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Verschmähte Liebe als Mordmotiv?

Nach dem Mord an einem 52-jährigen italienischen Gastwirt wird über die Beziehung zum Täter spekuliert

Stuttgart (yw) - Am Montag konnte die Polizei noch keine stichfesten Angaben zum Beruf des 52-jährigen Italieners machen, der mittags auf offener Straße erschossen wurde. Auch die Beziehung zu dem Täter, der sich nach der Tat stellte, war unklar. Nach ersten Ermittlungen steht nun fest, dass es sich bei dem Opfer um einen Gastwirt handelt. Der 45-jährige Täter soll sein ehemaliger Geschäftsführer gewesen sein.

Mit einer Neun-Millimeter-Pistole war der Wirt aus dem „Mezzogiorno“ (Kriegsbergstraße) und dem „Salvini“ (Bolzstraße) am Montagmittag in der Falbenhennenstraße vor einem Haus mitten auf der Straße erschossen worden. Zeugen hatten von einem Streit zweier Männer berichtet. Daraufhin fielen etwa neun Schüsse. Der 45-jährige Täter - ein Deutscher, der aus dem Kosovo stammt - hatte sich kurz nach der Tat auf einem nahegelegenen Polizeirevier gestellt. „Der Täter wurde bis in die Abendstunden verhört und hat gestanden“, sagte Polizeisprecher Jens Lauer. Der 45-Jährige habe mehrere Schüsse auf den Italiener abgegeben, sagte der mutmaßliche Todesschütze in der Vernehmung. Er wurde gestern dem Haftrichter vorgeführt. „Wir sind dabei, weitere Zeugen zu vernehmen“, sagte Lauer gestern. Denn einige der Beobachter seien am Montagmittag nach der Tat „noch etwas durch den Wind gewesen“. Allerdings, so Lauer, gebe es genügend Augenzeugen, hauptsächlich Anwohner, die zur Tatzeit am Fenster standen. Zum genauen Ablauf der Bluttat jedoch gebe es widersprüchliche Zeugenaussagen. Der Täter sei bisher nicht polizeilich aufgefallen. „Woher er die Pistole hat, wissen wir noch nicht“, sagte der Polizeisprecher. Allerdings sei der 45-jährige, der als ehemaliger Geschäftsführer für das Opfer gearbeitet hat, nicht im Besitz eines Waffenscheins. „Die Waffe ist illegal“, so Lauer. Zur Motivlage und weiteren Hintergründen gab die Polizei auch gestern keine detaillierten Angaben. „Wir können nur sagen, dass das Motiv im privaten Bereich liegt“, so Lauer. Berichte, wonach es sich um eine intime Beziehung der Männer gehandelt haben soll, wollte die Polizei nicht bestätigen. Der 45-Jährige habe sich wohl eine offene, dauerhafte Beziehung zu dem Opfer gewünscht. Der verheiratete Italiener und Vater zweier Kinder sei jedoch nur auf ein kurzzeitiges Abenteuer aus gewesen. Nicht zuletzt wegen dieses Konfliktes wurde das Angestelltenverhältnis wohl zum Jahresende gelöst. Ob es bei dem Streit desweiteren um geschäftliche oder finanzielle Nöte ging, sei noch unklar. Nach unbestätigten Angaben wollte der 45-Jährige selbst ein Lokal eröffnen. Ob es deshalb Streit gab, konnte die Polizei noch nicht sagen. Die Leiche des Gastwirtes wird im Laufe des heutigen Tages obduziert. Der 52-Jährige ist der erste Mensch, der in diesem Jahr eines gewaltsamen Todes starb. Im vergangenen Jahr kam ein Mann durch ein Tötungsdelikt ums Leben - ein historischer Tiefstand. Im August 2009 wurde ein 54-Jähriger in seiner Wohnung in Feuerbach getötet. Im September war der Fall aufgeklärt: Die Ehefrau, die 17-jährige Tochter und deren 22-jähriger Freund hatten einen Mordkomplott geschmiedet. Der 22-Jährige brachte den Familienvater mit einem Messer um.

 

Artikel vom 17.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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