Wandeln zwischen den Basketball-Welten
Rot-Weiß-Spielerin Stefanie Rathfelder geht für drei Vereine und insgesamt vier Teams auf Korbjagd
Bad Cannstatt - Während der Woche war wieder Champions- und Europa-League. Man darf gespannt sein, welcher Fußball-Bundesligist die ach doch so enorme Doppelbelastung als Alibi für schlechte Leistungen beziehungsweise Niederlagen anführen wird. Richtigen Grund zum Klagen über Mehrbelastung hätte eigentlich Stefanie Rathfelder. Die Basketballerin des ESV Rot-Weiß Stuttgart kann nämlich nicht nur von einer Doppel-, sondern gleich Vierfachbelastung sprechen. Sie geht bei den Rot-Weißen für die Frauen und die U-19-Mannschaft in der Oberliga auf Korbjagd, zudem sammelt sie Punkte für den Regionalligisten und Kooperationspartner SV Fellbach und noch für den Nachwuchsbundesligisten Grüner Stern Keltern in der Nähe von Pforzheim (im Basketball ist das möglich). Doch von Stress und Überlastung keine Spur. „Obwohl ich jeden Tag in der Halle bin, habe ich riesigen Spaß an der Sache. Ich bin eben völlig Basketball-verrückt“, sagt die 17-Jährige. Vor allem die Abwechslung würde den Spaß zusätzlich fördern. „Andere Mannschaften bedeuten andere Leute, andere Situation, Abwechslung ist garantiert.“ Auch die Fahrt in die Nähe von Pforzheim macht ihr nichts aus. Einmal pro Woche trainiert sie mit den Mädels des Grünen Stern Keltern, fährt dort entweder mit dem Zug hin oder der Manager „fungiert als Chauffeur“. Doch wie ist der Wandel zwischen den Basketball-Welten überhaupt unter einen Hut zu bringen, wie harmonieren die Spielpläne?
Gute Spielübersicht
„Ganz gut, alles eine Frage der Kommunikation und des Organisationstalents unseres Trainers Enrico Laue.“ Der Rot-Weiß-Coach war nämlich vor der Saison mächtig am Telefonieren. „Vor allem die drei Frauenspielpläne mussten koordiniert werden. Aber wir haben es hinbekommen“, sagt Laue. Dass die 17-jährige Schülerin der Cotta-Schule, einer der Eliteschulen des Sports, so gefragt ist, hängt natürlich mit ihren Qualitäten zusammen. Laue beschreibt ihre Fähigkeiten so: „Für ihre jungen Jahre verfügt sie über ein gutes Spielverständnis, gute Übersicht und ist variabel einsetzbar. Zudem ist sie beidhändig, kann den Korbleger problemlos mit links oder rechts machen.“ Sowieso sei ihr Wurf, auch jenseits der Drei-Punkte-Linie, sehr solide. Stefanie Rathfelder sieht ihre Schwäche im Selbstbewusstsein. „Manchmal traue ich mir einfach zu wenig zu, obwohl ich es kann.“ In dieses Horn stößt auch Laue. „Sie kann ein Spiel an sich reißen und praktisch im Alleingang entscheiden. Dann gibt es aber auch Spiele, da hadert sie zu sehr mit sich und spielt unter ihrem Niveau. Doch das hat sich stark verbessert, kam in der Vergangenheit nur noch selten vor.“ Das muss wohl so sein, denn schließlich plant Heinrich Simon, Trainer der abstiegsbedrohten Zweitliga-Mannschaft des Grünen Stern, für die nächste Saison mit der 1,82 Meter großen Flügel- und Aufbauspielerin. Das ehre sie zwar, so die Cannstatterin, aber sie wolle sich verstärkt auf Rot-Weiß konzentrieren. „Mein Herz hängt an meinem Heimatverein, diesem bleibe ich treu.“ Die beiden Farben Rot und Weiß spielen auch bei ihrem Hobby eine entscheidende Rolle. „Ich bin VfB-Fan und habe eine Dauerkarte.“ Wenn es die vier Spielpläne zulassen, „verpasse ich keine Partie“. Die Leidenschaft für den VfB hat sie von ihrem Vater, dem SWR-1-Musikchef „Jogi“ Rathfelder, der großer Fan des Bundesligisten ist. „Da wird manchmal schon heftig gestritten“, lacht die 17-jährige Schülerin. Über Basketball diskutiert sie schon eher mit Mutter Irmengard, die auch in der Basketballabteilung und im Vorstand von Rot-Weiß tätig ist.
Am Wochenende steht für Stefanie Rathfelder wieder der sportliche Spagat an. Heute will sie sich in Freiburg durch einen Sieg mit der U-19-Mannschaft von Rot-Weiß die Qualifikation für die Finalrunde zum Südwestdeutschen Pokal sichern, morgen tritt sie in den Play-Offs der Nachwuchsbundesliga für Keltern gegen das Team Mittelhessen an. Die Aussichten auf ein Weiterkommen stehen schlecht. „Das Hinspiel haben wir 52:79 verloren.“ Immerhin, Stefanie steuerte elf Punkte bei. Verzichten muss sie dafür auf das letzte Saisonspiel der Rot-Weiß-Damen zuhause gegen Böblingen (Sonntag, 14 Uhr). Für das letzte Play-Off-Spiel „habe ich ihr freigegeben“, sagt Laue.
Doch egal für welches Team Stefanie Rathfelder am Wochenende zum Ball greift, sie sieht darin keine Belastung, sondern „viel Spaß und Vergnügen“.



Artikel kommentieren