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Ausgeprägte Neigung zu Wortspielereien

Studierter Medienautor „Scharri“ Scharrenberg macht sich in seinen Gedichten oft selbst zum Thema

  Bei seinen Auftritten zeigt Philipp „Scharri“ Scharrenberg oft ganzen Körpereinsatz.Foto: Andreas Biesenbach
 

Bei seinen Auftritten zeigt Philipp „Scharri“ Scharrenberg oft ganzen Körpereinsatz. Foto: Andreas Biesenbach

 

Von Yvonne Weirauch

Stuttgart - Er trinkt gerne Tee, vorzugsweise Schwarzen oder Grünen Tee - „ist besser als Kaffee“, sagt er und schmunzelt. Philipp „Scharri“ Scharrenberg, Jahrgang 1976, ist Performance-Poet und studierter Medienautor mit einem Faible für Gereimtes und Wortspiele. Kabarett-Poesie und Stand-up-Poetry - das ist sein Fachgebiet. Dabei ist der Wahl-Stuttgarter so gut, dass er sogar mit einem ganz besonderen Preis - dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg - ausgezeichnet wurde. Als Gewinner der Deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften 2009 hat Philipp Scharri gezeigt, wie unterhaltsam seine Verse und Reime sein können. Dabei macht er sich oft selbst zum Thema. So schreibt Philipp Scharri darüber, dass er bereits als Kind eine große Neigung zu Wortspielereien hatte. Der „Exil-Rheinländer“ (geboren in Bonn) kam aufgrund des Studiums ins Schwabenland und hat es bis dato nicht wieder hinausgeschafft. „Hier entdeckte ich Poetry Slams als Ausdrucksform für mich“, sagt Scharri. Dazu bewogen hat ihn das wachsende Bedürfnis, seine Texte zur Abwechslung mal nicht nur überquellenden Schubladen, sondern einem lebendigen Publikum zu präsentieren. Grundlegend sei Kabarett und Slam deutlich zu unterscheiden: „Slam ist lauter, präsenter, schneller, aktiver.“ Das klassische Kabarettprogramm sei gediegener und ruhiger. Feste Regeln gebe es beim Slam: „Es gibt ein Zeitlimit, etwa sieben Minuten pro Beitrag dürfen im Durchschnitt nicht überschritten werden“, so Scharri. Zudem dürfen keinerlei Requisiten und Instrumente verwendet werden. Dass Philipp Scharri schon immer „was mit Medien“ machen wollte, stand in den frühen Lebensjahren fest. Als Fünfjähriger wurde er Mitglied einer Improvisationstheatergruppe, ein Jahr später begann er einen Roman, kam jedoch nie über die erste Seite hinaus. „Meine ersten Wortspiel-Versuche kamen nicht so gut an“, sagt der 35-Jährige. „Mein bester Freund hat mal einen Tag lang nicht mit mir gesprochen, weil ich ihm so auf die Nerven gegangen bin. Das hat gesessen.“ Sein Deutschlehrer hatte in der Oberstufe als Notiz in einer Klausur aber schon vermerkt: „Sie haben eine Tendenz zu Kalauern.“ Das sei wohl hängen geblieben. Seitdem setzt er seine Wortspiele gezielt ein. Nachdem er sich als Comiczeichner, Drehbuchautor, Rapper und Regisseur versucht hatte, studierte er und landete auf der Bühne. Es folgten zahlreiche Auftritte bei Poetry Slams und Open-Stage-Veranstaltungen in ganz Deutschland. Seit Herbst 2007 ist er Mitglied der ersten Stuttgarter „Lesebühne 7PS - Eurythmie und Marschmusik“, die einmal monatlich im Landespavillion gastiert. Aufgeregt sei er vor jedem seiner Auftritte, sagt Scharri. Aber das müsse auch so sein, sonst werde es kein guter Auftritt. „Der Klügere gibt Nachhilfe“, so heißt sein aktuelles Programm. Stürmisch performend will er dabei mal eben die großen Dichter und Denker zum Leben erwecken. Dann hört man am Keyboard in kritischen Tönen ihn über Gesellschaftspolitisches höhnen. Mit Liedchen zwischendurch spricht er auch frei als Comedian - „nicht nur in Reimen und rhythmischer Versform, denn das könnte ja kein Mensch anderthalb Stunden am Stück aushalten.“

Morgen steht Philipp Scharri um 20 Uhr gemeinsam mit dem „Fuck Hornisschen Orchestra“ auf der Bühne der Rosenau.

 

Artikel vom 10.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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