Auf der Spur von Kunst und Kultur
Rund 28 000 Besucher bei der Langen Nacht der Museen
Stuttgart - Am ersten frühlingshaften Wochenende nutzten rund 28 000 Besucher das bunte Angebot der 13. Langen Nacht der Museen.
Kunst-, Kultur- und Technikfans schwärmten vom Karlsplatz aus auf Entdeckungstour zu den 90 Museen, Galerien und Einrichtungen.
Bis in die frühen Morgenstunden boten die Einrichtungen besondere Einblicke, kulturelle und gastronomische Leckerbissen und
viel Spaß für Alt und Jung.
Start für Nachtschwärmer war um 19 Uhr. Für den Nachwuchs hatten einige Museen bereits zwei Stunden zuvor besondere Überraschungen zu bieten. Wie wär’s mit einem Tauchkurs im Museum am Löwentor? Dort drehte sich am Samstag alles um die bunte Welt der Riffe, Korallenbänke und die Bedrohung der Unterwasserwelt. Kinder tauchten in die faszinierende Welt der Meere ein. Mit Flossen und Taucherbrille ausgerüstet, bewältigten sie einen Parcours oder ritten dank Surfsimulator auf Wellen. Paul und Hanne liebten es ruhiger. Mit viel Geduld und einer Lupe vor den Augen stocherten die Nachwuchsforscher vorsichtig mit einer Pinzette im Steinheimer Schneckensand und hatten Erfolg: Ein tausende Jahre altes, winziges Schneckenhaus nach dem anderen wanderte in ihr Sammeltütchen. „Echte Fossilien“, erklärte Paul seiner zum Aufbruch drängenden Mutter. Weiter ging’s per Kindertour-Bus ins Mercedes-Benz-Museum. Dort durften Kinder tüfteln. Die Älteren schraubten an Motoren, die jüngeren bastelten ein Formel 1-Model aus Papier. Und wo sind die Silberpfeile? Die jungen Motorsportfans mussten sich gedulden. Auch sie durften erst um 19 Uhr Automobilgeschichte erleben und mussten sich in die lange Schlange einreihen. Tränen der Enttäuschung trockneten jedoch schnell, zumal ein echter Doppelweltmeister einen Boxenstopp einlegte. Mika Häkkinnen verteilte Autogramme. „Er hat ein paar Worte mit uns geredet“, freuten sich Jan und Corinna. Technikfans bestiegen danach den Zubringerbus. Nächste Station: die Straßenbahnwelt, die das erste Mal an der Museumsnacht teilnahm. Dort standen die Besucher vor der Qual der Wahl: Rundfahrt mit einer alten Straßenbahn oder eine Führung durchs Museum? Wissensdurstige zog es ins alte Depot. Eine Zeitreise mit der Straßenbahn, versprach Museumführer Nikolaus Niederich. Er hielt sein Versprechen. Mit Herzblut und Humor brachte er sein Wissen an und weckte Erinnerungen: Die Pappendeckel-Wagen der Nachkriegszeit, der moderne Nachfolger mit den Plastiksitzen, auf den man als Schulerbub mit kurzen Sommerhosen klebte, und der GT 4, der 2007 das Stuttgarter Straßenbahnzeitalter beendete. Herrliche Reminiszenzen. Mittlerweile rückte der Uhrzeiger in Richtung 22.30 Uhr. Kurt Fuchslocher aus Göppingen drängte ins Mahle Museum, seine Frau wollte Fernsehluft schnuppern. Beides verband die Tour Cannstatt. Im Römerkastell konnten Nachtschwärmer hinter die Kulissen der TV-Serie „SOKO Stuttgart“ blicken, gleichzeitig öffnet der schwäbische Autozulieferer Mahle ein Schmuckstück, das normalerweise verschlossen bleibt: Mahle Inside - exklusive Einblicke, die zu den Rennern der Museennacht gehörten. Lange Warteschlangen gab es auch vor dem Bunker unterm Marktplatz, bei der Modellbahnschau im Königsbau und im Hauptbahnhof wurde es eng. Gemütlicher als bei der Premiere 2009 ging es auf der Weintour zu. „Nur“ rund 1000 Nachtbummler erstürmten die Grabkapelle und schauten in der Fleckensteinbruch-Kelter beziehungsweise im Weinbaumuseum vorbei. Dafür steppte in der Innenstadt der Bär. Salsa-Tanzkurs im Alten Schloss, Funk im Hauptstaatsarchiv, Kabarett in der Landesbibliothek, Harfenklänge im Planetarium oder 3D-Kino im Hauptbahnhof. „Für jeden Geschmack war etwas dabei und wir müssen uns für 2011 auch noch einige Stationen aufheben“, meinte ein Familienvater, als er gegen 1 Uhr, mit leicht schmerzenden Fußballen, aber zufrieden den Nachtbus nach Hause bestieg.



