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Grönemeyer um Rat gefragt

Neues Album „Bis nach Toulouse“ von Philipp Poisel

  Der Stuttgarter Philipp Poisel freut sich über sein neues Album „Bis nach Toulouse“. Foto: dpa
 

Der Stuttgarter Philipp Poisel freut sich über sein neues Album „Bis nach Toulouse“. Foto: dpa

 

Von Edgar Rehberger

Stuttgart - Vor zwei Jahren tauchte quasi aus dem Nichts Philipp Poisel auf und eroberte mit seinem Debüt-Album „Wo fängt dein Himmel an?“ die Popwelt. Bislang 40 000 verkaufte Exemplare sprechen eine deutliche Sprache. Die Kritiker waren begeistert, die Radiostationen verbreiteten seine Lieder über den Äther. Der sympathische Stuttgarter hatte mit seinen gefühlvollen Werken, den zarten Popsongs voller Poesie, zuvor schon Herbert Grönemeyer begeistert, der ihn für seine Grönland-Label unter Vertrag und mit auf Tour nahm. „Philipp Poisel singt mit Herz von ganzem Herzen, hat eine sehr spezifische, sehr eigene durchsetzungsfähige Stimme und besingt das Leben in der Tradition der fahrenden Troubadoure. Seine Lieder wachsen mit jedem Mal Hören und entwickeln einen wärmenden beruhigenden Sog“, lobt der Bochumer.

Seit gestern liegt das zweite Album „Bis nach Toulouse“ vor. Die Erlebnisse und Inhalte, die in den zwölf Songs verarbeitet werden, liegen zum Teil schon länger zurück. „Aber sie sind aus meiner heutigen Sicht auf die Dinge entstanden“, sagt der 27-Jährige, „dadurch ein bisschen reeller und vielleicht auch widersprüchlicher.“ Im Vergleich zu den Lieder des Debüts, das ältere Material enthält. „Das ist praktisch meine Jugend ein bisschen in ein Album verpackt.“ Einige der neuen Songs seien vom Arrangement her auch aus Sessions entstanden. „Die Idee, die Akkorde stammen von mir, aber einige Gitarrenriffs und -linien stammen von der Band.“

Den Druck vor dem zweiten Album habe er schon gespürt. „Es gab zwar keine direkte Vorgabe, die Platte muss dann-und-dann fertig sein, aber es war klar, dass es vernünftig sein würde, zeitnah ein zweites Album zu machen.“ Ursprünglich wollte er erst mal Pause machen und sich sammeln. „Aber der Druck, etwas Neues zu machen, ist eigentlich immer da. Man kann nicht abschalten, bevor man es hinter sich gebracht hat.“ Grönemeyer habe ihm geraten, erst Album und dann Urlaub. „So hab ich es dann auch gemacht, doch mit dem Urlaub danach ist es bislang auch noch nichts geworden.“

Einfach mal beim großen Herbert Grönemeyer anrufen und sich Ratschläge holen, ist doch schon etwas wie ein Ritterschlag, oder? „Das ist schon so, dass man in den kühnsten Träumen nicht mit rechnet, dass so was passiert. Wir treffen uns hin und wieder. Und dann tauscht man sich natürlich aus, spricht über seine Erfahrung, wenn man irgendwo nicht weiter kommt.“

In den vergangenen zwei Jahren ist viel im Leben des Philipp Poisel passiert, der zuvor Länder bereiste und sich dort als Straßenmusiker Geld verdient hat. „Was sich verändert hat, ich bin jetzt so selbständig, dass ich alles so einrichten kann, wie ich‘s möchte. Man ist dann immer noch Opfer seiner eigenen Leidenschaft - manchmal.“ Die Auszeiten, die man sich wünscht, habe man trotzdem nicht, „aber zumindest hab ich keine Vorgaben, bin frei.“ Schon in der Schule litt er immer unter den zeitlichen Strukturen und dem vorgegebenen Korsett. „Das war mir immer suspekt.“

Wie entstehen die Lieder? Erst der Text oder die Musik? „Da gibt es kein Konzept dafür. Im Grund steht immer eine Situation, die ich intensiver ausleben will, das kann heiter sein oder irgendwelche erinnerungen. Bei „All die Jahre“ beschreibe ich eine Situation, bei der ich morgens aufwache, von einem Traum, aber das Gefühl des Traumes schwingt mit in den Tag.“ Oft seien es Situationen, die man im echten Leben nicht ausleben kann, wie bei „Wie soll ein Mensch das ertragen?“ „Da geht es um eine Freundschaft. Der eine ist verliebt, will eigentlich mehr, traut sich aber nicht, etwas zu sagen, weil es dann vielleicht kaputt geht. Und dann sagt man lieber nichts und behält dieses Konstrukt, kann den anderen aber noch sehen, wenn man möchte. Dabei muss man aber immer unterdrücken, wie es einem eigentlich geht. Und in der Musik kann ich so einem Gefühl freien Lauf lassen.“

Philipp Poisel entspannt gerne in der Natur. Da fühlt er sich wohl. Wenn er für sich keine Zeit mehr habe, überfordere ihn das schon. „Das kostet schon Kraft. Und gerade in der Natur draußen zu sein, lässt mich meinen Akku aufladen.“ Deshalb sei Stuttgart, „meine Homebase“, auch ein guter Kompromiss. „Hier hab‘ ich Infrastruktur, das soziale Leben, Freunde, die mir wichtig sind. Ich kann mein Fahrrad in den Kofferraum packen und dann fahr ich raus und dreh ein paar Runden.“ Eine Tour zur neuen Platte ist für Januar, Februar und März geplant. „In Stuttgart wird natürlich auch gespielt.“ Und zwar am 3. März im Theaterhaus.

www.philipp-poisel.de

 

Artikel vom 28.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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