Straßenbahngeschichte zum Anfassen
35 historische Fahrzeuge sind das Kernstück der Ausstellung - Drei Themeninseln vertiefen Blick in 140 Jahre SSB
Bad Cannstatt - Der größte Stuttgarter Stadtbezirk ist um eine weitere Attraktion reicher. Am Wochenende wird die Straßenbahnwelt Stuttgart, das Straßenbahn-Museum im Veielbrunnenweg, eröffnet. SSB-Vorstandssprecher Reinhold Bauer ist begeistert von den 35 Fahrzeugen und zahlreichen Kleinexponaten, die in der unteren Halle des ehemaligen Depots auf 2500 Quadratmetern zu sehen sind. „Es ist sehr schön geworden.“
Das Museum wird von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und dem Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) betrieben. Der 330 Mitglieder starke Verein hat sich zum Ziel gesetzt, alte Fahrzeuge und sonstige Gegenstände aus Betrieb und Technik zu erhalten. Die Sammlung umfasst 60 historische Schienenfahrzeuge - vom Pferdebahnfragment von 1868 bis zum Stadtbahn-Prototyp von 1982. 18 Fahrzeuge mit Baujahr zwischen 1925 und 1965 sind betriebsfähig und stehen für Oldtimer-Linienverkehr und Sonderfahrten bereit. In der Straßenbahnwelt stehen die 35 historischen Fahrzeuge im Mittelpunkt, die im Raum Stuttgart im Einsatz waren. Dazu gehören unter anderem das Untergestell eines der ersten Pferdebahnwagen, der Triebwagen WN 26 der Württembergischen Nebenbahnen AG, Betreiberin der Filderbahn, der „Gartenschauwagen“, Vertreter der ersten Straßenbahntriebwagen mit Stahlaufbau und Fahrersitzplatz, der END-Triebwagen der ehemaligen Straßenbahn Esslingen-Nellingen-Denkendorf, der Beiwagen 950, symbolisch für den Nahverkehr der ersten Nachkriegsjahre und der Typ GT4, eingesetzt von 1959 bis 2007.
Im SSB-Museum sollen auch die vielen Facetten des öffentlichen Nahverkehrs angesprochen und dem Publikum nahegebracht werden. Im Ausstellungsraum sind drei Themeninseln eingerichtet: Gleisbau, Fahrgast und Fahrdienstausbildung. Dabei wird die Entwicklung der Fahrpreise, -scheine und -kartenautomaten gezeigt. Auch die unterschiedlichen Sitze in den Bahnen von einst und heute können verglichen werden. Weitere Themeninseln sollen folgen. Auch Wechselausstellungen sind geplant. „So kann man immer wieder Neues entdecken“, so Bauer. Es gibt keinen ausgewiesenen Rundgang, der Besucher kann sich frei bewegen.
Es sei nicht einfach gewesen, aus der Fülle der Exponate der SSB und des Vereins SHB eine Auswahl zu treffen, beschreibt der SHB-Vorsitzende Thomas Moser. „Wir wollen den Standards gerecht werden.“ Schließlich will man hinter dem Mercedes-Benz- und dem Porsche-Museum nicht weit zurückstehen.
Die Straßenbahnwelt wird einmal in das geplante Mobilitäts- und Erlebniszentrum intergiert. „Wir sind deshalb die Keimzelle.“ 2,2 Millionen Euro kostete die Sanierung der Halle, wobei die Stadt 50 Prozent zuschoss. Die Kosten für die museumsspefizischen Einbauten liegen bei etwa einer Million Euro. Die Sanierung war keine alltägliche Aufgabe. Risse im Mauerwerk, Schäden am Beton und Fundament des 80 Jahren alten Gebäudes wurden festgestellt. „Wir haben schwer mit der Statik gekämpft“, erläutert Bauer. Das Dach war bei 20 Zentimeter Schneelast einsturzgefährdet. Deshalb wurde eine Dachheizung installiert. „Das war billiger als die Statik zu verstärken.“ Und man konnte auf zusätzliche Metallträger in der Halle verzichten. Die ganze Arbeit und Mühen haben sich gelohnt. „Wir haben jetzt ein Museum der besonderen Art“, beschreibt Reinhold Bauer die Straßenbahnwelt Stuttgart, die am Samstag ihre Pforten öffnet.



Artikel kommentieren