DIE FESTWOCHE
100 Jahre Fußball beim TSV Münster
Die ersten Kicker waren beim SV Olympia Münster - Morgen beginnt die Festwoche
Münster (tos) - Grund zum Feiern haben die Fußballer des TSVgg Münster. Vor 100 Jahren wurde erstmals in Münster Fußball gespielt.
Um das 100-jährige Jubiläum zu würdigen, findet von Samstag 17. Juli bis Sonntag, 25. Juli eine Festwoche mit verschiedenen
Aktivitäten statt.
Für die Zukunft ist die Fußballabteilung des TSV Münster gut aufgestellt. „Wir haben eine gute Jugendarbeit, sind bereits zehn Mal in Folge mit dem Anerkennungspreis des WFV ausgezeichnet worden“, sagt Abteilungsleiter Mathias Beck. Umso ärgerlicher sei es, dass man noch immer keinen Kunstrasenplatz hat, der „dringend benötigt wird, denn im Winter herrscht akute Platznot. Vielleicht werden wir im nächsten Doppelhaushalt berücksichtigt.“ Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass man in der nächsten Saison keine A-Jugend aufbieten kann. Das sei zwar schade, würde sich aber in der darauffolgenden Saison auf jeden Fall wieder ändern. Ansonsten sei jede Jugend mindestens einmal besetzt, die Bambinis „gleich fünfmal“. Neben dem Spiel der ersten Mannschaft am Dienstag, 18 Uhr, gegen das Regionalliga-Team der Stuttgarter Kickers, freut sich Beck besonders auf die Partie der ersten Mannschaft gegen eine Auswahl ehemaliger und zurzeit höherklassig spielender TSV-Akteure (Samstag, 17.30 Uhr). Absagen musste Jens Grahl. Der dritte Torhüter der TSG Hoffenheim hat von Ralf Rangnick keine Freigabe bekommen.
Zahlreiche Meistertitel
Den Ursprung hat die Fußballabteilung 1910. Damals wurde die Fußballabteilung beim SV Olympia Münster ins Leben gerufen. Zwei Jahre später gab es auch beim TV Münster Fußball. Als erster Sportplatz wurde ein abgetragenes Lehmgelände in der früheren Ziegelei nahe des heutigen Sport- und Kulturzentrums hergerichtet. 1919 fusionierten die beiden Vereine zum heutigen Turn- und Sportverein Münster. Ein Jahr später wurde der heutige Platz am Viadukt vom VfB Stuttgart übernommen. Es gelangen mehrere Aufstiege, so dass man in der zweithöchsten Liga unter anderem gegen Normannia Gmünd und den VfR Aalen spielte. 1928 gelang dann mit „Alle“ Lehmann, der später beim VfB als „Halblinker“ stürmte, der Gewinn der Kreismeisterschaft. Im Sommer 1932 wurde das neue Vereinsheim eingeweiht. Die Wellen der politisch bewegten Zeiten erfassten 1933 auch die Sportbewegung. Der Süddeutsche Fußballverband und der DFB wurden aufgelöst, der Fußballsport sollte unter die Direktiven und den Dienst der NSDAP gestellt werden. Doch die Vereine waren weiterhin aktiv und 1934 wurde die Bezirksklasse als zweithöchste Spielklasse gegründet. Ein Jahr später kam es vor 1500 Zuschauern im Rückspiel am Viadukt zum Lokalkampf gegen die benachbarte Spvgg Cannstatt. Es ging um die Meisterschaft. Die Partie endete 1:1. Es war der einzige Punktverlust der Gäste in der Punkterunde. 1936 wurden die allgemeine Wehrpflicht und der Arbeitsdienst eingeführt, so dass der Fußballbetrieb bei den Aktiven nur noch sehr eingeschränkt durchgeführt werden konnte. Dann folgte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Dennoch wurde 1941/42 eine Spielrunde ausgetragen, die der TSV unangefochten gewann und nach 13 Jahren wieder an der Aufstiegsrunde zur ersten Liga teilnahm, aber scheiterte. Ein Jahr später holte man erneut den Titel, scheiterte aber erneut in den Aufstiegsspielen. 1944 musste der Spielbetrieb eingestellt werden, nachdem unter anderem eine komplette erste Mannschaft nicht mehr aus dem Krieg heimkehrte. Nach dem Krieg starteten die Fußballer einen Neubeginn mit großen Schwierigkeiten. Denn der Platz und das Vereinsheim waren ebenso von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt wie Kickschuhe und Trikots. Der FV Mettingen kam zur Hilfe, stellte einen heute noch als Kartoffelkäfer- oder Bombentrichtersport bekannten Trikotsatz zur Verfügung. 1946 gelang der Sprung in die Landesliga, damals die höchste Amateurliga, ein Jahr später ging‘s wieder runter. 1949 holte man wieder den Titel in der Bezirksklasse und scheiterte erneut in den Aufstiegsspielen. Nach 21-jähriger Zugehörigkeit in der zweithöchsten Spielklasse und fünf Jahren in der 2. Amateurklasse, stiegen die Münsterer Fußballer 1951 in die A-Klasse ab. In der Saison 1953/54 gelang im letzten Heimspiel ein 5:1-Sieg über Ehningen und die Münsterer waren wieder in der zweiten Amateurklasse. Ausgerechnet in der Spielzeit 1959/60 als man das 50-jährige Jubiläum feierte, stiegen die TSV-Fußballer ab. Was folgte, waren fußballerische Tiefschläge mit dem Negativhöhepunkt 1968 - die Mannschaft stieg in die B-Klasse ab, was aber ein Jahr später wieder mit der Rückkehr in die A-Klasse geradegerückt wurde. Ein Höhepunkt der 1960er-Jahre war die Einberufung des C-Jugendspielers Bernd Martin im Jahr 1969 zum Lehrgang des Deutschen Fußballverbandes. Martin spielte später für den VfB Stuttgart und Bayern München. Zudem war er für die deutsche Nationalmannschaft im Einsatz. In den 70er-Jahren machte sich die gute Jugendarbeit, die Jugendleiter Werner Fuchs und Karl Sauerzapf unermüdlich aufgebaut hatten, bemerkbar. Der größte Erfolg der Nachwuchsspieler: die A-Jugend-Bezirksmeisterschaft 1973 und der Aufstieg in die Verbandsstaffel. Die überalterte erste Mannschaft wurde allmählich von den jungen Wilden abgelöst und der Erfolg stellte sich ein. Obwohl Torjäger Peter Fischer (07 Ludwigsburg) und Otto Münzenmaier (Germania Bietigheim) abwanderten, gelang dem Team in der Saison 1977/78 der Aufstieg in die neu gegründete Landesliga. Die Saison 1981/82 war dabei die erfolgreichste in der Landesliga und man schloss als Fünfter ab. Die darauffolgende Saison war kurios. Mit 1:19-Punkten gestartet, galt der TSV als Abstiegskandidat Nummer eins. Doch bei einem munteren Beisammensein schwor sich die Mannschaft nochmals richtig ein und beendete die Saison mit 36:36-Punkten auf Rang acht. 1985 war es dann aber doch soweit - Der TSV stieg aus der Landesliga ab. 1995 stieg man sogar aus der Bezirksliga ab. 1996 wieder auf, dann sofort wieder ab. 2001 ging‘s wieder hoch und 2002 wieder runter. Erst in der Saison 2008/09 glückte mit dem langjährigen Schlussmann Uwe Braun als Trainer der Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Das aus vielen Eigengewächsen bestehende Team schaffte locker den Klassenverbleib, schloss sogar auf Platz sieben ab.
Die Festwoche
Samstag, 17. Juli: TSV Münster II - FC Langenburg (15 Uhr), TSV Münster I - Auswahl ehemaliger, zurzeit höherklassig spielender TSV-Spieler (17.30 Uhr), Summernight Festival mit der Cover-Band „FineRip“ (19 Uhr). Sonntag, 18. Juli: Einladungsturnier F-Junioren und Bambinis (10 Uhr). Dienstag, 20. Juli: TSV Münster - Regionalliga-Team der Stuttgarter Kickers (18 Uhr), Mittwoch, 21. Juli: AH-Turnier (18 Uhr). Donnerstag 22. Juli: Weinprobe aus Boskops Weinbrunnen mit Auftritten des Seniorenchores Cannstatt (17 Uhr), Ü-50 TSV Münster - Remstalauswahl (18 Uhr). Freitag, 23. Juli: Elfmeter-Mitternachtsturnier für A- und B-Juniorenmannschaften und Jedermann und Open-Air-Disco (ab 17 Uhr). Samstag, 24. Juli: D-Juniorenturnier (10 Uhr), Sonntag, 25. Juli: E-Juniorenturnier (10 Uhr) und C-Juniorenturnier (14 Uhr).



