Aus Gewerbebrache wird neues Stadtquartier

Icade will 130 Millionen Euro in Gestaltung des Quartiers Heilbronner/Türlenstraße investieren - Baubeginn hängt von Mietersuche ab

 


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Stuttgart - Das französische Immobilienunternehmen Icade will im Herzen Stuttgarts ein neues Stadtquartier errichten: Auf dem Gelände der seit Jahren leer stehenden, ehemaligen Mercedes-Benz-Niederlassung an der Heilbronner/Türlenstraße sollen Büros und Wohnungen entstehen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 130 Millionen Euro. Der Baubeginn ist noch offen.

Von Elke Hauptmann

Das Projekt, das der Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Icade Reim GmbH, Frank Doucet, Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, Baubürgermeister Matthias Hahn und Wirtschaftsförderer Klaus Vogt gestern stolz im Rathaus präsentierten, trägt den Namen „Look 21“. Der Anspruch der Immobilienentwickler: an markanter Stelle - als Bindeglied zwischen dem künftigen Europaviertel auf dem Stuttgart-21-Areal hinterm Hauptbahnhof und den grünen Hängen des Killesbergs - eine „Symbiose zwischen hochwertiger Architektur und Nachhaltigkeit“ zu schaffen. Was einfacher klingt, als es ist: Icade hatte die Gewerbebrache bereits Ende 2006 erworben und einige Jahre für das jetzige Konzept gebraucht. Ursprünglich, räumt Doucet ein, waren 40 000 Quadratmeter reine Büronutzung vorgesehen. „Aber das erschien uns nicht mehr angemessen.“ Als dann, nach einem Jahr Verhandlun gen, der Großmieter absprang, habe man umgeplant - und gleichzeitig d en erklärten Wunsch der Stuttgarte r nach Wohnraum entsp rochen. Schuster ist äußerst angetan von den Entwürfen: „Hiermit erhält Stuttgart die Chance, städtebaulich Innovatives mit Qualität, Nutzungsvielfalt und Nachhaltigkeit zu verbinden.“

 

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Die Pläne sehen auf dem 12 775 Quadratmeter großen Grundstück einen Gebäudekomplex vor, „der sich behutsam in die Umgebung einfügt“, erklärt Günther Schaller, dessen Architektenbüro sich in einem internen Wettbewerb gegen vier Konkurrenten durchgesetzt hat. Am Ausgang der Stadtbahnhaltestelle Türlenstraße soll ein multifunktionales Business Center entstehen, das aus zwei verwandten, aber unterschiedlich ausformulierten Gebäudeflügeln besteht. Entlang der Heilbronner Straße sind Büros, kleine Läden und Gastronomie vorgesehen, im Gebäudeflügel an der Türlenstraße auch Wohnungen. Ein weiteres, gegliedertes Gebäude mit Wohnungen ist im Innenbereich vorgesehen, das Herzstück bildet ein 6600 Quadratmeter großer Park mit Wasserbecken. Alles in allem sind 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vorgesehen, davon 14 200 Quadratmeter für die 113 Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern. Die Tiefgarage, die über die Türlenstraße erschlossen wird, bietet etwa 400 Stellplätze. Die Gebäude, betont Schaller, werden höchsten Ansprüchen an Energieeffizienz genügen - von begrünten Dächern, über Regenrückhaltung, Geo- thermie und Solar bis hin zu Dreifachisolierverglasung und hochwärmegedämmter Fassade seien eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgesehen.

Freilich: Noch ist das alles Zukunftsmusik. Einen konkreten Termin für den Baustart kann Doucet nicht nennen. Erst müsse ein Mieter für die insgesamt 14 260 Quadratmeter Bürofläche gefunden werden. „Wir beginnen nun mit der Vermarktung.“ Aber er sei zuversichtlich, in spätestens zwei Jahren das Projekt realisieren zu können.

Bis zum Abriss der heutigen Gebäude sollen diese nicht länger leer stehen, kündigt Wirtschaftsförderer Klaus Vogt an. Sie sollen der Kreativwirtschaft angeboten werden. „Die Branche hat in Stuttgart zwar viele Produktionsstätten, aber noch kein Schaufenster.“ Ab dem Frühjahr könnten Ausstellungsräume von Fotoateliers oder Designern bezogen werden - für ein Jahr. Vorgehen ist, dass die Raum auf Zeit GmbH, die für das Gründerzentrum H 7 in der ehemaligen Bahndirektion zuständig ist, den „Kreativraum 2010“ betreibt. Auch die Stadtverwaltung werde die Zeit für ihre Hausaufgaben nutzen, erklärt Hahn: Für das Projekt sei die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans erforderlich.

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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