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Zahl der Straftaten um 6,5 Prozent gestiegen

Polizei Stuttgart legt Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vor: Weniger Straßenkriminalität und Körperverletzungen

Stuttgart - Gute und schlechte Nachrichten gab es gestern bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Die Straßenkriminalität ist zurückgegangen, auch die Zahl der Körperverletzungen ist minimal gesunken. Dagegen ist die Gesamtzahl der Straftaten um 6,5 Prozent gestiegen und im Bereich der Jugendkriminalität hat sich kaum etwas verändert. Vor allem die Heranwachsenden machen der Polizei Sorgen.

Von Yvonne Weirauch

6676 von den 2009 ermittelten 26 205 Tatverdächtigen waren unter 21 Jahre alt. Das sind 399 Tatverdächtige mehr als im Jahr zuvor. „Allein im Deliktbereich Gewaltkriminalität wurden 889 Tatverdächtige unter 21 Jahren ermittelt“, sagte Polizeipräsident Siegfried Stumpf. Das sei ein Anstieg von etwa zwei Prozent. Im vergangenen Jahr wurden von der Polizei Stuttgart wieder mehr Straftaten statistisch erfasst als im Vorjahr. Allerdings flossen in die diesjährige Kriminalstatistik zum einen ein Betrugsverfahren aus den Jahren 2007 und 2008 mit 1385 Fällen und zum anderen zusätzlich 3263 Fälle der Leistungserschleichung ein. Insgesamt wurden für das vergangene Jahr 60 080 Straftaten verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme von 6,5 Prozent. „Damit liegen wir beim Kriminalitätsaufkommen auf dem Niveau von 2007 (60 154) oder auch von 1998 (60 213). Würden wir die besonderen Fallzahlensteigerungen der Leistungserschleichung und des Betrugs außer Acht lassen, hätten wir sogar weniger Straftaten als 2008“, erklärte Stumpf. Mit der Aufklärungsquote von 64,6 Prozent erreichte das Polizeipräsidium einen der besten Werte in den vergangenen zehn Jahren. 26 205 Tatverdächtige registrierten die Statistiker 2009, das sind 1091 Personen mehr als im Jahr 2008. Jeder vierte Straftäter war unter 21 Jahren.Mit 10 110 registrierten Opfern wurde allerdings ein neuer Höchststand in der Landeshauptstadt erreicht. Für die unter 60-Jährigen bestand laut Stumpf das größte und für die über 60-Jährigen das geringste Risiko, in eine Straftat verwickelt zu werden. Kinder, Jugendliche und Heranwachsende waren im gleichen Maße Opfer wie Täter. Ausführlicher betrachtet habe man im vergangenen Jahr die Gewaltdelikte im öffentlichen Raum (Aggressionsdelikte), zu denen die vorsätzliche leichte Körperverletzung und die Gewaltkriminalität zählen. 72 Gewalttaten weniger wurden im Jahr 2009 erfasst. Die Anzahl sank auf 6819 Fälle. 5819 Fälle wurden aufgeklärt und 5957 Personen als Täter ermittelt. Mehr als ein Viertel der Verdächtigen war unter 21 Jahren. Davon stand 24,4 Prozent unter Alkoholeinfluss. Im Jahr 2008 lag der Prozentsatz etwa gleich. Bei den Delikten der Straßenkriminalität registrierte die Polizei weniger alkoholisierte Jungtäter. Stand im Jahr 2008 noch knapp jeder zweite Verdächtige unter Alkohol (45,0 Prozent), sank der Anteil jetzt auf 39,2 Prozent. Die Jugendkriminalität lag - trotz einem Plus von 399 Jungtätern - immer noch unter dem Niveau von 2007. Von den 6676 Verdächtigen unter 21 Jahren wohnten in 2009 rund 40 Prozent außerhalb von Stuttgart. Mehr als die Hälfte davon kamen aus dem Mittleren Neckarraum. „Die jungen Menschen fielen überwiegend durch Straftaten, wie Sachbeschädigung, Diebstahls- und Körperverletzungsdelikte auf“, sagte Stumpf. Nach einem stetigen Rückgang der Diebstahlsdelikte in den letzten zehn Jahren wurde im Jahr 2009 ein Anstieg von 3,3 Prozent festgestellt. Zugenommen hat der einfache Diebstahl von 11 302 auf 12 118 Fälle. Der schwere Diebstahl hingegen reduzierte sich um 278 Straftaten. Die rückläufige Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen konnte im Jahr 2009 nicht fortgesetzt werden (Anstieg von 581 auf 641 Fälle). Rund die Hälfte waren Tageswohnungseinbrüche. Nach der Festnahme einer georgischen Tätergruppe Ende 2008, die für eine Vielzahl von Einbrüchen im Stadtgebiet verantwortlich war, gingen die Einbrüche in Wohnungen in der ersten Jahreshälfte zurück. Trotz der konsequenten Spurenauswertung sowie der Konzeptionseinsätze in der dunklen Jahreszeit sei ein Anstieg der Fälle in der zweiten Jahreshälfte nicht zu verhindern gewesen.

Die wichtigsten Kennzahlen

60 080 Straftaten sind in Stuttgart registriert worden. Das sind im Schnitt 165 Straftaten am Tag, darunter 6484 Körperverletzungen, 459 Raub- und 16 667 Diebstahlsdelikte. Die Statistik weist 28 Straftaten gegen das Leben aus, 445 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (exhibitionistische Handlungen, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung), 459 Raubdelikte, 6484 Körperverletzungen, 1342 Straftaten gegen die persönliche Freiheit, 16 667 Diebstähle, 15 197 Betrugsdelikte (darunter 8612 Mal Erschleichen von Leistungen), 2383 Rauschgiftdelikte, 8569 Sachbeschädigungen, 2338 Beleidigungen, 126 Brandstiftungen. Unter den 6484 Körperverletzungen sind 1802 gefährlich/schwer, 4444 leicht.

 

Artikel vom 20.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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