Bei Horst Beer tanzt keiner aus der Reihe
Der ehemalige Profi aus Bremerhaven begleitet die German Open Championships in der Liederhalle als Wertungsrichter
Stuttgart - Dem großgewachsenen blonden Mann am Rande des Parketts entgeht nichts. Konzentriert verfolgt er die geschmeidigen Bewegungen, Schrittfolgen und Drehungen der jungen Tänzer - und wippt mit den Füßen im Takt der Musik. Wenige Blicke reichen, dann steht das Urteil fest. Horst Beer tippt mit einem Stift auf einige der Zahlen, die auf dem Bildschirm des handlichen Geräts zu sehen sind. Es sind die Rückennummern jener Paare, die er in der nächsten Runde wissen will. Vier sind es in diesem Durchgang. Klemmbrett, Papier und Kugelschreiber? Das war einmal. Seit 2007 sind in Stuttgart so genannte „Handhelds“ im Einsatz, mit denen die Wertungen der Juroren elektronisch erfasst und sofort verarbeitet werden. Die Paare mit den meisten Stimmen dürfen dann in die nächste Runde einziehen. So einfach ist das. Oder doch nicht? „Es ist schon passiert, dass die Elektronik einen im Stich gelassen hat“, sagt Beer. Dann wurden Papier und Stifte an die Juroren ausgeteilt.
Auf Beer wartet an diesem Dienstag ein langer Tag. Als Wertungsrichter bei den 23. German Open Championships begleitet er von morgens bis zum späten Abend im Hegelsaal das Turnier der Junioren II. Und das verspricht alles andere als einen einfachen Job: Bei einer Tanzzeit von eineinhalb Minuten müssen auf dem Parkett zehn Paare gleichzeitig beurteilt werden. Es geht unter anderem um die Interpretation der Musik. Bewegt sich das Paar im Takt, stimmt das Rhythmusgefühl?
„Mir ist es wichtig, dass beide Tänzer als Einheit rüberkommen und nicht wie Individualisten wirken.“ Auch die Technik ist entscheidend: Hält der Tänzer seinen Körperschwerpunkt über dem Fuß? Ist das Bein durchgestreckt? „Ich habe mit den Jahren für mich eine Art optimale Schablone entwickelt“, gesteht der 51-Jährige. „Und nun achte ich darauf, welche Paare diesem Idealbild am nächsten kommen.“
Wer Beer zuhört, merkt ihm die jahrzehntelange Erfahrung und die Begeisterung für den Sport an. Mit seiner Partnerin und späteren Ehefrau Andrea tanzte er auf Wettbewerben, deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften. Mit 23 Jahren begann er, die Latein-Formationen der TSG Bremerhaven zu trainieren und führte den Verein bis an die Weltspitze. „Was wir uns früher von Wertungsrichtern erhofften, war eine faire Bewertung“, merkt er mit Blick auf seine aktive Zeit an. Und so lautet heute sein Credo: Jedes Paar muss alles geben, keines kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen. „Das gilt auch für Weltmeister. Es ist keine Schande, wenn diese bei einem Turnier zweiter oder dritter werden, weil sie einmal nicht alles gegeben haben.“
Die GOC sind noch bis Samstag in der Liederhalle zu Gast.



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