› mehr Wetter 

„Pussy-Club“-Prozess zieht sich länger hin

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein schnelles Ende im Prozess gegen die Betreiber der „Pussy-Club“-Bordelle ist nicht absehbar: Weil auch vor dem zweiten Verhandlungstag am Freitag kein Vergleich zustande gekommen ist, hat der Vorsitzende Richter am Stuttgarter Landgericht mit Blick auf die vielen Zeugen sieben zusätzliche Prozesstage angesetzt. Damit sind jetzt noch 19 geplant. Die Staatsanwaltschaft wirft den fünf Hauptangeklagten Menschenhandel und Sozialversicherungsbetrug vor. Sie sollen in vier sogenannten „Flatrate“-Bordellen in Fellbach (Rems-Murr-Kreis), Heidelberg, Wuppertal und Berlin Frauen unter unwürdigen Bedingungen beschäftigt haben.
Die 22- bis 29-jährigen Hauptangeklagten hätten die Prostituierten in der Buchhaltung als „Selbstständige“ geführt und so rund 2,3 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge am Fiskus vorbeigeschleust. Von März 2008 bis Juli 2009 seien rund 200 Frauen in den vier Bordellen mit niedrigen Pauschalpreisen beschäftigt gewesen. Die meisten von ihnen seien Rumäninnen und hätten keine gültige Arbeitserlaubnis gehabt. Für 100 bis 200 Euro hätten sich die Frauen einen Tag lang zur Verfügung gehalten. 64 von ihnen waren laut Anklage zu der Zeit unter 21 Jahre alt. In diesen Fällen lautet die Anklage Menschenhandel, denn sie genießen laut Gesetz einen besonderen Schutz.
Der Richter verlas im Prozess eine ältere Rechtfertigung der 26- jährigen Hauptangeklagten. In dem Papier, das sie im Sommer unter anderem an die Polizei geschickt hatte, betont sie, die „Damen“ hätten es bei ihr gut. Sie müssten weder Miete noch Material bezahlen und stünden deshalb deutlich weniger unter Druck als Frauen in vielen anderen Bordellen. Das wirtschaftliche Risiko trage der Pussy-Club. Ihre „Subunternehmerinnen“ könnten frei entscheiden, ob sie mit den Freiern Sex haben wollten und in welcher Form. „Alles kann, nichts muss.“ Ein Ausstieg aus den Verträge mit zweimonatiger Laufzeit sei jederzeit möglich gewesen.

 

Artikel vom 05.03.2010 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

Leser-Kommentare (0)

-› Artikel kommentieren


Premiumservice

Ihre Zeitung am PC, am Smartphone und auf dem iPad: E-Paperabo und Onlineabo

 

Alle Angebote

 

Registrierte Nutzer verwalten Ihre Zugangsdaten hier.

 

Mehr dazu

 

Werbung

Fragen Sie Ihren Landtagsabgeordneten

Ihre Postleitzahl:

 

Zu abgeordnetenwatch.de

 
top zum Seitenanfang