Kein Busbahnhof in Vaihingen
Stadträte lehnen vorgesehenen Standort ab und liebäugeln mit Fläche auf dem Flughafen-Gelände
Stuttgart - Die Ansiedelung des Fernomnibusbahnhofs (FOB) in Vaihingen ist vom Tisch. Gestern sprach sich im Technikausschuss eine breite Mehrheit gegen das Vorhaben aus. Die Verwaltung wurde mit einem neuen Suchlauf beauftragt, zudem sollen sich die Oberbürgermeister von Stuttgart und Echterdingen mit den beiden Flughafenchefs zu einem Spitzengespräch treffen.
Selbst das flammende Plädoyer, in dem Baubürgermeister Matthias Hahn noch einmal die Vorzüge des Standorts in Vaihingen pries, half am Ende wenig. Mit 14 Stimmen lehnten die Stadträte eine Bebauung im Gewerbegebiet am Wallgraben ab, drei Enthaltungen wurden gezählt. Dabei schienen die Würfel zugunsten Vaihingens bereits gefallen zu sein: Dem Bebauungsplanverfahren hatte der Gemeinderat 2008 zugestimmt. Zu einer Mehrheit gegen das Projekt hatte in den letzten Wochen allerdings der Sinneswandel der CDU verholfen, die bis dahin zu den Befürwortern des Standorts zählte. Ihre Meinungsänderung begründete die Gemeinderatsfraktion mit der Absage der ökolinken Ratsmehrheit an einen vierspurigen Ausbau der Nord-Süd-Straße, die als Zubringerstrecke für den Omnibusverkehr ins Gewerbegebiet angedacht ist. „Die Straße ist bereits an der Grenze der Belastbarkeit angekommen“, zeigt sich CDU-Stadtrat Jürgen Sauer überzeugt. Der Bürgermeister hingegen hatte zuvor von einer Mehrbelastung von 100, an Spitzentagen von bis zu 300 Bussen gesprochen - eine Zahl, die angesichts von 26 000 Fahrzeugen am Tag „vernachlässigbar“ sei.
Mit dem Aus für das Projekt in Vaihingen ist die Verwaltung nun aufgefordert, einen weiteren Suchlauf zu starten. Kein einfaches Unterfangen: 6000 bis 7000 Quadratmeter Fläche werden benötigt, 14 bis 16 Busbuchten sind vorgesehen. Vaihingen hatte sich nach mehreren Suchläufen auch deshalb als Standort empfohlen, weil der FOB dort vergleichsweise kostengünstig zu realisieren war: Vier Millionen Euro hätte die Stadt investieren müssen. Wolle man einen Standort in der Innenstadt, müsse man dafür „ein Vielfaches an Geld in die Hand nehmen“, betonte der Baubürgermeister, der die Untergrenze auf 10 bis 15 Millionen Euro bezifferte.
Neben einem Standort in der Innenstadt begrüßte die Mehrzahl der Stadträte auch eine Ansiedlung auf dem Flughafen-Gelände, wie sie unlängst von Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski ins Spiel gebracht worden war (wir berichteten). Angesichts der guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei dies kein abwegiger Gedanke, ließ Grünen-Vorsitzender Werner Wölfle wissen und regte ein „Spitzengespräch“ zwischen dem Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, dem Echterdinger OB Roland Klenk sowie den Flughafen-Chefs Georg Fundel und Walter Schoefer an.
Ob die Variante Flughafen allerdings Chancen hat, realisiert zu werden, ist zweifelhaft. In den letzten Tagen hatte die Flughafen Stuttgart GmbH betont, keine Fläche für einen Busbahnhof zu haben. Stuttgart zähle bereits heute zu den Airports mit besonders beengten Platzverhältnissen. Auch OB Klenk hatte sich in einem Zeitungsartikel kritisch zu den Folgen eines Busbahnhofs für die Stadt Leinfelden-Echterdingen geäußert.
Dass den FOB keiner wolle, liege an seinem „Schmuddelimage“, erklärte SPD-Chefin Roswitha Blind. Der bisherige Standort im Schlossgarten sei „trostlos und unattraktiv“. Die Fraktionsvorsitzende forderte die Verwaltung auf, alle Busverkehre in die neue Suche mit einzubeziehen - auch die Touristenbusse. Eine Alternative zum derzeitigen Standort sei nicht notwendig, erklärte hingegen Gangolf Stocker (SÖS/ Die Linke). „Für mich ist Stuttgart 21 noch nicht gebaut.“ Eines schlossen die Stadträte gestern kategorisch aus: Die Interimsstandorte in Obertürkheim sowie in Zuffenhausen sollen nicht zu einer Dauerlösung werden. Man werde maximal fünf Jahre mit den dortigen Provisorien leben, lautete die einstimmige Entscheidung.


