DIE PANINI-BILDER
Kult-Sammelbilder ziehen in die Landeshauptstadt
Paninis Deutschland-Zentrale vom Niederrhein nach Stuttgart verlegt
Gestern wechselte Mauro Camoranesi von Juventus Turin zum VfB Stuttgart. Solche Wechsel in sprichwörtlich letzter Minute bedeuten nicht nur für VfB-Sportdirektor Fredi Bobic einen Haufen Arbeit, sondern auch für Jens Presche. „Ich bin für die Sportsticker verantwortlich“, so der Panini-Produktmanager. Jetzt müsse man das VfB-Sammelalbum der Saison 2010/2011, das Anfang Oktober erscheint, wieder umgestalten. Zudem müsse man trotz der bevorstehenden Länderspielpause noch ein Bild des Italieners im VfB-Trikot auftreiben. „Fotomontagen sind tabu“, erklärt Geschäftsführer Frank Zomerdijk. Viel schwieriger sei jedoch die Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Stars. „Wenn wir nicht aufpassen, hat man schnell eine einstweilige Verfügung am Hals. Da wir nicht wissen, welches Portrait in welchem Tütchen landet, müssten wir dann sämtliche Bilder vom Markt nehmen.“ Ein Risiko, das eigentlich nicht zu tragen ist, denn bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland verkaufte Panini weltweit 160 Millionen Tüten. Doch andere Länder wie Nigeria oder Nordkorea bedeuten andere Sitten und so ist jede Weltmeisterschaft eine neue Herausforderung. „Die Rechte der Spieler werden in den 32 Teilnahme-Ländern ganz unterschiedlich interpretiert.“ Mal benötige man die Unterschrift des Spielers, mal diskutiere man mit Beratern, der Ehefrau oder dem Verband. Um eine Nation rechtlich unter Dach und Fach zu bekommen, sei der holländische Panini-Chef auch schon mit 100 000 Euro Bargeld zum Flughafen aufgebrochen. Ein Abenteuer, das sich lohnt: Der Sammelbilder-Hersteller erwartet dank der Fußball-WM 2010 einen Rekordumsatz. Aus dem Geschäft mit Stickern wird in Deutschland mit Erlösen von 95 Millionen Euro gerechnet. Ein Plus von 25 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäft mit Fußball-Aufklebern mache 2010 rund ein Drittel des Umsatzes aus. Seit heute hat das Unternehmen seinen Sitz von Nettetal am Niederrhein nach Stuttgart verlegt. In der Landeshauptstadt war Panini bereits seit der Übernahme der Dino entertainment AG im Jahr 2003 vertreten. In dem modernen Glasgebäude in der Rotebühlstraße stieg die Zahl der Mitarbeiter von 54 auf 67 Kollegen, die sich um Millionen von Stickern, Büchern, Magazinen, Comics und Kalendern kümmern.
Die Panini-Bilder
Nachdem die Karriere der Brüder Giuseppe und Benito Panini 1945 noch bescheiden mit einem Zeitungsstand begonnen hatte, gründeten sie 1954 einen Zeitungsvertrieb, der auch Sticker im Angebot hatte. Nach einigen Jahren kam den Brüdern die Idee, die Sammelbilder in Eigenregie zu produzieren, schließlich versprachen die kleinen Sticker ein gutes Geschäft. Im Jahr 1961 gründeten Giuseppe und Benito mit ihren Brüdern Franco und Umberto die Panini-Gruppe und veröffentlichten das erste Sticker-Album mit den Spielern der italienischen Serie A. Satte drei Millionen Bilder verkauften die Gebrüder gleich im ersten Jahr. Zur WM 1970 in Mexiko erschien das erste Sammelalbum zu einem großen Turnier, mit Abziehbildern von Spielern wie Pelé, Bobby Charlton oder Franz Beckenbauer. Vier Jahre später gründete das Unternehmen die erste deutsche Niederlassung in München, im selben Jahr erschien auch das erste deutsche Sammelalbum, passend zur WM 1974 in Deutschland. 1993 folgte der Umzug nach Nettetal; seit heute ist Stuttgart die neue Heimat.



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