› mehr Wetter 

BREUNINGER-NEUBAU AN DER HOLZSTRASSE

„Hotel Silber“ - Stresstest für die Koalition

Zahlreiche Initiativen erwarten von der grün-roten Landesregierung den Erhalt des Gebäudes Dorotheenstraße 10 - Breuninger baut

  Ganz oder zumindest teilweise erhalten? Die grün-rote Landesregierung streitet über die Zukunft des Gebäudes Dorotheenstraße 10. Der geplante Abriss scheint vom Tisch zu sein.Foto: Archiv
 

Ganz oder zumindest teilweise erhalten? Die grün-rote Landesregierung streitet über die Zukunft des Gebäudes Dorotheenstraße 10. Der geplante Abriss scheint vom Tisch zu sein. Foto: Archiv

 

Stuttgart - Das Kaufhaus Breuninger erweitert jetzt sein Stammhaus in der Stuttgarter City - unabhängig von seinen Bauplänen am Karlsplatz, die weiterhin heftig umstritten sind. Noch ist das letzte Wort über den geplanten Abriss des Gebäudes Dorotheenstraße 10 nicht gesprochen. Die Initiative Gedenkort Hotel Silber setzt auf die neuen Regierungsparteien.

Von Elke Hauptmann

Die Abrissarbeiten an der Holzstraße sind bereits in vollem Gange. Zwei Gebäude sind bereits Ende vergangenen Jahres abgerissen worden, ein drittes wird derzeit entkernt. Mit dem Abbruch schafft Breuninger Platz für einen Anbau für das Stammhaus im Herzen der City. Die Arbeiten, betont Firmensprecher Helmuth H. Bohnenstengel, stünden aber nicht im Zusammenhang mit einem anderen Bauprojekt des Stuttgarter Unternehmens. Die Erweiterung sei völlig unabhängig von dem als „Da Vinci“ bekannt gewordenen Vorhaben. Wie berichtet, will Breuninger zusammen mit dem Land am nahen Karlsplatz einen Gebäudekomplex errichten, in dem auf maximal 49 000 Quadratmetern Nutzfläche Handel, Hotel, Gastronomie und Büros für rund 1000 Mitarbeiter der Landesverwaltung untergebracht sein werden. Die Pläne, die den Abriss der alten Ministeriumsgebäude in der Dorotheenstraße vorsehen, waren schon vor der Landtagswahl heftig umstritten - und mit dem Regierungswechsel scheint der Entwurf des aus dem Wettbewerb als Sieger hervorgegangenen Architekturbüros Behnisch kaum noch realisierbar zu sein. Zwar betont Bohnenstengel: „Wir gehen unverändert davon aus, dass das Projekt, so wie mit dem Land vereinbart, umgesetzt wird.“ Doch nun ist die SPD Regierungspartei - und hat sich klar positioniert: Das Haus Dorotheenstraße 10, das ehemalige Hotel Silber, soll in seiner Gesamtheit stehen bleiben. Auch die Grünen sind gegen den Abriss, schwanken aber noch zwischen kompletten oder zumindest teilweisen Erhalt jenes Gebäudes, in dem in der Nazizeit die Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) untergebracht war - von hier aus wurde verfolgt und getötet. Die Erwartungen an die Koalitionäre - aber auch an alle anderen bürgerlichen Parteien - sind groß: Architekt Roland Ostertag von der Initiative Gedenkort Hotel Silber und 50 prominente Mitstreiter - Künstler, Politiker, Intellektuelle - aus dem gesamten Bundesgebiet, formulieren in einem Appell ihre Erwartung, „dass sich die Regierungsparteien für den vollständigen Erhalt des Hotel Silber und darin für die Einrichtung einer Gedenkstätte und eines NS-Dokumentationszentrums Stuttgart einsetzen und dies in der Koalitionsvereinbarung verbindlich und ohne Einschränkung festschreiben“. Die Zeit des Vergessens und Verdrängens sei endgültig vorbei, fordern sie Land, Stadt und Breuninger auf, „ihre Verantwortung gegenüber den vergangenen und zukünftigen Generationen wahrzunehmen“. „Wir hoffen auf neue Einsichten“, betont Ostertag. Der Abriss dieses Gebäudes „käme einer kulturellen Barbarei gleich“.Der Streit um das Hotel Silber könnte zum Scheitern des Bauvorhabens führen - dass die Neuordnung am Karlsplatz kippt, will Oberbürgermeister Wolfgang Schuster jedoch unbedingt verhindern. Gesucht wird nun eine Alternative, wie der Komplex für Breuninger trotzdem noch wirtschaftlich und gleichzeitig für Stuttgart stadtverträglicher geplant werden kann. Denkbar wäre, dass das Land seinen Raumbedarf zurückschraubt - freie Büroflächen seien dank zahlreicher Neubauprojekte in der City vorhanden. Breuninger könnte aber auch ohne das Land, zusammen mit einem privaten Investor (kleiner) bauen.

Breuninger-Neubau an der Holzstrasse

Breuninger arbeitet an einer neuen „Visitenkarte“: Die Kaufhausfassade des Stammhauses an der Holzstraße soll deutlich aufgewertet werden. In die Jahre gekommene angrenzende Bürogebäude, die das Unternehmen eigens für seine Aufwertungspläne erworben hat, sollen einem markanten Neubau weichen. Der Kaufhauskonzern will dort seine eigene Handelsfläche um rund 2500 Quadratmeter erweitern und weitere 430 Quadratmeter Partnerfirmen zur Verfügung stellen. Zudem sind 1400 Quadratmeter für Büros vorgesehen. Der rund 30 Millionen Euro teure Neubau - ein Entwurf der Stuttgarter Architekten Blocher Blocher Partner - ist von viel Transparenz durch Glaselemente geprägt. Er soll im kommenden Frühjahr fertiggestellt sein.

 

Artikel vom 13.04.2011 © Eßlinger Zeitung

Artikel drucken | Artikel als Email verschicken | Themenalarm

 

Leser-Kommentare (0)

-› Artikel kommentieren


Werbung

 

Premiumservice

Ihre Zeitung am PC, am Smartphone und auf dem iPad: E-Paperabo und Onlineabo

 

Alle Angebote

 

Registrierte Nutzer verwalten Ihre Zugangsdaten hier.

 

Mehr dazu

 

Social Media

Werden Sie Fan der EZ bei Facebook!
Was ist Facebook?

 

Zur Facebook-Fanseite

 

Die EZ zwitschert aktuelle Nachrichten, Umfragen, Bildergalerien. Folgen Sie uns!

 

Die EZ bei Twitter

 

Newsticker

Inhalt wird geladen..
 
Inhalt wird geladen..
 

Bildergalerien

Im Moment findet kein Fotowettbewerb statt. Leserfotos gibt es hier.

 

Zu den Leserfotos

 

TOP-Artikel

Inhalt wird geladen..
 
Inhalt wird geladen..
 

Umfragen

Inhalt wird geladen..
 

mehr

 
Inhalt wird geladen..
 

mehr

 
top zum Seitenanfang