› mehr Wetter 

DIE SPORTLICHEN FREMDGEHER EIN BASKETBALLER BEIM LACROSSE

„Ein spaßiges Hauen und Stechen“ Der Eignungsscheck des Fremdgehers

Spielertrainer Ivica Ristic von Rot-Weiß Stuttgart war von der Dynamik des Spiels überrascht

 
 
 

Von Torsten Streib

Über Lacrosse weiß Ivica Ristic vor seinem Schnuppertraining relativ wenig. „Es ist ein indianisches Spiel, glaube ich“, sagt der Basketballer. Damit weiß er schon einiges mehr „als viele andere“, lobt Matthias Rau. Der Lacrosse-Nationalspieler, der in diesen Tagen bei der Weltmeisterschaft in Manchester mitspielt, nimmt Ristic unter seine Fittiche, erklärt ihm die Grundzüge. „Das Spiel dauert 4 x 20 Minuten, jede Mannschaft besteht aus einem Torwart, drei Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und drei Angreifern. Wobei neben dem Torhüter immer drei Spieler in der eigenen Hälfte sein müssen“, so Rau. Nickend nimmt Ristic die Regelkunde zur Kenntnis, stutzt aber, als er das Treiben der anderen Lacrosse-Spieler beobachtet. Diese hauen sich nämlich mit dem Schläger, dem so genannten Stick, ordentlich auf die Finger beziehungsweise auf die Oberarme. Obwohl diese mit Handschuhen und Schützern abgedeckt sind, sagt Ristic mit erstauntem Blick und weit aufgerissenem Mund: „Holla die Waldfee. Bei euch geht‘s ja richtig ab, ist die Verletzungsgefahr sicherlich hoch.“ Und nach dem Training wird Ristic sagen: „Da hatte ich schon etwas Sorge um meine Gesundheit.“ Doch Rau beruhigt: „Eigentlich passiert gar nichts - blaue Flecken zählen natürlich nicht“ - „natürlich“ erwidert Ristic kleinlaut.Nachdem er die Schützer, Handschuhe und den Helm übergezogen hat, steht Lektion eins, Werfen und Fangen auf dem Programm. Das Werfen, eine katapultartige Bewegung, klappt gut, was man vom Fangen nicht gerade behaupten kann. Immer wenn Ristic glaubt der Ball sei sicher im Netz des Schlägers gelandet, da kullert er wieder raus. „Verdammt“, ist häufig zu hören. Und wenn ein Ball runterfällt, dann muss man ihn wieder aufheben. „Aber nicht mit der Hand“, mahnt Rau. Mit dem Stick, ähnlich wie beim Schaufeln. Bauarbeiterische Fähigkeiten weist Ristic auf und hat den Ball schnell wieder im Netz. Beim siebten Mal nistet sich das Spielgerät dauerhaft im Netz ein, fällt nicht mehr raus. „Mensch, das schaut ja richtig gut aus. So schnell hätte ich dir das gar nicht zugetraut“, schmunzelt Rau. Fortan können sich die beiden die Bälle - auch in unterschiedlichem Tempo - zupassen, ohne dass das Spielgerät Bekanntschaft mit dem Boden macht. Das ändert sich, als Rau nun passen im Laufen vorschlägt. „Du musst den Stick hin und her drehen, im Fachjargon heißt dies cradeln, damit der Ball nicht rauspurzelt.“ Nach ein paar Rückschlägen gelingt dies Ristic und er steigt ins Mannschaftstraining ein. Dabei ist er erst mal in der Defensive, muss versuchen seinen Gegenspieler am Torschuss zu hindern, was trotz direktem Körperkontakt kaum gelingt. „Die sind alle sehr schnell und wendig, da muss man sich ständig konzentrieren, darf nicht abschalten.“ Er versucht auch den Stick einzusetzen und seinem Gegner auf die Finger und den Arm zu schlagen, damit dieser die Kontrolle über seinen Schläger verliert und der Ball rausfällt. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es vorher aussah. „Hauen kann man zwar, aber das heißt noch lange nicht, dass man den Gegenspieler auch trifft. Die sind alle wieselflink.“ Als Angreifer bekommt er dann den Stick zu spüren, setzt sich aber dennoch durch, zielt knapp am Tor vorbei und stellt fest: „Das tut ja gar nicht weh, die Schützer helfen tatsächlich.“ Bereits nach einer Stunde ringt Ristic schon nach Luft und hat erkannt: „Ein sehr intensives Laufspiel, es geht hin und her.“ Und Rau erwidert: „Ja, stimmt, das schnellste Spiel auf zwei Beinen.“ Das wird Ristic noch mehr bewusst, als zum Abschluss eine Spielform ansteht, bei der es über den ganzen Platz geht, man im Wechsel in der Defensive und Offensive ist. Der Basketballer wird bereits als Mitspieler angesehen, fängt die Pässe gekonnt, verliert den Ball beim Laufen noch gelegentlich. Dennoch bekommt er nach dem Training ein großes Lob vom Nationalspieler. „Das war echt spitze, viele Anfänger stellen sich nicht so gut an.“ Ristic scherzt: „Na dann kann ich ja für dich zur WM fliegen.“ Dem Basketballspieler läuft nach dem Training zweirangig der Schweiß die Wangen runter, er war aber völlig begeistert von seiner Schnuppereinheit. „Auch wenn ich teilweise ahnungslos rumgerannt bin, hat es riesigen Spaß gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass La­crosse mit Basketball so viel gemein hat.“ Einen Vorteil der Sportart hat er auch erkannt. Die Grundfähigkeiten wie Passen und Fangen „sind recht schnell zu erlernen, so dass man Lacrosse wohl in jedem Alter beginnen kann. Schwer wird es jedoch, wenn man das Ganze in hohem Tempo machen muss und jemand einem auch noch auf den Arm schlägt. Da muss ich noch üben.“

Nationalspieler Matthias Rau hat seinen neuen Schützling genau beobachtet und bewertet, wie geeignet Basketballer Ivica Ristic für La­crosse ist.

Erster Eindruck: Er hat ein gutes Spielverständnis und eine gute Auffassung für den Raum.

Technik: Die Anfangsschwierigkeiten hat er schnell überwunden, verfügt über eine gute Hand-Augen-Koordination. Da merkt man, dass er Basketball spielt.

Körperliche Voraussetzung: Naja, an seiner Explosivität beziehungsweise Schnelligkeit müsste er noch arbeiten.

Härte: Ich glaube, daran müsste er sich noch gewöhnen. Er ist es nicht gewohnt, Schläge gegen den Arm einzustecken und ebenso welche auszuteilen. Da besteht noch Verbesserungspotenzial.

Geeignet für die Abwehr? Wohl eher nicht, dafür müsste er - wie gesagt - den Stick mehr zum Einsatz bringen und sich damit die Gegner vom Hals und vom Tor weghalten.

Geeignet für den Angriff? Auf jeden Fall. Er ist immer in Bewegung, schaltet nach Spielzügen nicht ab und kennt vom Basketball zum Beispiel auch das Blöcke stellen. Darüber hinaus hat er den nötigen Zug zum Tor

Fazit: Für einen Anfänger hat er sich überdurchschnittlich gut angestellt. Mit etwas mehr Training könnten wir ihn sicherlich irgendwann mal gebrauchen. Dafür muss er aber noch üben. Zum Beispiel das Werfen und Fangen. Geeignet ist dafür, den Ball immer und immer wieder gegen die Wand zu werfen. So bekommt man Sicherheit.

In unserer Serie „Die sportlichen Fremdgeher“, die wir in Zusammenarbeit mit Toto-Lotto veröffentlichen, verlassen Sportler ihre gewohnte Umgebung und probieren andere, ihnen fremde Sportarten aus. Die Eindrücke, neuen Erfahrungen und Schwierigkeiten, die Sie beim „sportlichen Fremdgehen“ machen, werden geschildert und zusammengefasst. Diesmal hat sich Basketballer Ivica Ristic ins Lacrosse-Training des HTC Stuttgarter Kickers begeben.

 

Artikel vom 17.07.2010 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

Leser-Kommentare (0)

-› Artikel kommentieren


Märkte

Inhalt wird geladen..
Inhalt wird geladen..

Alle Stellenanzeigen aus unserer Zeitung finden Sie hier!

 

Weiter...

 

Newsticker

Inhalt wird geladen..
Inhalt wird geladen..

Werbung

Bildergalerien

Im Moment findet kein Fotowettbewerb statt. Leserfotos gibt es hier.

 

Zu den Leserfotos

 

TOP-Artikel

Inhalt wird geladen..
Inhalt wird geladen..

Umfragen

Inhalt wird geladen..
 

mehr

 
Inhalt wird geladen..
 

mehr

 

Weblog

 

 

 

zum Weblog

 
top zum Seitenanfang