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Westwärts

Die ehemaligen Göppingerinnen Celia Schneider und Anna-Lena Unseld suchen beim TV Nellingen ihr Handball-Glück

 
 
 

Von Sigor Paesler

Ostfildern - Als Celia Schneider und Anna-Lena Unseld vor zwei Wochen zum ersten Mal bei den Zweitliga-Handballerinnen des TV Nellingen zum Training erschienen, mussten sie ihren neuen Team-Kameradinnen nicht groß vorgestellt werden. Nicht nur mit Jessica Schulz, die nach sieben Jahren zum TVN zurückkehrte, hatten sie schon zuvor beim Bundesligisten Frisch Auf Göppingen zusammengespielt. Insgesamt sind nun schon sieben Spielerinnen im Nellinger Kader, die eine Göppinger Vergangenheit haben. Für die beiden war das durchaus ein Grund für den Wechsel 30 Kilometer Richtung Westen. Aber nicht der einzige. Sie wollen nicht nachkarten und deshalb nicht so recht raus mit der Sprache. Aber am Ende gab es offensichtlich ein paar Dinge bei Frisch Auf, mit denen sie nicht so richtig glücklich waren. „Es gab in Göppingen einige Umstrukturierungen, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte“, drückt sich Rückraumspielerin Unseld vorsichtig aus, ohne ins Detail zu gehen. Torhüterin Schneider wird etwas deutlicher, was ihre Lage betrifft: „Die Bedingungen hier in Nellingen sind für mich optimaler als in Göppingen. Dort gab es am Ende keinen Torwarttrainer mehr. Ich bin noch nicht alt genug, um das nicht mehr zu brauchen“. Beim Zweitligisten optimalere Bedingungen als beim Bundesligisten? Von ihrem neuen Verein sind die beiden jedenfalls angetan. Schneider: „Es ist gut, wenn man mal wieder aus dem Training kommt und merkt, dass man was getan hat.“

TVN-Trainer Stefan Haigis freut sich jedenfalls über die hochkarätigen Zugänge. Schneider ist für ihn gar „eine Torhüterin der deutschen Spitzenklasse, sie hatte in Göppingen leider nicht das Standing“. Leider für Schneider, gut für Nellingen. Haigis ist froh, dass er in der 24-jährigen gebürtigen Schrambergerin und Andrea May zwei ähnlich starke Torhüterinnen mit unterschiedlichen Qualitäten hat: „Schneider ist besser bei Würfen aus dem Rückraum, May bei freien Würfen - ich kann variieren.“

„Schnell und lernhungrig“

Nach dem Weggang von Agne Zukauskaite (TV Mainzlar) wollte Haigis eine Rückraumspielerin mit Spielmacherqualitäten und Durchsetzungsfähigkeit. In Unseld hat er sie gefunden. „Sie ist sehr schnell und lernhungrig“, lobt er. Die 25-Jährige, die zuvor nur beim SC Lehr gespielt hatte, stellt das Kollektiv in den Vordergrund. „Ich bin Mittelspielerin, das ist ja eigentlich eine Führungsposition, ich bin aber eigentlich eine Teamspielerin.“

Beide Handballerinnen wären wohl auch bei anderen Clubs untergekommen, möglicherweise auch in der Bundesliga. Wobei die Nellingerinnen noch dicke im Aufstiegsrennen waren, als sie unterschrieben. Für beide aber war die Ligazugehörigkeit nicht entscheidend. Zum einen haben sie den Aufwärtstrend des TVN beobachtet. „Ich habe dem Team ein paar Mal zugeschaut, das hat mit gefallen“, sagt Unseld. Zum anderen wollten sie in der Gegend bleiben. Unseld studiert in Stuttgart-Vaihingen Sportwissenschaften und strebt einen Job im Bereich Sportmarketing an. Schneider macht Karriere bei der Polizei in Stuttgart. Außerdem ist es ja gut möglich, dass sie in einem Jahr mit dem TVN in der Bundesliga spielen. Wobei das mit dem Saisonziel so eine Sache ist. Offiziell hat der Verein das Erreichen der Playoffs ausgegeben. Den (potenziellen) Zugängen aber wurde in den Gesprächen nicht verschwiegen, dass man sich gegen den Satz in die Eliteklasse nicht wehren würde, nachdem das Team zuletzt so nah dran war.

Die beiden Neuen waren in der Sommerpause schon sehr erfolgreich: Schneider darf sich Polizei-Europameisterin nennen, Unseld wurde Zweite bei den deutschen Hochschulmeisterschaften und war dabei im Finale gegen die Uni Berlin (24:26 n.V.) mit acht Treffern beste Stuttgarter Werferin.

Jetzt aber sind Celia Schneider und Anna-Lena Unseld in Nellingen angekommen und froh, dass sie von den vielen Bekannten dort gut aufgenommen wurden.

 

Artikel vom 16.07.2010 © Eßlinger Zeitung

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