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Hantavirus auf dem Vormarsch

Seit Jahresbeginn wurden im Land 98 Fälle registriert - Stuttgart und Böblingen am stärksten betroffen

S tuttgart (eh) - D as gefährliche Hantavirus, das durch Mäusekot auf den Menschen übertragen wird, breitet sich im Land rasant aus. Dem Regierungspräsidium sind seit Beginn des Jahres bereits 98 Fälle gemeldet worden. Besonders betroffen sind die Stadt Stuttgart und der Landkreis Böblingen. Ursache ist vermutlich eine starke Vermehrung von Rötelmäuse n .

Bis Ende vergangener Woche sind in 17 Land- und vier Stadtkreisen Baden-Württembergs insgesamt 98 Erkrankungsfälle bekannt geworden. Auffällig ist die Häufung in Stuttgart und Böblingen, in denen jeweils 19 Fälle auftraten. Aus Reutlingen sind neun Fälle gemeldet worde n, aus Esslingen und Göppingen jeweils sieben, aus Ludwigsburg sechs. Die Zahl sei für die Jahresz eit ungewöhnlich hoch, warnt das Stuttgarter Regierungspräsidium: Dies lasse hohe Infektionszahlen für die kommenden Monate erwarten. Denn gerade im Frühling sei das Ansteckungsrisiko am höchsten. Dabei liegen die Fallzahlen im Land schon jetzt doppelt so hoch wie im Vergleichszeitraum des Rekordjahres 2007. Damals war deutschlandweit ein massiver Anstieg der Hantavirus-Erkrankungen zu verzeichnen. Im gesamten Bundesgebiet waren 2007 fast 1700 Menschen erkrankt, davon allein 1100 in Bade n-Württemberg. In Stuttgart wurden 32 Fälle statistisch erfasst (2006: 5).

Der überwiegende Teil der Hantavirus-Infekt ionen verläuft unbemerkt. Kommt es zu einer Erkrankung, treten grippeähnliche Beschwerden auf mit drei bis vier Tagen anhaltendem hohen Fieber sowie Kopf-, Glieder- und Bauchschmerzen. Die Nierenfunktion kann gestört sein. Mehr als die Hälfte der Betroffenen muss im Krankenhaus behandelt werden. Doch meistens verlaufe die Krankheit ohne bleibende Schäden, sagt Matthias Trautmann, Infektologe am Stuttgarter Kat harinenhospital. Oft reiche eine Infusionstherapie aus, um die entzündeten Nieren zu heilen. In weniger als einem Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich.

Da es keine Impfung gegen Hantaviren gibt, rät das Gesundheitsamt zu Vorsichtsmaßnahmen. Verbreitet werden Hantaviren über wildlebende Nagetiere, die das Virus vor allem über Kot und Urin ausscheiden. Der Mensch infiziert sich in der Regel bei Arbeiten im Freien - wenn Staub aufgewirbelt wird, den man einatmet. Deshalb sollte man beim Reinigen von Gartenhäusern und Geräteschuppen lieber feucht wischen statt kehren, gut lüften, Mundschutz tragen und sich danach die Hände waschen. Die Ursache der massiven Zunahme der Krankheitsfälle ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich spielt eine deutliche Vermehrung der Rötelmäuse, die erfahrungsgemäß alle zwei bis drei Jahre erfolgt, eine Rolle.

 

Artikel vom 09.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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