Viel Erfolg, wenig Öffentlichkeit
Marc Zwiebler ist Deutschlands bester Badmintonspieler und kaum jemand bekommt es mit - Heute Länderspiel in Nürtingen
Nürtingen - Dass er nach mehreren Versuchen im Auto zu erreichen ist, verwundert nicht. Marc Zwiebler ist viel unterwegs. Unterwegs in Sachen Badminton. Der 25-Jährige ist Deutschlands bester Spieler seines Sports. Mit Betonung auf „Spieler“ allerdings. Denn während der Bonner momentan - mit steigender Tendenz - die Nummer 24 der Weltrangliste ist, gibt es hierzulande in Juliane Schenk eine Spielerin, die vor kurzem sogar den Sprung in die Top Ten geschafft hat. Und das in einer Sportart, in der die Asiaten dominieren und in der in Europa Dänemark die unangefochtene Nummer eins ist. Würde man eine Umfrage etwa auf dem Nürtinger Schillerplatz machen, so würde dennoch kaum jemand etwas mit dem Namen Marc Zwiebler anfangen können - heute können die Menschen aus Nürtingen und Umgebung den Mann kennenlernen, wenn er ab 19 Uhr in der Theodor-Eisenlohr-Halle mit dem deutschen Nationalteam zu einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich antritt.
„Das ist nun mal so“, sagt Zwiebler dazu, dass seine Leistungen von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. „Es wäre schon schön, wenn unser Sport in Deutschland ein bisschen populärer wäre. Aber wir spielen ja Badminton, weil wir es lieben.“ Ende Oktober hat Zwiebler als ungesetzter Spieler das Finale der Denmark Open in Kopenhagen, ein Turnier der höchsten Super-Series-Kategorie, erreicht - eine Sensation für das deutsche Badminton. Doch das wurde außerhalb der Szene ebenso wenig honoriert wie sein anschließender Sieg bei einem internationalen Turnier in Schottland. Der Bundesligaspieler des 1. BC Beuel, der wie so viele seiner Kollegen aus einer Badminton-Familie stammt, hat sich daran gewöhnt. „Selbst wenn ich Weltmeister werden würde, hätte das hier keinen so großen Stellenwert, weil es in Deutschland eben sehr viele Weltmeister in vielen Sportarten gibt.“ Das ist seiner Meinung nach etwa auch ein Unterschied zum kleinen Dänemark. Dort gab es in den 80er-Jahren mal einen gewissen Morten Frost, der die Badmintonwelt aufmischte, all die Chinesen, Koreaner und Indonesier hinter sich ließ und in der Heimat einen Boom auslöste. Später war Frost dänischer Nationaltrainer, die Badminton-Asse des Landes sind heute mindestens so bekannt wie beim südlichen Nachbarn etwa die Biathlon-Stars.
Doch Zwiebler will sich nicht beklagen. Er ist immerhin der wohl einzige deutsche Badminton-Spieler, der von seinem Sport leben kann, ohne der Sportförderkompanie der Bundeswehr anzugehören. Gleichzeitig ist er als Student der Betriebswirtschaft eingeschrieben - das Studium geht angesichts von 25 bis 30 Trainingsstunden pro Woche und vielen Reisen zu Turnieren allerdings sehr langsam voran. Ob es sich als Profi gut leben lässt? „Es geht“, sagte Zwiebler und lacht. „Andere Studenten in meinem Alter müssen auch arbeiten und mit dem Geld auskommen.“
Starkes Comeback nach Operation
Zwiebler ist jedenfalls froh, dass er sich ein zweites Standbein aufbaut und dadurch nach dem Ende der aktiven Laufbahn entscheiden kann, ob er eine berufliche Zukunft in oder außerhalb des Sports suchen will. Vor allem angesichts der Erfahrung, die er vor vier Jahren gemacht hat. Nach einem Bandscheibenvorfall hatte er sich bereits damit abgefunden, den Schläger an den Nagel hängen zu müssen. Doch eine riskante Operation verlief so gut, dass er danach sogar besser wurde als zuvor. „Ich bin weiser geworden im Umgang mit meinem Körper“, sagt er heute. Ihm ist sehr bewusst, dass es Wichtigeres im Leben gibt als den Sport. Aber so lange er so gut ist, will er auch das Maximale erreichen. Im kommenden April stehen in den Niederlanden die Europameisterschaften an. „Da möchte ich eine Medaille, das ist auch realistisch“, sagt der Linkshänder selbstbewusst. „Vielleicht sogar Gold.“ Und er strebt in der Weltrangliste einen Platz „unter den besten Zehn oder sogar den besten Fünf“ an. Eine Platzierung, die zu Morten Frosts Zeiten für einen deutschen Badmintonspieler so unrealistisch gewesen wäre wie die Fußball-Weltmeisterschaft für Haiti. Dass selbst dann auf dem Nürtinger Schillerplatz nur ein paar Leute mehr etwas mit dem Namen Marc Zwiebler anfangen könnten, würde er verkraften.



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