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Wie einst

Beim schwächelnden VfB Stuttgart zeigen sich zunehmend Parallelen zu den vergangenen Hinrunden

  Es ist nicht zum Hinschauen: Auch VfB-Linksverteidiger Cristian Molinaro kommt leistungsmäßig einfach nicht auf die Beine. Foto: Rudel
 

Es ist nicht zum Hinschauen: Auch VfB-Linksverteidiger Cristian Molinaro kommt leistungsmäßig einfach nicht auf die Beine. Foto: Rudel

 
Stuttgart - Die Aussagen der Protagonisten klingen ähnlich wie vor rund einem Jahr. Und auch die konfusen Auftritte des VfB Stuttgart im Sommer 2010 erinnern an die Vorrunde der vergangenen Fußball-Saison. Nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund ist immer mehr zu befürchten, dass die Schwaben das erste Halbjahr der Bundesliga-Spielzeit erneut in den Sand setzen.

Von Frank Hagenauer

Die Problemanalysen wirken allmählich hilflos. Trainer Christian Gross meinte, die Mannschaft müsse sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren - „kompakt stehen und kein Gegentor kassieren“. Er sagt inzwischen sogar, das Team müsse „mehr agieren und weniger reagieren“ - eine der Standard-Aussagen seines Vorgängers Markus Babbel in der vergangenen Hinrunde. Auch Sportdirektor Fredi Bobic erinnerte frappierend an Babbel, als er erklärte, warum er nach wie vor zuversichtlich sei: „Die Mannschaft besitzt viel mehr Qualität, sie muss sie nur abrufen.“ Eine Antwort auf die Frage, warum die Qualität nicht abgerufen wird, wurde bereits 2008 und 2009 nicht gefunden. Teamchef Babbel musste wegen der verkorksten Halbserie am Jahresende ebenso gehen wie vor zwei Jahren Meister-Trainer Armin Veh. Damit es in diesem Herbst nicht zum dritten Mal in Folge das gleiche Szenario gibt, sollte Gross die Lage sehr ernst nehmen. Er sei „weit davon entfernt, alles negativ zu sehen“, sagte er nach dem 1:3 wie einst Babbel - doch vielleicht täte der Schweizer gut daran, doch Großalarm zu geben und sich nicht an „die Reaktion der Mannschaft“ in der besseren zweiten Hälfte zu klammern.

Doch was soll der Trainer machen? Er hatte gegen Dortmund mit der Berufung von Serdar Tasci („ich habe mich gefreut, dass ich wieder spielen durfte“) und einigen Positionswechseln bereits Maßnahmen getroffen, die nach den sechs weitgehend enttäuschenden vorangegangenen Saison-Auftritten überfällig erschienen. Doch es trat nicht die erhoffte Besserung ein. Tasci allein kann die Defensive nicht stabilisieren, wenn die Kollegen einen Fehler nach dem anderen produzieren. Und Christian Träsch vermochte im zentralen Mittelfeld auch nicht für die erhoffte Linie zu sorgen. Der Spielaufbau wirkt weiterhin zu selten durchdacht, die Lücken in Abwehr und Mittelfeld oft zu groß. In der zweiten Hälfte setzte Gross wieder auf das bisherige Doppel-Sechs-Duo Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic, das weiter Form und Harmonie sucht. Bessere Alternativen fehlen ihm. Wiegt der Abgang von Sami Khedira, dem früheren Mittelfeld-Chef, vielleicht doch zu schwer? War Torwart-Legende Jens Lehmann für die Organisation der Defensive vielleicht wichtiger als gedacht? Fragen, die nun vermehrt auftauchen. Die Antworten indes bleiben spekulativ.

Hoffnung auf den Faktor Zeit

In der Gegenwart bleibt nur die Hoffnung auf den Faktor Zeit. Spieler, Trainer und Sportdirektor betonen fast wie im Chor, dass das Team sich noch einspielen müsse. Zudem könnte die Rückkehr einiger Akteure aus dem Krankenstand helfen. In Kapitän Matthieu Delpierre steht eine potenzielle ordnende Hand in der Abwehrreihe vor dem Comeback. Die Zugänge Philipp Degen und Johan Audel waren vor ihren Ausfällen zumindest auf einem guten Weg. Und vielleicht reißt ja der Italiener Mauro Camoranesi von Juventus Turin, der heute wohl als Zugang präsentiert wird, im Mittelfeld das Ruder herum. Bobic sprach von einem „sehr guten Spieler mit Erfahrung, die uns noch fehlt“. Camoranesi ist 33 Jahre alt, gegen Dortmund war Gentner mit 25 der älteste VfB-Mittelfeldakteur.

Die offensiven Außenbahnen, wo Camoranesi zu Hause ist, waren zuletzt allerdings fast das kleinste Problem der Stuttgarter. Ein treffsicherer Stürmer, der sich mit Cacau gut ergänzt, wäre vielleicht wichtiger. Doch es wird außer Camoranesi wohl keine Zugänge mehr geben, als Grund führte Bobic das Geld an. „Wir können nicht auf die Königstraße gehen und sammeln“, sagte der Sportdirektor. Er meinte zudem, dass das aktuelle Tief nicht nur an den Spielern an sich liegen könne, da fast die gleichen wie in der überragenden, vergangenen Rückrunde spielen. „Ich habe schon gesagt, dass die Anfangsphase nicht einfach wird“, spielte Bobic auf die kräftezehrende Terminsituation (WM, Länderspiele, frühe Europacup-Einsätze) an. Damit müssen aber viele Spitzenmannschaften fertig werden. Warum sich der VfB besonders schwer damit tut, ist ein Mysterium.

 

Artikel vom 31.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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