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Dem Parkchaos wird die Rote Karte gezeigt

Pilotversuch nach Vorbild Münchens: 11 000 Stellplätze sind ab kommendem Jahr im Stuttgarter Westen kostenpflichtig

Stuttgart - Wer im Westen der Stadt sein Fahrzeug parken will, muss meist zusätzliche Zeit einkalkulieren. Minutenlang drehen Autofahrer ihre Runden, bis sie eine freie Lücke entdecken. Gehwege und Einfahrten sind häufig mit Fahrzeugen verstellt. Mit dem 1. März 2011 wird deshalb in dem dicht besiedelten Stadtteil ein Parkraum-Management nach Vorbild Münchens eingeführt - und das könnte anschließend auf andere Stadtteile übertragen werden.

Von Andrea Eisenmann

„Parkst du schon oder suchst du noch?“ Die im Stuttgarter Westen viel gestellte Frage wird ab 1. März kommenden Jahres lauten: „Zahlst du noch oder radelst du schon?“ Bereits seit längerem ist a ngedacht, in dem Stadtbezirk - hier le ben rund 45 000 Einwohner - ein Parkraum-Management nach Vorbild Münchens einzuführen. Mit rund 10 700 gebührenpflichtigen Stellplätzen sollen vor allem Pendler dazu bewegt werden, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Ein entsprechende s Konzept wurde von den Verkehrsexperten der Universität Stuttgart und der Stadtverwaltung ausgearbeitet. In weniger als einem Jahr wird das Vorhaben nun realisiert. Der vorgelegte Entwurf teilt den Stuttgarter Westen in acht Zonen (W 1 bis W 8) ein. In Bereichen mit überwiegender Geschäftsnutzung wird die bisherige Kurzzeitregelung beibehalten - sprich: alle Nutzer müssen von Montag bis Samstag im Zeitraum von 8 bis 22 Uhr Gebühren zahlen. Bei einer geringen Parkzeit von bis zu 30 Minuten wird die so genannte „Brötchentaste“ gedrückt: Man parkt, ohne bezahlen zu müssen. Ansonsten beträgt die Höchstparkdauer auf den Kurzzeitparkplätzen für alle Fahrzeughalter zwei Stunden, 60 Cent sind pr o Stunde zu entrichten.

Im übrigen Gebiet können die Anwohner kostenlos parken - vorausgesetzt, sie haben eine Parkberechtigung für 30,70 Euro im Jahr erworben und stellen ihr Fahrzeug in jenem Teilgebiet ab, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Im Stuttgarter

Westen ansässige Betriebe und soziale Dienste benötigen eine Ausnahmegenehmigung, die sich auf rund 300 Euro im Jahr belaufen wird. Alle übrigen Nutzer müssen den Parkscheinautomaten bedienen. 60 Cent pro Stunde sieht der Tarif vor.

Seit längerem sei die Situation im Westen angespannt, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. „Anwohner, Besucher und Pendler konkurrieren um die Parkplätze.“ Die Suche nach einem Stellplatz verursache Lärm und Abgase, auf Gehwegen abgestellte Fahrzeuge gefährden insbesondere Fußgänger. Mit dem Modellversuch verfolgt die Verwaltung zwei Ziele: Der Anteil der Falschparker soll verringert, die Zahl neuer Stellplätze hingegen deutlich erhöht werden. Die neue Regelung dürfte sich auch finanziell für die Stadt auszahlen. Auf zwei Millionen Euro bezifferte Schairer in der Vergangenheit die jährlichen Einnahmen nach Abzug der Kosten. Für die Umsetzung des Konzepts muss zunächst allerdings tief in die Stadtkasse gegriffen werden. Vorgesehen ist die Aufstellung von 500 Parkscheinautomaten. Die Kosten für diese belaufen sich auf 2,76 Millionen Euro. Zudem kann das Park­raum-Management nur dann erfolgreich sein, wenn eine konsequente Überwachung auf den Straßen erfolgt. Für Personal, Fahrzeuge und Sachleistungen fallen im Jahr 2,53 Millionen Euro an.

Einen Verwendungszweck für die Einnahmen gibt es bereits: die Schaffung von weiteren Stellplätzen im Stadtbezirk. Die erwirtschafteten Überschüsse sollen zum Bau einer Bewohner-Parkgarage im Rossbollengässle verwendet werden, zudem sind neue Abstellmöglichkeiten für Fahrzeuge am Friedrich-Eugens-Gymnasium vorgesehen. Damit werde dem Parkchaos die Rote Karte gezeigt, ist man in der Verwaltung überzeugt. Sollte der Pilotversuch im Westen erfolgreich sein, ist eine Übertragung auf andere Stadtteile geplant.

 

Artikel vom 09.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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Leser-Kommentare (1)

-› Artikel kommentieren

09.03.2010 12:29 von C

Es lebe das frei Leben, Bewegen und Wohnen im Umland. Nacher wunder man sich das nur noch sozial Schwache, die für Nichts zahlen müssen, in den Stadtteilen leben. Weiter so:-)


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