Bepanzerte Bewohner im Feuersee
Dutzende kleine Schildkröten leisten Enten Gesellschaft und genießen die Sonne am Fuße der Johanneskirche
Stuttgart - Wer entlang des Feuersees im Stuttgarter Westen spaziert oder sich am Katzenbach aufhält, der muss zweimal hinschauen, wenn ein kleines Köpfchen aus dem Wasser ragt. Denn was sich da außer Enten, Fischen und Schwänen noch im Wasser tummelt, sind kleine Schildkröten.
Das Wasser des Feuersees ist zu trüb, als dass sich die Sonne darin spiegeln würde, auf dem seichten Teich und am Uferrand treibt Müll, auf den steinernen Stufen, die auf der Westseite einst als Seepromenade dienten, sitzen Mamas mit ihren Kindern und auf den Bänken machen Rentner mit ihren Einkaufstüten eine Pause. Während Kinder die Enten mit Brotkrümeln füttern, ragt etwas weiter weg auf dem See ein nahezu unscheinbares, kleines Köpfchen aus dem Wasser. „Schau mal Mama, was ist denn das?“, ist von einem kleinen Kind zu hören. Die Antwort erstaunt den Zuhörer: „Das ist eine Schildkröte.“ Es ist schon fast eine kleine Sensation, wenn im Feuersee neben Enten, Fischen und Schwänen auch Schildkröten an der Wasseroberfläche auftauchen. Der Feuersee hat viele Gesichter: Er ist eines der wenigen urbanen Zentren der Weststadt und gleichzeitig die größte zusammenhängende Grünfläche im Bezirk. Er ist eine Art Naherholungsgebiet für die Anwohner des dicht besiedelten Quartiers. Ganz nebenbei hat sich das geometrische Betonbassin zu einem ungewöhnlichen und zuweilen skurrilen Biotop entwickelt: Nicht nur vielen verirrten Enten und Schwänen bietet der See Platz. Ungewöhnlichste Bewohner des Innenstadttümpels sind Schildkröten, die vermutlich von ihren Haltern ausgesetzt wurden und hier neuen Lebensraum in freier Wildbahn gefunden haben. Sie blicken hin und wieer aus dem Wasser oder tummeln sich am Ufer und genießen das sommerliche Wetter am Fuße der Johanneskirche. Mitten in Innenstadt teilen sich die Reptilien ihren ungewöhnlichen Lebensraum mit Enten und Tauben.
Algen gehören zum Speiseplan
Der Feuersee ist kein natürliches Gewässer. Er entstand zwischen 1701 und 1707 als Löschwasserteich und hatte ursprünglich eine dreieckige Form. Sie wandelte sich erst mit dem Bau der Johanneskirche Ende des 19. Jahrhunderts. Die Treppenanlage, die zum See hinunterführt, entstand mit dem Bau des unterirdischen S-Bahnhofs in den 70er Jahren, als der See verkleinert werden musste. Die steinerne Meerjungfrau, die früher auf einem Sockel in der Mitte des Sees thronte, ist heute durch eine acht Meter hohe Wasserfontäne ersetzt. Das Wasser auf der linken Seite der Halbinsel ist zur Schildkrötenbucht geworden. Bei schönem Wetter wärmen sich die bepanzerten Reptilien im Schutz der Uferböschung in der Sonne. Beim Abfischen wurden in der Vergangenheit unterschiedliche Arten gefunden, unter anderem Höckerschildkröten, wie sie in Missouri und am Mississippi vorkommen.
Das deutsche Klima passe laut einer Sprecherin der Wilhelma zu ihrem natürlichen Lebensraum in Nordamerika. Da die Stuttgarter Wintermonate nicht allzu hart seien, überleben sie hier auch im Freiland. Auf dem Speiseplan der Schildkröten, die bis zu 40 Jahre alt werden können, stehen Schnecken, Würmer, Algen, aber auch Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe.



Artikel kommentieren