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„Bei jedem Wetter zu starten, zahlt sich aus“

Der Aero-Club Esslingen schafft den Wiederaufstieg in die Segelflug-Bundesliga

 
 
 

Esslingen - Nur kurz hielt sich der Aero-Club Esslingen (ACE) in der 2. Bundesliga auf. Nach dieser nun beendeten Saison steigt der Segelflugverein wieder in die Bundesliga auf. „Wir sind natürlich stolz, dass wir dann wieder zu den besten 30 Vereinen in Deutschland gehören“, sagt Harro Sauer, Erster Vorsitzender des Vereins. Er sieht das als Aushängeschild für das Team vom Jägerhaus.

Von Malte Florian Klein

Die Esslinger belegten mit 198 Punkten als bester baden-württembergischer Club den 5. von 30 Rängen der 2. Bundesliga. Die ersten sieben Mannschaften steigen auf. Der erstplatzierte LSV Burgdorf aus Niedersachsen hat sich mit 306 Punkten an die Spitze gesetzt. Der SFC Ulm kam mit 195 Punkten knapp hinter dem ACE auf den sechsten Platz.Die Segelflug-Bundesliga gibt es erst seit sechs Jahren. Die Esslinger waren davon nur eine Saison nicht dabei. „Der Aufstieg war mühsam“, erzählt Brigitte Jabor, Pressewartin des Aero-Clubs. Nach den ersten Runden war der Verein im Mittelfeld auf dem 22. Platz. „Das lag aber auch an den Wetterbedingungen, die um das Jägerhaus nicht optimal sind.“ Auf der Alb sei die Thermik besser, sagt Jabor. „Wenn die dort schon eine halbe Stunde in der Luft sind, warten wir am Jägerhaus noch auf Thermik.“ Der Abstieg vor einem Jahr hatte den Fliegern zugesetzt. „Sie waren am Anfang noch nicht so optimistisch“, sagt Jabor. Doch dann rafften sie sich auf und verbesserten sich stetig. „Anfang Juli haben sie wieder Biß bekommen.“ Mit Erfolg. Ihre Strategie in dem stark wetterabhängigen Sport war: Sobald es einigermaßen geht, starten und Punkte holen. Die sind ausschlaggebend für die Wertung. „Bei jedem Wetter zu starten, zahlt sich aus“, resümiert Jabor. Es kommt auf die höchste Durchschnittsgeschwidigkeit an. Heiko Nill, Zweiter Vorsitzender, flog mit im Team des ACE und erreichte nach dem Schnellsten Frank Güntert mit 116,62 Stundenkilometern die zweithöchste Durchschnittsgeschwindigkeit mit 113,24.

Die Besten kommen in die Wertung

„Es kann jeder starten. Die drei schnellsten Piloten kommen in die Wertung“, berichtet Jabor. Nill war neun Mal mit dabei. „Meine Strategie ist, möglichst lange Strecken geradeaus zu fliegen und über starke Aufwinde kurz zu steigen“, sagt Nill. Er meidet es, Kreise zu fliegen, weil dadurch die Reisegeschwindigkeit sinkt. Der 40-jährige Schreinermeister ist bei jedem Wetter gestartet und war bis zu acht Stunden in der Luft. „Ich bin oft weite Strecken geflogen und habe das Bewertungszeitfenster von zweieinhalb Stunden so gewählt, dass ich über dem Thüringer Wald, dem Fichtelgebirge oder dem Bayerischen Wald bin“, berichtet Nill. Schnell zu sein, hat mit Wetterkunde zu tun, erklärt er. „Die Kunst ist es, die Wolken zu lesen und die starken Aufwinde zu finden.“ Nill ist begeisterter Pilot. „Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich nur segelfliegen“, sagt er. Ihn fasziniert es, der Natur die „Strecken abzutrotzen“. Sein Traum ist es, einmal 1000 Kilometer am Stück zu fliegen: „Das ist so die Schallmauer in dem Sport. Die möchte ich durchbrechen.“

Anfang August hatten sich die 14 Segelflieger vom Jägerhaus auf den siebten Rang vorgearbeitet. Nill und Dieter Hüttner absolvierten je neun gewertete Flüge, Alexander Späth sieben, Hartwig Machrauch fünf, Frank Güntert und Bernd Krimmer vier. Die Flüge von Uwe Scheuer und Harald Weis gingen drei und zwei Mal in die Wertung ein. Das Esslinger Team wurde schließlich Fünfter.

Sauer weiß, dass die ACE-Piloten die Leistung weiter steigern müssen. „Die Konkurrenz in der Bundesliga ist hart.“ Immer mehr Vereine möchten an den Ligen teilnehmen. Nill hält die Platzierung in der vorderen Tabellenhälfte für machbar. „Die Motivation, in der Bundesliga wieder mitzufliegen, ist groß“, sagt Jabor.

Foto mit Flieger: Frank Güntert (von links), Heiko Nill , Harald Weis, Uwe Scheuer, Michael Ultsch, Dieter Hüttner, Jacek Siudzinski (mit Sohn), Dieter Späth und Jan Ultsch feiern den Aufstieg. Bernd Krimmer, Hartwig Machrauch, Günter Späth, Alexander Späth, Gerald Tietz und Sebastian Bethge sind noch in der Luft. Foto: e

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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