Die „Spur der Erinnerung“ ist angekommen
1,5 Tonnen Farbe verbraucht - Gedenkveranstaltung endet vor dem Innenministerium
Armin Braun ist am Freitag einer der wenigen Zeitzeugen auf dem Karlsplatz. Etwa 200 Menschen beobachten trotz Kälte und Nieselregen gegen 14 Uhr die Ankunft der zehn Zentimeter breiten violetten Farbspur, die vor dem Innenministerium endet. Der Ort ist bewusst gewählt: Hier entstand vor über 70 Jahren die Idee zu der großangelegten Vernichtung - vom Tatort Grafeneck in Gomadingen geht es damit an den Ort der Planungen zurück. 1,5 Tonnen Farbe wurden in den vier Tagen verbraucht, um die 70 Kilometer lange Spur bis Stuttgart zu ziehen.
Die Aktion wird den Organisatoren - der Initiative Stolpersteine und dem Bürgerrechtsforum „Die Anstifter“ - aber nicht nur wegen der Farbe an den Händen noch lange im Gedächtnis bleiben. Er sei voller Erstaunen und Dankbarkeit, dass sich 7000 Menschen beteiligt hätten, sagt Harald Habich. Der Initiator und Mitarbeiter des Stuttgarter Sozialamts verweist auf 160 Begleitveranstaltungen, in denen Gemeinden, Schulen und Bürgergruppen entlang der Strecke an die Euthanasiemorde in Grafeneck erinnerten. „Man darf nie vergessen, was alles Schlimmes passiert ist“, sagt eine Zehntklässlerin des Mörike-Gymnasiums nachdenklich.
Bis in die Abendstunden dauert die Abschlussveranstaltung auf dem Karlsplatz. Die Veranstalter lassen Tauben aufsteigen, behinderte und nichtbehinderte Jugendliche sowie Erwachsene musizieren gemeinsam auf der Bühne. Eine Läufergruppe, die die Strecke vom Samariterstift bis nach Stuttgart zu Fuß zurückgelegt hat, wird in Empfang genommen. Die Erinnerung an Grafeneck ist bei Armin Braun trotz der vielen Jahrzehnte, die dazwischen liegen, nicht verblasst. Vor einem Jahr war er nochmals dort. „Zum Abschied nehmen“, wie er sagt.



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