Dem Trollingerköpfle auf der Spur
Erstmals wird in der Laubenstadt täglich eine Führung über das Weindorf angeboten
Stuttgart - Eigentlich ist es nur eine Maultasche - aber eine auf die Hand. Es lohnt sich dafür beim Hasenwirt auf dem Schillerplatz vorbeizugehen. Zum einen, weil das handgemachte „Herrgottsbescheißerle“ wirklich gut schmeckt und dank seiner 150 Gramm Gewicht auch satt macht. Zum anderen, weil es einfach Spaß macht, Hasenwirt Josef Stritzelberger, dem Erfinder der „Handymaultasche“, zuzuhören. Vor zehn Jahren hat er die schwäbische Spezialität ohne Brühe, Kartoffelsalat und ohne Besteck in Hamburg eingeführt. „Die Handymaultasche ging um die ganze Welt, überall wurde darüber berichtet.“ Auch ihren Namen verdankt sie einem Norddeutschen, der damals einem Begleiter am Stand zurief: „Bring mir auch so ein Handy mit.“ Sogar die älteren Stuttgarter Bürger kämen, um eine Maultasche „aus der Hand“ zu essen, freut sich Stritzelberger. Und nicht nur die: „Bill Clinton hat in Hamburg auch eine gegessen und über das ganze Gesicht gestrahlt.“
Das ist nur eine von vielen Anekdoten, die es bei der Weindorf-Führung, die erstmals in der Laubenstadt angeboten wird, zu hören gibt. Fremdenführerin Doris Schöpke-Bielefeld, die sich in Stuttgart bestens auskennt, weiß viel über das Weindorf und erzählt das den Interessierten bei dem Rundgang über den Markt-, Schillerplatz und durch die Kirchstraße.
Los geht es in der renommierten Glassammlung Ernesto Wolf im Landesmuseum. Denn was würde einen besseren Auftakt geben, als der Bezug des Weines zum Glas. Anschließend geht man dem Trollingerköpfle auf die Spur - die Württemberger Weingärtner laden zur Verkostung ein. Damit das Ganze nicht theoretisch und trocken abläuft, gibt es verschiedene gute Tropfen - unter anderem auch einen erfrischenden Cocktail - zu probieren. „Das gehört dazu: Die Laubenwirte erklären die Weiß- und Rotweine oder erzählen Geschichten zum Weindorf“, so Doris Schöpke-Bielefeld.
Nach einigen Fussschritten über den Schillerplatz erzählt die Stadtfühererin und gelernte Dolmetscherin (die Stadtführung wird übrigens auch in englischer Sprache angeboten) über das Hutzelmännle am Fruchtkasten bevor es einen weiteren Tropfen zum Probieren in der Laube 19 bei Wengerter Tilmann Ruoff gibt und ein Kurzbesuch beim Cannstatter Weinvogt Dieter Zaiß abgehalten wird. „Ich möchte die Gruppe bei dem Rundgang nicht nur über das beliebteste Weinfest informieren, sondern auch hinter die Kulissen des Weindorfs führen und Orte zeigen, an die man selten kommt oder sie kaum beachtet“, sagt Schöpke-Bielefeld.
Feine Tröpfle bekommen die Teilnehmer des Rundgangs ebenfalls bei der edlen Weinprobe der Weinhandlung Bernd Kreis angeboten, eine Trollinger-Cocktail-Probe gibt es an der T2.0 Trollinger Bar. Und das Weinaroma in einer gebrannten Hülle stecken kann, ist vielleicht nicht neu, aber ein besonderer Genuss. Beispielsweise die Mandeln von Süßwaren Benda. Lutscht man die Mandel, anstatt sie sofort zu zerkauen, entfaltet sich der Trollingergeschmack auf der Zunge. „Mal etwas anderes“, sagt die Stadtführerin. Und genau das will die Stuttgart-Kennerin beim Weindorf hervorheben.



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