Zwischen Schneechaos und Skifahrerglück
Tief „Yve“ bringt den Winter zurück - Nichts geht mehr auf der A 8
Karlsruhe/Albstadt/Feldberg (lsw) - Des einen Glück, des anderen Pech: Der Winter ist am Wochenende im Südwesten noch einmal
zu Hochtouren aufgelaufen und hat all seine Facetten gezeigt. So bescherte Tief „Yve“ am Samstag bis ins Flachland eine dichte
Schneedecke und sorgte auf den Straßen für Chaos.
Es gab hunderte Unfälle, bei denen Autofahrer teils schwer verletzt wurden; meist blieb es laut Angaben der Polizei aber bei Blechschäden. Selbst auf Autobahnen ging zeitweise nichts mehr. Wintersportler hatten dafür am Sonntag Sonne und Pulverschnee satt. Liftbetreiber freuten sich nicht nur über ein gutes Wochenende; sie blicken auch zufrieden auf einen zumeist fantastischen Winter zurück. Der Albaufstieg auf der A 8 in Richtung München musste am Samstagmorgen wegen liegengebliebener Lastwagen für mehrere Stunden gesperrt werden. In der benachbarten Schweiz zählte die Polizei allein am frühen Morgen mehr als 100 Unfälle. Für die Regierungsbezirke Freiburg und Karlsruhe wurde eine Unwetterwarnung herausgegeben. Dort kam es von Freitagabend bis Samstagmorgen zu 179 Unfällen mit 14 Leichtverletzten. Der öffentliche Nahverkehr stand an einigen Orten zeitweise still: In Ulm fuhren am Samstagmorgen stundenlang keine Busse mehr. In Baden-Baden und Geislingen an der Steige (Kreis Göppingen) wurde wegen des Schnees der Nahverkehr vorübergehend ganz eingestellt. Auf den Gleisen sorgte Tief „Yve“ nur für einige Zugausfälle und leichte Verspätungen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn AG. Deutschlandweit kamen am Wochenende durch Verkehrsunfälle mindestens neun Menschen ums Leben. 24 Verletzte gab es durch zwei Massenkarambolagen auf der A 4 zwischen Dresden und Chemnitz. In Nordrhein-Westfalen registrierte die Polizei mehr als 335 Verkehrsunfälle und 45 Verletzte. Von seiner schönsten Seite zeigte sich der Winter dafür gestern: 40 Zentimeter Pulverschnee und strahlender Sonnenschein verwandelten nicht nur den Schwarzwald in ein Wintermärchen: „Das war einer der Top-Tage in diesem Winter“, sagte gestern der Betreiber des Skiliftes Unterstmatt. Er hofft, dass die weiße Pracht noch mindestens bis Ostern bleibt. Für Skifahrer und Liftbetreiber war es bis bislang meist ein toller Winter: Wochenlanger Dauerfrost und kräftiger Schneefall vor den Faschingsferien haben im Südwesten für viel Trubel auf den Pisten gesorgt. Besonders gut lief es dort, wo es neben dem reinen Skifahren auch noch Après-Ski oder andere Unterhaltung gab, wie eine Umfrage er‑ gab. „Die aktuelle Wintersaison war sehr gut“, sagte Gaby Baur von der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg. Die Liftanlagen würden sicher noch einige Wochen weiterlaufen.
Schneekanonen helfen nach
Auch beim Wintersportverein Ebingen in Albstadt (Zollernalbkreis) hieß es: „Das war einer der besten Winter überhaupt.“ Seit Weihnachten läuft der Lift - auch dank Schneekanone - fast ununterbrochen. Auf der Schwäbischen Alb hätte es für einen perfekten Winter hingegen mehr schneien müssen: Vor allem um Weihnachten standen viele Lifte still. Nur an Hängen mit Schneekanonen kamen Wintersportler zum Jahreswechsel auf ihre Kosten.
Richtig zufrieden ist man dafür in Isny im Allgäu. „Wir hatten eine sehr gute Saison - und haben auch im März noch etwas zu bieten“, sagt Magret Kaiser, Leiterin des Tourismus-Büros. Isny ist ein großes Langlaufzentrum mit 120 Kilometern Loipen. „Die ganze Saison war Langlauf möglich.“
Nach der Vorhersage der Meteorologen bringt Hoch „Isidor“ in den nächsten Tagen zwar Sonnenschein, doch klirrend-kalte Temperaturen.



