Wie einst
Beim schwächelnden VfB Stuttgart zeigen sich zunehmend Parallelen zu den vergangenen Hinrunden
Doch was soll der Trainer machen? Er hatte gegen Dortmund mit der Berufung von Serdar Tasci („ich habe mich gefreut, dass ich wieder spielen durfte“) und einigen Positionswechseln bereits Maßnahmen getroffen, die nach den sechs weitgehend enttäuschenden vorangegangenen Saison-Auftritten überfällig erschienen. Doch es trat nicht die erhoffte Besserung ein. Tasci allein kann die Defensive nicht stabilisieren, wenn die Kollegen einen Fehler nach dem anderen produzieren. Und Christian Träsch vermochte im zentralen Mittelfeld auch nicht für die erhoffte Linie zu sorgen. Der Spielaufbau wirkt weiterhin zu selten durchdacht, die Lücken in Abwehr und Mittelfeld oft zu groß. In der zweiten Hälfte setzte Gross wieder auf das bisherige Doppel-Sechs-Duo Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic, das weiter Form und Harmonie sucht. Bessere Alternativen fehlen ihm. Wiegt der Abgang von Sami Khedira, dem früheren Mittelfeld-Chef, vielleicht doch zu schwer? War Torwart-Legende Jens Lehmann für die Organisation der Defensive vielleicht wichtiger als gedacht? Fragen, die nun vermehrt auftauchen. Die Antworten indes bleiben spekulativ.
Hoffnung auf den Faktor Zeit
In der Gegenwart bleibt nur die Hoffnung auf den Faktor Zeit. Spieler, Trainer und Sportdirektor betonen fast wie im Chor, dass das Team sich noch einspielen müsse. Zudem könnte die Rückkehr einiger Akteure aus dem Krankenstand helfen. In Kapitän Matthieu Delpierre steht eine potenzielle ordnende Hand in der Abwehrreihe vor dem Comeback. Die Zugänge Philipp Degen und Johan Audel waren vor ihren Ausfällen zumindest auf einem guten Weg. Und vielleicht reißt ja der Italiener Mauro Camoranesi von Juventus Turin, der heute wohl als Zugang präsentiert wird, im Mittelfeld das Ruder herum. Bobic sprach von einem „sehr guten Spieler mit Erfahrung, die uns noch fehlt“. Camoranesi ist 33 Jahre alt, gegen Dortmund war Gentner mit 25 der älteste VfB-Mittelfeldakteur.
Die offensiven Außenbahnen, wo Camoranesi zu Hause ist, waren zuletzt allerdings fast das kleinste Problem der Stuttgarter. Ein treffsicherer Stürmer, der sich mit Cacau gut ergänzt, wäre vielleicht wichtiger. Doch es wird außer Camoranesi wohl keine Zugänge mehr geben, als Grund führte Bobic das Geld an. „Wir können nicht auf die Königstraße gehen und sammeln“, sagte der Sportdirektor. Er meinte zudem, dass das aktuelle Tief nicht nur an den Spielern an sich liegen könne, da fast die gleichen wie in der überragenden, vergangenen Rückrunde spielen. „Ich habe schon gesagt, dass die Anfangsphase nicht einfach wird“, spielte Bobic auf die kräftezehrende Terminsituation (WM, Länderspiele, frühe Europacup-Einsätze) an. Damit müssen aber viele Spitzenmannschaften fertig werden. Warum sich der VfB besonders schwer damit tut, ist ein Mysterium.



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