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MARINEKAMERADSCHAFT TSINGTAU

Mit dem Segelschiff in die Antarktis

Bei einem Abend der Marinekameradschaft (MK) stand ein Dia-Vortrag des MK-Kameraden Ottmar Schöller über seinen vierwöchigen Segeltörn in den Gewässern der Antarktis im Mittelpunkt. Er erläuterte zuerst den Status der Antarktis: Sie gehört zu keinem Staat. Durch das Antarktis-Abkommen aus dem Jahre 1961 ist dort ausschließlich eine „friedliche und wissenschaftliche Erforschung“ zuge­lassen. Nationen können keine Besitzansprüche stellen und keinerlei militärische Anlagen sind erlaubt. Die Antarktis stellt ein Ökosystem dar, welches noch kaum von Menschen beeinflusst wurde und dessen Unversehrtheit von zentraler Bedeutung für das Weltklima ist.Schöller schilderte dann die Anfahrt von Südamerika aus und das Bordleben auf dem 22 Meter langen Segelboot (mit zusätzlicher Maschine) mit acht Mitseglern aus mehreren Ländern. Er berichtete auch über die strengen Reglementierungen hinsichtlich Route, Zahl der Landgänger - alles muss gemeldet werden - und Umweltschutzauflagen. Sehr interessant seine Erläuterungen anhand von Land- und Wetterkarten über die geographischen und klimatischen Verhältnisse: Im Winter wurden auf einer russischen Station Temperaturen von minus 87 Grad gemessen und beim Törn erlebte die Besatzung in der Rake-Passage oft Windstärken von 8 bis 10. Die Südpolplatte besteht aus Fels, darüber eine bis zu 5000 Meter starke Eisdecke und darin ein verzweigtes Netz von Süsswasser-Seen. Der Vortrag streifte dann kurz die früheren Expeditionen zum Südpol (Wettlauf Amundsen/Scott im Jahr 1911) und ging auch auf die Arbeit der heutigen Forschungsstationen vieler Nationen ein, die teilweise nur im dortigen Sommerhalbjahr besetzt sind oder auch wieder aufgegeben wurden. Seine Bilder zeigten aber auch Begegnungen mit Walen, mit Königs- und Zügel-Pinguinen, mit Seelöwen und Robben, aber auch mit Eisbergen und deren kleineren Trabanten, den Trawlern. Der Dia-Vortrag brachte den Zuhörern viele neue und aufschlussreiche Erkenntnisse - und: Der direkte Bericht eines Teilnehmers ist eindrucksvoller und realistischer als eine Fernseh-Reportage oder ein Bildbericht in einer Zeitschrift.

 

Artikel vom 05.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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