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AUSFLUGSTIPP SCHAUINSLAND BEI FREIBURG

Ein Berg, der seinen Namen verdient hat

Zwei Wanderer auf dem Schauinsland, mit Blick auf den Feldberg.Foto: Archiv
 

Zwei Wanderer auf dem Schauinsland, mit Blick auf den Feldberg. Foto: Archiv

 

Von Alfred Behr

Zwei Berge bilden, mächtigen Tortürmen gleich, den Eingang zum Schwarzwald vom Breisgau aus. Der eine Berg ist der Hausberg von Waldkirch, der 1242 Meter hohe Kandel, der andere ist der Hausberg von Freiburg, der 1284 Meter hohe Schauinsland, der seinen Namen zu Recht trägt. Denn vom Gipfel des Schauinslands, vor allem vom nur knapp zwanzig Meter hohen Eugen-Keidel-Turm (benannt nach einem früheren Freiburger Oberbürgermeister), hat man einen fantastischen Blick auf die Freiburger Weststadt, auf Kaiserstuhl, Vogesen, den Feldberg und die weite Rheinebene.

Durch Bergbau freie Sicht

Bei klarer Sicht sind sogar der Schweizer Jura und die Alpen zu erkennen. Großartig ist die Sicht auch im Spätherbst und im Winter, wenn die Rheinebene bei Inversionswetterlagen unter einer 600 bis 1000 Meter hohen Wolkendecke liegt, während auf der Höhe klare Luft und eine bis zu zehn Grad höhere Temperatur als in Freiburg herrschen.

Dass es dort oben aber auch saukalt und stürmisch sein kann, ist an den markanten Weidbuchen zu sehen, die der vorwiegend aus Westen wehende heftige Wind so zerzaust hat, dass sie allgemein nur „Windbuchen“ genannt werden. Da die Jahresdurchschnittstemperatur bei nur fünf Grad Celsius liegt und der Niederschlag beträchtlich ist, können sich hoch droben nur wenige widerstandskräftige Baumarten behaupten. Ein Hinweisschild auf einem Lehrpfad klärt darüber auf, dass es sich auf dem Schauinsland um einen hochmontanen Buchen-Tannen-Mischwald handelt, der vor allem aus Bergahorn und Fichten besteht.

Der Wanderer freut sich über die großen freien Wiesenflächen auf dem Berg, weil ihm die Sicht dort nicht durch Bäume verstellt wird. Das war im Mittelalter anders. Damals war der Schauinsland reich bewaldet, bis mit dem Bergbau begonnen wurde, dessen Holzbedarf enorm war. Etwa 800 Jahre lang wurden am Schauinsland Silber, Blei und Zink abgebaut. Im Volksmund hieß der Schauinsland deshalb früher „Erzkasten“.

Kulturhistorische Dokumente

Erst 1954 wurde der Bergbau eingestellt, weil er nicht mehr wirtschaftlich war. Über die Arbeit der Bergleute informiert das Museums-Bergwerk Schauinsland, das einstmals das größte Silberbergwerk in Süddeutschland war. Das Grubengebäude hat eine Länge von 100 Kilometern, verteilt auf 22 Etagen (Sohlen). Der dortige Bergbau brachte der Stadt Freiburg Reichtum und Wohlstand. Ohne ihn wäre der Bau des Münsters mit dem „schönsten Turm der Christenheit“ (Jacob Burckhardt) nicht möglich gewesen. Die Dauer der Führungen durch das Bergwerks-Museum liegt zwischen 45 Minuten und zweieinhalb Stunden. Wer unter Tage gehen will, ob kurz oder lang, sollte sich warm anziehen. Die Temperatur liegt dort stetig bei nur zehn Grad Celsius, die Luft ist meist feucht.

Im Barbarastollen, einem stillgelegten Versorgungsstollen, lagern seit 1975 unzählige, auf Filmrollen kopierte Dokumente von hoher national- oder kulturhistorischer Bedeutung. Dazu gehört etwa der Vertragstext des Westfälischen Friedens nach dem Dreißigjährigen Krieg vom 24. Oktober 1648 oder auch die Bann-Androhungsbulle von Papst Leo X. gegen Martin Luther vom 15. Juni 1520. Dafür, dass die Archivalien dort so sicher wie möglich lagern, sorgt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

„Schniederlihof“ als Museum

Wer sehen möchte, wie früher ein typisches Schauinslandhaus - mit guter Stub’ und Herrgottswinkel - aussah, sollte dem „Schniederlihof“ einen Besuch abstatten. Der 1593 erbaute Hof, in dem Mensch und Vieh unter einem mächtigen, schindelgedeckten Dach zusammen lebten, wurde bis 1966 bewirtschaftet. Danach stand er leer, bis ihn die Gemeinde Hofsgrund erwarb und zum Bauernhausmuseum machte. Die Führung dauert etwa eine dreiviertel Stunde.

Das Engländerdenkmal auf dem Schauinsland erinnert an eine traurige Begebenheit am 17. April 1936. An jenem Tag verlor eine Gruppe englischer Schüler in einem Schneesturm unterhalb des Gipfels die Orientierung. Fünf Schüler erfroren.

Von der Talstation Horben führt Deutschlands längste Umlaufseilbahn zur Bergstation am Schauinsland. Sie überwindet auf einer Länge von 3600 Metern einen Höhenunterschied von fast 750 Metern. Die Fahrt mit den Kabinen, in denen bis zu sieben Personen Platz haben, dauert etwa 20 Minuten.

So kommt man nach oben

Bequemste Möglichkeit auf den Schauinsland zu kommen ist natürlich die Fahrt mit der Seilbahn von der Talstation Horben (473 Meter) bis zur Bergstation (1214 Meter). Hin- und Rückfahrt Erwachsene 12 Euro, Kinder (6 bis 14 Jahre) 7,50 Euro. Fahrzeit: etwa zwanzig Minuten. Oben gibt es gut ausgeschilderte Rund- und Wanderwege. Ein Abstecher zur Rappenecker Hütte lohnt sich.

Gute Radler schaffen den Aufstieg. Wer nur oben radeln will, kann das Rad mit in die Seilbahn nehmen.

Wer gut zu Fuß ist und Fahrgeld sparen will, kann in Serpentinen auf die Spitze wandern. Der Aufstieg dauert (mindestens) drei Stunden.

 

Artikel vom 27.07.2012 © Eßlinger Zeitung

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