„Es gibt nichts zu beschönigen“
Der VfB Stuttgart präsentiert sich beim 1:3 gegen Borussia Dortmund trotz einiger Umstellungen erschreckend schwach
Stuttgart - Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hat auch sein zweites Bundesliga-Saisonspiel verloren und ziert nun das Tabellenende. Gegen Borussia Dortmund unterlagen die Stuttgarter wegen einer indiskutablen Leistung in der ersten Hälfte mit 1:3 (0:3).
„Es gibt nichts zu beschönigen“, gestand der recht gefasste VfB-Trainer Christian Gross und bat - ebenso wie fast alle Spieler - einmal mehr um Geduld. „Wir haben das erste Mal in dieser Formation gespielt, auch das braucht wieder Zeit“, betonte Gross. Wegen der Stuttgarter Verletztenliste sei er gezwungen gewesen, so aufzustellen. Der Trainer nahm in der Startaufstellung zwei Änderungen vor, die unabhängig von den Ausfällen von vielen gefordert wurden: Innenverteidiger Serdar Tasci durfte sein erstes Saisonspiel machen, und Christian Träsch spielte statt rechts nun wieder im zentralen Mittelfeld. Dafür rückte Christian Gentner nach links. Zum rechten Verteidiger wurde Khalid Boulahrouz. Die Maßnahmen verpufften - weder brachte Tasci entscheidend Stabilität in die Abwehrreihe, noch wurde mit Träsch die Abstimmung im Mittelfeld entscheidend besser. Das Zusammenspiel zwischen Abwehrreihe und Mittelfeld bleibt ein zentrales Problem bei den Stuttgartern. Der VfB kam vor der Pause kaum einmal gefährlich vor das Dortmunder Tor. Timo Gebhart, neben Cacau noch der engagierteste in einer schwachen Stuttgarter Elf, hatte in der 17. Minute die beste Gelegenheit, als er eine Flanke von Gentner nur haarscharf verpasste. Die deutlich besser miteinander harmonierenden Dortmunder hatten ebenfalls nur wenige Torchancen, nutzten diese aber konsequent. Es ging los in der 5. Minute, als der Außenverteidiger Marcel Schmelzer von ganz links auf das Tor flankte und unverhofft traf, weil der zu weit von ihm entfernte Boulahrouz den Ball in den Stuttgarter Kasten abfälschte. Beim 2:0 in der 26. Minute köpfte der indisponierte Innenverteidiger Georg Niedermeier genau in den Laufweg von Kevin Großkreutz, der keine Mühe hatte, den heranstürmenden und sträflich alleingelassenen Lucas Barrios zu bedienen. Die Dortmunder Sturmspitze verwertete den Ball sicher. In der 37. Minute wurde erneut ein Kopfball von Niedermeier zur Vorlage für die Dortmunder - Mario Götze köpfte den dilettantischen Abwehrversuch Niedermeiers quasi direkt zum 0:3 ins Netz. Gross stellte zur zweiten Hälfte das Team komplett um. Träsch agierte nun wieder als Rechtsverteidiger, Gentner rückte wieder ins defensive Mittelfeld, dafür spielte der für Niedermeier eingewechselte Daniel Didavi links. Im Sturm musste der wirkungslose Ciprian Marica für Martin Harnik weichen. Der VfB übernahm nun die Initiative, aber eine erschreckend hohe Fehlerquote im Offensivspiel verhinderte zunächst, dass Zählbares heraussprang. Echte Chancen blieben Mangelware, weil die Stuttgarter vor allem blindlings anrannten und durchdachte Spielzüge vermissen ließen. Fast der erste durchweg gelungene Angriff brachte dem VfB dann den Anschlusstreffer: Zdravko Kuzmanovic stürmte auf der rechten Seite nach vorne und flankte auf Cacau, der in der 69. Minute mustergültig einköpfte. Wäre Harnik zwei Minuten später mit seinem Distanzschuss nicht knapp an Keeper Roman Weidenfeller gescheitert, hätte es noch mal spannend werden können. Am Ende waren jedoch die konternden Dortmunder dem 4:1 näher als der VfB dem 2:3. Bereits heute könnten die Stuttgarter eine namhafte Verstärkung aus Italien bekommen. Sportdirektor Fredi Bobic bestätigte ein VfB-Interesse an dem Offensiv-Allrounder Mauro Camoranesi. Der 33-jährige Weltmeister von 2006 ist offenbar für eine überschaubare Summe von Juventus Turin zu haben.
STATISTIK
VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz (90. Funk), Tasci, Niedermeier (46. Didavi), Molinaro - Träsch, Kuzmanovic - Gebhart, Gentner - Cacau, Marica (46. Harnik).
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Owomoyela, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl, Sahin (87. Bender) - Götze, Kagawa, Großkreutz (74. Piszczek) - Barrios (65. Lewandowski).
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen).
Zuschauer: 40 500.
Tore: 0:1 Schmelzer (5.), 0:2 Barrios (26.), 0:3 Götze (37.), 1:3 Cacau (69.).
Gelbe Karten: - / Schmelzer (1), Kehl (1).
Beste Spieler: Cacau / Götze, Kagawa, Sahin.



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