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„Fantastische“ Szenen in Serie

In die Erleichterung des VfB Stuttgart nach dem erlösenden 2:2 gegen Slovan Bratislava mischt sich auch eine Menge Euphorie

  Nicht immer ansehnlich, aber letztlich erfolgreich agiert der VfB (rechts Georg Niedermeier, links Zdravko Kuzmanovic) auch gegen Bratislava. Foto: Rudel
 

Nicht immer ansehnlich, aber letztlich erfolgreich agiert der VfB (rechts Georg Niedermeier, links Zdravko Kuzmanovic) auch gegen Bratislava. Foto: Rudel

 

Von Frank Hagenauer

Stuttgart - Das Zittern wird zur Gewohnheit für den VfB Stuttgart. Auch im sechsten Pflichtspiel der Saison überzeugte der schwäbische Fußball-Bundesligist über weite Strecken nicht, aber zum immerhin fünften Mal war am Ende trotzdem wieder alles gut. Mit zeitweise mehr Glück als Verstand sicherte sich der VfB im Playoff-Rückspiel das für den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase notwendige 2:2 gegen Slovan Bratislava, was den erleichterten Trainer Christian Gross „extrem für die Spieler und für den Verein“ freute. Er schwärmte von „fantastischer Moral der Mannschaft“ nach dem 0:2-Rückstand und entschuldigte die Mängel („wir haben uns teilweise sehr schlecht angestellt“) wie gehabt: „Wir sind noch nicht gefestigt genug, dass wir fehlerlos spielen können.“ Die Fans ertrugen die Unzulänglichkeiten tapfer und wurden daher von Gross ausdrücklich gelobt: „Sie haben uns fantastisch unterstützt und zu dem positiven Resultat getragen.“

Das Wort „fantastisch“ fiel oft bei der Analyse des eigentlich wenig fantastischen VfB-Auftritts, auch Sportdirektor Fredi Bobic bemühte es mehrmals. Der gegnerische Torwart Matus Putnocky habe „fantastisch Bälle gehalten“, insbesondere habe aber Timo Gebhart eine fantastische Rolle gespielt. „Wie er die Reaktion nach dem 0:2 initiiert hat, mit aller Macht, war fantastisch. Er wollte es erzwingen.“ Letzteres gilt wohl nicht nur für Gebharts Tor zum 1:2, sondern auch für den Platzverweis gegen Bratislava, den nicht nur die Slowaken als spielentscheidend bewerteten. Der schon gelb-belastete Michal Breznanik rempelte Gebhart an, und der stürzte um wie von tausend Pfeilen getroffen. Das wird es Schiedsrichter Alexej Nikolaew aus Russland leichter gemacht haben, die so oder so vertretbare Gelb-Rote Karte zu zücken. Neun Minuten nach dem Platzverweis stand es statt 0:2 plötzlich 2:2. „Natürlich hätte ich mich nicht so fallen lassen müssen, aber der Kontakt war da, daher ist es nicht meine Schuld“, entfuhr Gebhart später eine Art Geständnis.

Wenn es abgesehen von der Moral etwas Positives am Stuttgarter Auftritt gibt, dann vor allem das Spiel über die Außenbahnen. Gebhart und Daniel Didavi verströmten zeitweise jene Torgefahr, die Gross immer wieder angemahnt hatte. „Auch, um den Gegner zu überraschen“, hatte der Trainer Nachwuchsmann Didavi aus dem Hut gezaubert, den niemand auf der Rechnung hatte. Dass der 20-jährige Nürtinger ein gutes Spiel machte, „freut mich besonders“, betonte Gross.

Aigner kommt nicht

Trotzdem sucht der VfB weiter nach einer Verstärkung für den rechten Flügel. Stefan Aigner vom Zweitligisten 1860 München wird es nicht. Bobic verkündete, dass er den Münchnern telefonisch abgesagt habe und verwies abermals auf weitere Optionen der Stuttgarter, die „in der Bundesliga und im Ausland“ vorhanden seien. „Wir werden noch einen oder maximal zwei Spieler verpflichten“, kündigte Bobic an. Vielleicht meldet er bereits am Wochenende Vollzug, vielleicht aber auch erst am Dienstag, dem letzten Tag der Transferperiode. Dass den VfB noch Spieler verlassen, ist nicht zu erwarten. Einen Wechsel des prominenten Bankdrückers Serdar Tasci schloss Bobic aus. Angesichts der Schwächen der Stuttgarter Innenverteidigung in den vergangenen Spielen könnte der Nationalspieler seinen Stammplatz aber ohnehin bald zurückhaben.

Stürmer Ciprian Marica muss sich dagegen vielleicht bald wieder mit der Reservisten-Rolle anfreunden. „Persönlich konnte ich keine gute Leistung bringen und bin deshalb zur Halbzeit ausgewechselt worden“, kommentierte der Rumäne schuldbewusst seine Vorstellung in der ersten Hälfte. Joker Martin Harnik sorgte nach der Pause für Belebung im VfB-Sturm, obwohl es auch bei ihm an der Chancenverwertung haperte. Pawel Pogrebnjak blieb diesmal komplett auf der Bank, was konsequent ist nach den jüngsten Darbietungen des Russen. Nicht aus dem Stuttgarter Angriff wegzudenken ist dagegen Cacau, der es „verstanden hat, uns immer wieder nach vorne zu treiben“, wie Gross hervorhob. Wenn nun noch die Genauigkeit und Effizienz im Offensivspiel wachsen, findet vielleicht sogar die Zeit des Zitterns irgendwann ein Ende beim VfB Stuttgart.

 

Artikel vom 28.08.2010 © Eßlinger Zeitung

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