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Ein Weltmeister und ein Talent für den VfB

Die Stuttgarter verpflichten Mauro Camoranesi von Juventus Turin und Mamadou Bah von Racing Straßburg

 
 
 
Stuttgart - Kurz vor dem Ende der Transferperiode hat der VfB Stutt-gart kräftig eingekauft. Gestern stellte der Fußball-Bundesligist zunächst den Italiener Mauro Camoranesi vor, der für etwa zwei Millionen Euro Ablöse von Juventus Turin zu den Schwaben wechselt. Wenig später folgte der Last-Minute-Transfer von Mamadou Bah aus Guinea, der für etwa 500 000 Euro von Racing Straßburg kommt.

Von Frank Hagenauer

Der 22-jährige Bah machte sich gestern nach der Unterzeichnung eines Dreijahresvertrags in Stuttgart sofort wieder zu seinem Nationalteam auf, weshalb er erst in der nächsten Woche ins VfB-Training einsteigt. Der 33-jährige Camoranesi wird dagegen bereits ab morgen bei seinem neuen Verein trainieren. „Ich freue mich über die große Chance, die ich beim VfB bekomme“, gab sich der Weltmeister von 2006 bei seiner Vorstellung bescheiden.

Er spielte acht Jahre bei Juventus, das ihn vor dieser Saison ausgemustert hatte. Zwischen 2000 und 2002 war der in Argentinien geborene Flügelspieler bei Hellas Verona aktiv, zuvor ausschließlich bei südamerikanischen Vereinen. Beim VfB unterschrieb er einen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr. Er äußerte den Wunsch, länger als eine Saison in Stuttgart zu bleiben, seine Frau und die drei Kinder sollen schon in den nächsten Tagen ins Schwabenland umziehen.

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic lobte Camoranesi als einen „Spieler mit großem Namen“, von dem er sich „unheimlich viel Qualität“ verspreche und der das Team „auch als Typ weiterbringen wird, da bin ich mir hundertprozentig sicher“. Sein Revier ist die rechte Außenbahn, er kommt aber auch für alle anderen Mittelfeldpositionen infrage.

Obwohl er in dieser Saison noch kein Spiel bestritten hat, fühlt sich der 33-Jährige topfit. „Ich habe seit dem 18. Juli bei Juve mittrainiert und 40 Tage harte Arbeit hinter mir“, beschrieb er seinen körperlichen Zustand. Er habe auch andere Offerten gehabt, „aber Stuttgart hatte Priorität, die anderen Angebote waren von längst nicht so prestigeträchtigen Vereinen“, schmeichelte Camoranesi seinem neuen Arbeitgeber. Der 1,74 Meter große Weltmeister mit den schulterlangen dunklen Haaren sieht aus wie ein Held aus einem Western-Film. Und so ähnlich ist im Grunde auch die Rolle, die ihm beim VfB zufällt - der 55-malige Nationalspieler soll der jungen Stuttgarter Mannschaft ein Leitwolf sein, ihr aus dem Bundesliga-Tabellenkeller helfen, ihr neuen Glanz verleihen.

Wiedersehen mit Molinaro

Die Stuttgarter haben nicht viel Zeit verloren, als Camoranesi ihnen vor anderthalb Wochen genannt wurde. Man zögere nicht, „wenn man einen Spieler mit einer solchen Vergangenheit und Persönlichkeit bekommen kann“, schwärmte Bobic. In Stuttgart spielt der Italiener nun wieder mit seinem Ex-Juventus-Teamkollegen und Landsmann Cristian Molinaro zusammen.

Während Camoranesi als Führungsspieler geholt wurde, ist Bah ein Talent, das den Kader ergänzen soll. Der 22-Jährige spielt im defensiven Mittelfeld, wo der VfB zuletzt unerwartete Probleme hatte. Beim französischen Zweitliga-Absteiger Racing Straßburg hatte der guineische Nationalspieler einen Stammplatz. „Er war zu haben, obwohl auch AJ Auxerre an ihm dran war“, berichtete Bobic stolz, dass er bei den Gesprächen einen Champions-League-Teilnehmer ausgestochen hat.

Eine Absage handelte sich der Sportdirektor dagegen vom Hamburger SV ein, von dem er Mladen Petric verpflichten wollte. „Wir haben bis zur letzten Minute um ihn gekämpft. Er hätte uns gut zu Gesicht gestanden“, bedauerte Bobic, dass ihm ­diese mögliche Königs-Verstärkung für die schwächelnde VfB-Offensive durch die Lappen gegangen ist. Mit dem Spieler und dessen Berater sei sich der VfB bereits einig gewesen, „aber leider sind wir mit dem Verein nicht klar gekommen“. Der Transfer dürfte vor allem daran gescheitert sein, dass die Stuttgarter weniger Ablöse für den hochkarätigen kroatischen Stürmer boten, als der HSV haben wollte. Das VfB-Angebot für Petric „war nicht akzeptabel“, sagte Hamburgs Sportdirektor Bastian Reinhardt. Zudem hatte der HSV wohl keinen adäquaten Ersatz für Petric an der Hand.

 

Artikel vom 01.09.2010 © Eßlinger Zeitung

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