Verkehrsunfallstatistik 2009
Stark rückläufige Zahl bei den Verkehrstoten - Anzahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Esslingen leicht angestiegen
Stark zurückgegangen ist die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2009 im Landkreis Esslingen. Bei 12 schweren Verkehrsunfällen kamen 12 Menschen ums Leben. 2008 waren 21 Menschen bei 20 Unfällen getötet worden. Fünf Fußgänger kamen letztes Jahr bei Unfällen ums Leben, die beim Überqueren der Straße von Fahrzeugen erfasst worden waren. In vier weiteren Fällen war die Unfallursache überhöhte Geschwindigkeit. Bei den übrigen führten unterschiedlichste Ursachen zu den tödlichen Verkehrsunfällen.
Die Anzahl der Schwerverletzten ist mit 380 zum Vorjahr (366) gestiegen, wobei die Anzahl der Leichtverletzten von 1619 auf 1605 leicht zurückgegangen ist. Der bei den Verkehrsunfällen entstandene Sachschaden belief sich im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen auf zirka 18,6 Millionen Euro. Der Schaden bei Bagatellunfällen wird allerdings statistisch nicht erfasst und ist deshalb in dieser Schadenssumme nicht enthalten.
Die Hauptunfallursachen sind wie in den vergangenen Jahren unverändert.
1. Überhöhte Geschwindigkeit/fehlender Sicherheitsabstand
2. Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren
3. Vorfahrtsverletzungen
4. Alkohol- und Drogeneinfluss
Schwere Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang
Ein tragischer Verkehrsunfall ereignete sich am 07. Januar 2009 auf der B 27. Ein 37-jähriger Chrysler Lenker befuhr am Abend die Bundesstraße von Filderstadt in Richtung Tübingen. Etwa 300 m nach dem Aichtalviadukt kam er in Folge überhöhter Geschwindigkeit auf nasser Fahrbahn nach rechts von der Straße ab. Nachfolgend prallte der Pkw mit dem Heck gegen einen Baum. Hierbei wurde der ungesichert auf dem Rücksitz befindliche siebenjährige Sohn des Fahrers aus dem Fahrzeug geschleudert. Anschließend prallte das Kind gegen die Mittelleitplanke und zog sich schwerste Verletzungen zu. Der Junge starb noch an der Unfallstelle. An dem Fahrzeug entstand Totalschaden in Höhe von etwa 30 000 Euro.
Tödliche Verletzungen erlitt ein 34-jähriger Motorradfahrer bei einem schweren Verkehrsunfall am Abend des 29. September 2009. Der Kradlenker befuhr die L 1151 von Lichtenwald in Richtung Reichenbach. Trotz Überholverbots überholte er einen vorausfahrenden Pkw. Hierbei kam es zum Frontalzusammenstoß mit dem entgegenkommenden Ford eines 35-Jährigen. Der Zweiradlenker wurde auf die Straße geschleudert und erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Der Ford kam nach der Kollision nach links von der Fahrbahn ab und auf einer Wiese zum Stehen. Beide Insassen wurden leicht verletzt. Die Straße musste zur Unfallaufnahme für mehrere Stunden voll gesperrt werden und ein Sachverständiger wurde in die Ermittlungen eingeschaltet. Der Sachschaden belief sich auf zirka 20 000 Euro.
Etwas mehr Zweiradfahrer verunglückt
Leicht gestiegen sind im vergangenen Jahr die Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweiradfahrern. Waren es 2008 noch 358 Verkehrsunfälle, so registrierte die Polizei 2009 367. Bei diesen Unfällen sind im letzten Jahr zwei Motorradfahrer tödlich verunglückt, im Jahr zuvor waren es noch fünf. Gestiegen sind dagegen die Zahlen der verletzten Kradlenker. 85 Zweiradlenker erlitten schwere und 192 leichte Verletzungen. Im Vorjahr waren es 73 schwer beziehungsweise 179 leicht Verletzte.
89 Unfallfluchten mehr als im Vorjahr
Bei den Verkehrsunfallfluchten gab es einen erneuten Anstieg. Hier nahmen die Polizeibeamten im Landkreis im vergangenen Jahr 2853 Unfälle auf und somit 89 mehr als noch im Jahr 2008. Hierbei erlitten acht Personen schwere und 115 leichte Verletzungen. Ein Grund für den erneuten Anstieg liegt auch darin, dass seit letztem Jahr die Straßenmeistereien jede festgestellte Beschädigung, zum Beispiel an einer Leitplanke oder einem Verkehrszeichen melden. Durch intensive Ermittlungsarbeit konnten im vergangenen Jahr insgesamt 927 Unfallfluchten geklärt werden.
Nach wochenlanger akribischer Ermittlungsarbeit konnten Spezialisten der Verkehrspolizei eine Unfallflucht vom 13. Oktober aufklären. Ein betrunkener 63-Jähriger war gegen 03.25 Uhr zu Fuß auf der B 10 auf dem rechten Fahrstreifen der Richtungsfahrbahn Stuttgart unterwegs. Hierbei touchierte ihn der Lkw eines 46-Jährigen und der Fußgänger erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Der Lkw Lenker meldete zwar den Unfall, gab aber zuerst an, den Mann verletzt aufgefunden zu haben. Während der Ermittlungen und auch aufgrund mehrerer Observationen des Fahrzeugverkehrs auf der B 10 ergab sich ein Verdacht gegen ihn. Sein Lkw wurde daraufhin auf etwaige Kontaktspuren untersucht. Hierbei konnte eine kleine rote Farbantragung gefunden und gesichert. Die anschließende Untersuchung durch Spezialisten des Landeskriminalamts ergab, dass es sich dabei um eine Blutspur des 63-jährigen Fußgängers handelt. Zudem konnten die gesicherten mikroskopisch feinen Lackspuren an dem Schirm des 63-Jährigen der Lackierung des Kofferaufbaus zugeordnet werden.
Schulwegunfälle gingen um mehr als ein Viertel zurück
Um 26,5 Prozent ging die Anzahl der Schulwegunfälle im Landkreis Esslingen zurück. Im vergangenen Jahr ereigneten sich 50 solcher Unfälle. Dies ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2004, damals waren es 49. Bei den Schulwegunfällen wurden acht Schüler schwer und 49 leicht verletzt. Ungeachtet dieser erfreulichen Entwicklung wird die Polizei im Landkreis weiterhin Schulwegüberwachungen durchführen und bereitet Kinder und Jugendliche bei einer Vielzahl von Schulungen, Kursen und Veranstaltungen auf gefährliche Situationen im Straßenverkehr vor.
Radlerunfälle auf gleichem Niveau
2009 registrierte die Polizei 441 Unfälle mit Radfahrern. Dies ist exakt die gleiche Anzahl wie 2008. Hierbei wurde im vergangenen Jahr ein Radfahrer tödlich verletzt. 99 Radler erlitten schwere und 289 Personen leichte Verletzungen.
Alkohol und Drogen im
Straßenverkehr: Ein Toter, 53 Schwerverletzte
Einen leichten Anstieg muss die Polizeidirektion Esslingen im letzten Jahr bei den Alkoholunfällen verzeichnen. Waren es 2008 noch 255 Verkehrsunfälle, so registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 266 Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war. Bei diesen Unfällen wurde eine Person getötet, 53 schwer und 85 Verkehrsteilnehmer leicht verletzt.
Schwere Kopfverletzungen erlitt eine 43-jährige Rollerlenkerin bei einem Verkehrsunfall am Abend des 11. Oktober 2009 in der Einsteinstraße in Kirchheim. Die Frau war in Richtung Kirchheimer Straße unterwegs, als sie etwa 50 Meter vor der Einmündung aufgrund alkoholischer Beeinflussung zu weit nach rechts kam. Dort prallte sie nahezu ungebremst gegen das Heck eines geparkten Mercedes. Trotz Schutzhelm erlitt die Frau schwere Kopfverletzungen und musste in einer Spezialklinik behandelt werden. Bei der Unfallaufnahme stellten die Beamten Alkoholgeruch bei der Frau fest und ordneten eine Blutentnahme an. Diese ergab 3,27 Promille. Weiterhin war sie nicht im Besitz eines Führerscheins. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von zirka 4500 Euro.
3,5 Promille Alkohol im Blut hatte ein 45-Jähriger bei einem Verkehrsunfall am 16. Februar 2009 in Esslingen. Der Mann parkte am Vormittag aus einer Parklücke eines Parkplatzes im Ina-Rothschild-Weg aus und verlor auf der schneebedeckten Fahrbahn die Kontrolle über seinen Smart. Anschließend geriet er ins Schleudern und prallte gegen einen geparkten VW. Der Schaden betrug 3000 Euro. Der Fahrer war ebenfalls nicht im Besitz eines Führerscheins.
226 Blutproben wurden analysiert - 190 Fahrverbote
Bei Kontrollen bezüglich Drogenkonsums wurden bei insgesamt 226 Fahrzeuglenkern Blutproben angeordnet. In 190 Fällen fiel das Untersuchungsergebnis positiv aus und die Fahrzeuglenker erhielten ein Fahrverbot oder mussten den Führerschein ganz abgeben. Bei den unter Drogeneinfluss verursachten Verkehrsunfällen musste die Polizeidirektion im Jahr 2009 einen starken Zugang verzeichnen. Wurden im Jahr 2008 noch 13 solcher Unfälle registriert, so wurden im vergangenen Jahr 24 Verkehrsunfälle unter Drogenbeeinflussung verursacht.
Präventionsmaßnahmen
Die Polizei im Landkreis hat im letzten Jahr eine ganze Reihe von Präventionsprojekten im Verkehrsbereich durchgeführt, die bereits mehrfach in den Medien vorgestellt wurden. Die Verkehrserzieher der Polizeidirektion Esslingen führten insgesamt 511 Veranstaltungen, Projekttage oder Seminare durch. Hierbei werden unter anderem Senioren-Infonachmittage angeboten und Veranstaltungen für behinderte Menschen. Die Teilnehmer werden dabei auf Situationen und Gefahren im Straßenverkehr hingewiesen. Insgesamt wurden bei diesen Veranstaltungen 15 205 Personen erreicht. Hinzu kommen noch 5357 Schüler, die in den fünf Jugendverkehrsschulen bei den „uniformierten Lehrern“ die 5 bis 6-tägigen Radfahrkurse samt Prüfung absolviert haben.
Verkehrsüberwachung
Bei der Verkehrsüberwachung wird sich die Polizei im Landkreis wie bisher an den Unfallschwerpunkten orientieren und dort auch ihre Prioritäten setzen. Dies werden dabei insbesondere die Bekämpfung der Unfallursachen „überhöhte Geschwindigkeit“ und verstärkt „Alkohol- und Drogeneinfluss“ sein. Hierzu werden flexibel Geschwindigkeitskontrollen mit einer Vitronic Geschwindigkeitsmessanlage, Lasermessgeräten oder einem Videofahrzeug durchgeführt. Grundsätzlich müssen die Verkehrsteilnehmer im Kreis Esslingen zu jeder Zeit mit Drogen- und Alkoholkontrollen rechnen.
Infostand Bikertreff
Für die Kradlenker haben die Motorradspezialisten der Verkehrspolizei bereits 1997 den Infostand Bikertreff entwickelt. In diesem mobilen Stand waren sie auch im vergangenen Sommer wieder vor Ort präsent. Dieser Stand erfüllt eine gewisse Brückenfunktion zwischen den Bikern und der Polizei. Er dient dazu, die Motorradfahrer für Gefahren zu sensibilisieren. Sie erhalten vor Ort kompetente Beratung zur Fahrphysik, über Schutzkleidung, Helme, Fahrsicherheitstraining und über Unfallschwerpunkte von den erfahrenen Polizisten. Das Fahrverhalten der Kradlenker wird im Kreis Esslingen mit einem speziell mit einer Videokamera ausgerüsteten Motorrad überwacht.
Truckerpoint on Tour
Auch der Truckerpoint der Esslinger Verkehrspolizei war im vergangenen Jahr wieder auf Tour. Auf dem Autohof Kruichling informierten die Beamten an mehreren Tagen mit Schautafeln, Exponaten und vor allem in persönlichen Gesprächen mit den Lastwagenfahrern umfassend zum Thema Verkehrssicherheit im Lkw-Bereich. Ziel dieser Aktionen ist es, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen der Fahrer zu verbessern. Der Truckerpoint hat unter den Berufsfahrern eine hohe Akzeptanz und längst hat es sich herumgesprochen, dass die Lkw-Kontrolleure nicht nur Ansprechpartner zum Thema Sicherheit sind, sondern stets auch ein offenes Ohr für die Belange der Fahrer haben.



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