Jahr war der Tübinger „Pfauen“ noch das Flaggschiff der Raucher: Bundesweit war Kneipenwirt Uli Neu in den Schlagzeilen, als er gemeinsam mit einigen Mitstreitern beim Bundesverfassungsgericht das staatliche Rauchverbot zu Fall brachte. Vor einem Jahr durfte deshalb in 3000 Eckkneipen im Südwesten wieder an den Glimmstängeln gezogen werden - auch im „Pfauen“. Allerdings brechen dort für die Raucher demnächst harte Zeiten an: Nach einem Besitzerwechsel will der neue Chef die berühmteste Raucherkneipe im Land zum rauchfreien Speiselokal umbauen.

 

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„Rauchen ist einfach nicht mehr angesagt“, glaubt Robert Frunder, der neue Wirt. Zwar soll aus dem „Pfauen“ kein gehobenes Restaurant werden, aber eben doch eine Gaststätte mit vollwertiger Küche. Zwar führt der bekannte Tübinger Gastwirt das Lokal, das er im vergangenen Herbst übernommen hat, vorerst als Raucherkneipe weiter. Wirklich glücklich ist er damit aber nicht. Froh werde er sein, wenn er im Herbst endlich das Schild „Rauchergaststätte“ entfernen und die Speisekarte aufhängen könne, erzählt er.

Auch viele andere Wirte haben inzwischen ihren Frieden mit dem gelockerten Rauchverbot gemacht, sagt Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Stuttgart. Erbittert hatten viele Wirte gegen das vom Staat verordnete Rauchverbot in ihren Lokalen gestritten. Davon sei nur noch wenig zu spüren. „Die Luft ist etwas raus“, sagt Ohl. Schließlich darf in Einraumkneipen wieder geraucht werden, wenn dort keine warmen Speisen serviert werden - und viele Eckkneipen hatten ohnehin nie eine Küche. „Und die gute Luftqualität in den Lokalen wird von den Gästen auch geschätzt.“

Ob das gelockerte Rauchverbot die Umsätze überhaupt belastet, lasse sich nicht generell ausmachen, sagt Ohl. Als das Rauchen 2007 durch das erste Nichtraucherschutzgesetz in kleinen Kneipen ganz verboten worden war, waren die Geschäfte noch spürbar schlechter geworden. Uli Neu, der damalige Wirt des „Pfauen“, nahm laut eigenen Angaben 30 Prozent weniger Geld ein. Anderswo sah es ähnlich aus. 90 Prozent der Kneipengäste sind laut Dehoga-Angaben Raucher. Für Uli Neu waren diese Umsatzeinbußen zu heftig: Der ohnehin wirtschaftlich angeschlagene Kneipier konnte im August des vergangenen Jahres seine Pacht nicht mehr bezahlen und musste den „Pfauen“ verkaufen. „Das Rauchverbot war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, sagte sein Anwalt damals.

Sein Nachfolger will nun also beweisen, dass der „Pfauen“ ohne Zigarettenrauch mindestens genauso erfolgreich sein kann. Viele Stammgäste sind davon nicht begeistert. Sie haben die Wahl: Entweder mit dem Rauchen aufzuhören, oder sich eine andere Kneipe zu suchen.

Artikel vom 09.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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