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VfL Wangen erkämpft Sieg in Unterzahl

VfL gewinnt in der Fußball-Bezirksliga gegen die SG Untertürkheim mit 2:1 - Bereits nach 35 Minuten sieht Wangens Sonntag die Ampelkarte

  Großaufkommen im SGU-Strafraum: Wangens Stürmer Andreas Andler (Nummer 11) versucht vergeblich den Ball an Schlussmann Sutharsan Satkunanandan vorbei zu bringen, während Kai Läpple nur noch zuschauen kann.Foto:  Pixelfrog
 

Großaufkommen im SGU-Strafraum: Wangens Stürmer Andreas Andler (Nummer 11) versucht vergeblich den Ball an Schlussmann Sutharsan Satkunanandan vorbei zu bringen, während Kai Läpple nur noch zuschauen kann. Foto: Pixelfrog

 

Wangen - Testspielergebnisse sind so viel Wert wie ein nicht abgegebener Lotto-Schein mit sechs Richtigen. Das zeigte sich wieder einmal am Donnerstagabend im Lokalderby zwischen dem VfL Wangen und der SG Untertürkheim. Während der VfL zum Beispiel beim Neckarhafen-Pokalturnier einen schwachen Eindruck hinterließ, triumphierte die SGU. Als es an die Pflicht und um Punkte ging, war dies anders: Der VfL Wangen besiegte die favorisierten Untertürkheimer nach tollem Kampf mit 2:1 (0:0).

Von Torsten Streib

Nach dem Abpfiff herrschte großer Jubel im Lager des Aufsteigers. Die ersten drei Punkte auf dem Weg zum Klassenverbleib waren eingepackt und auch fürs Selbstvertrauen ist ein Sieg gegen das Team von der anderen Neckarseite immer gut, zumal die letzten Aufeinandertreffen vor drei Jahren schmerzlich und demütigend waren: Der VfL kassierte mit 0:6 und 1:5 jeweils eine Packung. Nur einer fehlte im Freudentaumel, war nach dem Abpfiff schlagartig verschwunden: VfL-Coach Michael Mährle. Dieser zog sich in die Kabine zurück, feierte kurzzeitig für sich, um später schmunzelnd zu sagen: „Ich darf nicht so großartig feiern, schließlich bin ich ja noch Mitglied bei der SGU. Deshalb bin ich verschwunden.“ Und so mancher SGUler scherzte: „Den schmeißen wir aus dem Verein.“Zum Scherzen war vor der Partie niemandem zumute. Die SGU-Spieler trugen Trauerflor und die Begegnung begann mit einer Gedankminute für die in dieser Woche verstorbene Inge Wittmann.Wer danach ein Anrennen und überlegene Spielführung der Untertürkheimer erwartet hatte, wurde genauso überrascht wie die SGU-Spieler wohl selbst. Denn die Wangener setzten ihr Laufwerk mächtig in Bewegung, griffen bereits weit in der SGU-Hälfte an und sorgten bei den Gästen für Verwirrung. „Wir wussten, dass die SGU Schwierigkeiten hat ins Spiel zu finden. Das wollten wir nutzen und die Taktik ging auf“, war Mährle von seinem Schachzug begeistert.

Fragwürdiger Foulelfmeter

Lob gab‘s auch von SGU-Spieler Bülent Güner, der Trainer Gunter Wenninger auch als Coach vertrat. „So aggressiv wie Wangen ranging, haben wir uns das eigentlich vorgenommen. Sie haben die entscheidenden Zweikämpfe im Mittelfeld gewonnen und uns somit den Schneid abgekauft. Wäre Sonntag nicht so früh vom Platz geflogen, hätten sie uns wohl weiter beherrscht“, so Güner. Denn für Wangens Spielführer Andreas Sonntag war der Bezirksliga-Spieltag bereits nach 35 Minuten beendet. Da holte er sich nach einem überflüssigen Foul an der Mittellinie die zweite Gelbe ab und musste zurecht vom Feld. Kurz zuvor vergab Wangen eine Großchance durch Andreas Andler, der frei vor dem Tor zu überhastet abzog. Mit der nummerischen Überlegenheit wurde die SGU auch überlegener und spielte gefälliger. Die Großchance zur Gäste-Führung vergab Neuzugang Adjmal Noorin (44.). Völlig frei im Strafraum wurde er hoch angespielt. Beim Stoppen sprang ihm der Ball weg, aber immer noch hatte er die Chance. Doch Damian Nagler, der vor allem in der zweiten Hälfte zum besten Wangener Akteur avancierte, lenkte den Ball zur Ecke. Wenig später ertönte der Pausenpfiff - zur richtigen Zeit für die Wangener, denn die SGUler steigerten sich immer mehr. „Die Pause hat unsere aufkommende Spielfreude gebremst“, so Güner. Völlig ausgebremst hat die SGU der Elfmeterpfiff in der 50. Minute. Matthias Zondler stieg zum Kopfball hoch und Torhüter Sutharsan Satkunanandan sprang irgendwie in ihn hinein - ein Elfmeter Marke „muss man nicht unbedingt pfeifen“. Carmine Marvulli war‘s egal. Er versenkte vom Punkt aus sicher. Postwendend hätte die SGU ausgleichen müssen. Doch zwei Versuche reichten nicht zum Torerfolg. Mohammad Alami scheiterte frei vor Nagler und dem Nachschuss von Noorin zentral vor dem Tor gelang es auch nicht, an dem VfL-Schlussmann vorbei zu kommen. Dies rächte sich in der 55. Minute. Ümit Arpaci verwandelte einen Freistoß aus 23 Metern herrlich zum 2:0. „In der Vorbereitung habe ich so schlecht geschossen, umso überraschter bin ich, dass der so gut reinging“, so Arpaci nach dem Spiel. Zondler hätte kurz danach für die Entscheidung sorgen können, doch er scheiterte frei vor Satkunanandan. Die SGU brauchte einige Zeit, um den Schock zu verdauen, drängte dann aber vehement auf den Anschlusstreffer. Die Spielzüge waren bis zum Strafraum gefällig, da aber zu häufig durch die Mitte gespielt wurde, kam die VfL-Abwehr zwar unter Druck, aber nicht wirklich in Gefahr. Dies änderte sich schlagartig in der Schlussviertelstunde. In der 75. Minute tankte sich Kai Läpple geschickt durch und kam zu Fall. Doch der Elfmeterpfiff blieb aus. „Wenn er den für Wangen pfeift, dann hätte er in dieser Situation ebenfalls Elfmeter pfeifen müssen“, ärgerte sich Güner. Sechs Minuten später war es aber soweit: Kapitän Toni Botta überlistete im Eins gegen Eins Nagler und es hieß nur noch 1:2. Bei den Gastgebern merkte man ob der Unterzahl die schwindenden Kräfte an. Sie versuchten nur noch irgendwie das Ergebnis über die Zeit zu retten. „Wir hatten in der Schlussphase so viele Chancen, hätten die Partie sogar noch gewinnen können“, so Güner. Da hat er Recht. Doch Reinhardt, Ürün und zweimal Noorin vergaben in der Endphase 100-prozentige Chancen. „Die Mannschaft hat super gekämpft. Ein Extra-Lob hat Torwart Nagler verdient, der gezeigt hat, was er kann“, sagte Mährle, nachdem er aus der Kabine wieder aufgetaucht war. Am Sonntag erwartet die Wangener der nächste heiße Tanz, man muss bei der SG West antreten.

Die SGU empfängt den TSV Münster, dann wieder mit Gunter Wenninger an der Außenlinie. Güner: „Ich bin froh, dass er dann wieder da ist. Spieler und Trainer gleichzeitig, das ist nichts für mich.VfL Wangen: Nagler; Krizak, Christian Andler, Chatzis, Sonntag, Marvulli, Arpaci, Kontny (60. Ergi), Christ (87. Bartucceli), Zondler, Andreas Andler (66. Klenk).

SG Untertürkheim: Satkunanandan; Awale (80. Münch), Ibraimi, Läpple, Akcan (55. Lämmle), Botta, Ürün, Alami (82. Nurin)), Güner, Reinhardt, Noorin.

Tore: 1:0 Marvulli (50. Foulelfmeter), 2:0 Arpaci (55.), 2:1 Botta (81.).

Besondere Vorkommnisse: Gelb-Rot für Wangens Sonntag wegen wiederholtem Foulspiel (35.).

 

Artikel vom 21.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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