Porsche gibt Gas für innovative Hybridlösungen
Kann sich der Stuttgarter Sportwagenbauer als neue VW-Konzernmarke profilieren?
Esslingen - Emotionen und Motorsport haben Porsche als Marke groß gemacht. Konsequente Rationalisierung und Renditedenken rückten die Zuffenhausener in den letzten Jahren auf den Spitzenplatz als bestverdienender unabhängiger Autohersteller weltweit. Da schien die Übernahme des viel größeren VW-Konzerns möglich. Das hat nicht geklappt. Jetzt ist Porsche nicht mehr unabhängig. Eine Neuorientierung zurück zu den Ursprüngen kündigt sich an.
VW-Konzernchef Martin Winterkorn sieht dringenden Handlungsbedarf. Auf dem Genfer Autosalon sagte er es zur späten Stunde deutlich: Porsche muß sich als sportliche und innovative Marke profilieren und nicht - wie in der Vergangenheit - durch den Blick auf Zahlen und Rendite permanent eingebremst werden. Das grüne Licht aus der Wolfsburger Konzernzentrale veranlasste die Weissacher Ingenieure Vollgas zu geben. In Genf wurden unter großem Medieninteresse gleich drei Hybridkonzepte präsentiert, die bisher noch in der Schublade des Porsche-Entwicklungszentrums schlummerten.
Drei Konzepte für Hybrid
Hybridkonzept Nr. 1: die Neuauflage des Geländesportwagens Cayenne für die Serie - parallel mit dem VW-SUV Touareg. Ein Audi- V6-Kompressormotor kombiniert mit einer Elektromaschine schafft einen Verbrauch nach EU-Norm von 8,2 Liter pro 100 km. Wichtige Voraussetzung dafür auch das Abspecken beider SUV um rund 200 Kilogramm. Hybridkonzept Nr. 2: der 911 GT3 R für die Rennstrecke. Ein effizienter Schwungradspeicher nutzt die Bremsenenergie für die Beschleunigungspower von zwei zusätzlichen Elektromaschinen. Hybridkonzept Nr. 3: Der 918 Spyder für die Porsche-Zukunft. Die hochgesteckten Renditeziele hielten diesen Supersportwagen bislang in der Schublade der Weissacher Entwickler zurück. Auf dem Genfer Autosalon wurde er jetzt präsentiert. Ab 2013 könnte er in einer exklusiven Kleinserie produziert werden.
Der 918 Spyder ist auch ein ökologischer Befreiungsschlag für PS-starke Sportwagen. Im europäischen Verbrauchszyklus schafft der 700 PS-Bolide mit einem V8-Rennmotor und drei Elektromaschinen einen CO 2 -Ausstoß von gerade einmal 70 Gramm pro Kilometer und läßt damit fast alle Kleinwagen hinter sich. Allerdings nur dann, wenn der 918 Spyder sein Potential nicht nutzt, denn im EU-Verbrauchszyklus wird nie schneller als 120 km/h gefahren.
Doch Sparen ist angesagt. Hybrid ist eine technische Antwort und Porsche gibt Gas für innovative Hybridlösungen. Mit kleineren Motoren die bisherigen PS-Leistungen erzielen bei geringerem Verbrauch - das sogenannte Down-sizing - schafft weiteres Sparpotential. Porsche-Insider bestätigen, daß in Weissacher Schubladen auch ein Vierzylinder-Boxermotor auf seinen Einsatz wartet, als Antwort auf drängende Zukunftsfragen. Ein Porsche-Sportwagen unterhalb des jetzigen Einstiegsmodells Boxster ist so gut wie beschlossen. Konzernchef Martin Winterkorn sieht keine Probleme, den Mythos Porsche auch auf ein kleineres Modell zu übertragen. Technische Basis ist die VW-Studie Concept Blue Sport eines kompakten Mittelmotor-Sportwagens. Geplant ist eine VW- und Audivariante mit quer eingebautem Vierzylinder-Reihenmotor.
Ein Porsche mit gleicher Technik wäre nichts weiter als ein VW-Ableger mit Porsche-Markenzeichen. Das hat auch in der Vergangenheit nicht funktioniert. Die Weissacher Lösung: mit dem Vierzylinder-Boxermotor wird der Einstiegssportwagen zum echten Porsche - eine Lösung die auch Porsche-Fan Winterkorn nicht völlig von der Hand weisen will. Das Kostenproblem - neu entwickelter Motor in kleinen Stückzahlen - bleibt. Doch dafür, so Porsche-Insider, gäbe es naheliegende Lösungen.
Antwort auf Verbrauchslimits
Der kurze Vierzylinder-Boxer wäre zum einen die praxisgerechte Hybrid-Lösung für das Volumenmodell 911 und damit eine Antwort auf die drohenden Verbrauchslimits auf dem wichtigen US-Markt. Zum anderen könnte sich so die Unternehmensgeschichte wiederholen - diesmal in umgekehrter Richtung. In den fünfziger Jahren war der Boxermotor des VW-Käfer Basis für die Porsche-Sportwagen 356.
Jetzt könnte der neue Vierzylinder-Boxer aus dem kleinen Porsche-Sportwagen das Nachfolgemodell des VW-Beetle beschleunigen und so wieder auf kostengünstige Produktionszahlen kommen. Was unternehmenspolitisch zusammenkam würde sich auch wieder technisch treffen. Es darf vermutet werden, daß Chefstratege und VW-Porsche-Übervater Ferdinand Piech dies für eine reizvolle historische Perspektive hält.



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