ERWIN STAUDT, PRäSIDENT DES VFB STUTTGART
„Ich will, dass die Leute Spaß am VfB haben“
Warum sich der 62-Jährige so gerne auf der europäischen Bühne bewegt, aber auch ein Jahr ohne leben kann
Barcelona - Solche Abende genießt er und dafür arbeitet er. Wenn die Bundesliga-Fußballer des VfB Stuttgart heute (20.45 Uhr) in der Champions League beim FC Barcelona antreten, wird Präsident Erwin Staudt stolz auf der Tribüne von Camp Nou sitzen. Dass er in der kommenden Saison möglicherweise auf solche Erlebnisse verzichten muss, findet er schade, aus der Ruhe bringt es ihn aber nicht. „Wir sind finanziell nicht so aufgestellt, dass wir ohne internationalen Wettbewerb nicht existieren können“, sagt der 62-Jährige im Gespräch mit Sigor Paesler.
Wie groß ist die Vorfreude auf das Spiel in Barcelona?
Staudt: Wir stehen ehrlich gesagt noch ein bisschen unter dem Eindruck des Spiels auf Schalke, das wir uns ein bisschen anders vorgestellt hatten. Aber jetzt freuen wir uns auf die Champions League in Barcelona und hoffen natürlich, dass wir da gut abschneiden und den deutschen Fußball gut vertreten.
Dann schauen wir noch einmal kurz zurück. Die Enttäuschung über das 2:2 in Bremen und das 1:2 auf Schalke war groß, weil nun die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb in weite Ferne gerückt ist. Dabei lautete der Auftrag an Trainer Christian Gross doch: Klassenverbleib sichern.
Staudt: Das muss man ganz klar sehen: Als wir vor seiner Verpflichtung im Dezember mit Christian Gross gesprochen haben, waren wir in einer ganz anderen Situation, was die Abstiegsgefahr betrifft. Insofern sind wir glücklich, dass er uns da einen großen Schritt weitergebracht hat. Dass nach den Erfolgen der Ehrgeiz erwacht ist und die Ansprüche gestiegen sind, liegt auf der Hand. Aber ich will jetzt nicht so vermessen sein und uns direkt im internationalen Geschäft sehen. Dazu wäre sehr viel Glück nötig.
Wird sich deshalb in Barcelona in die Freude auch ein bisschen Wehmut mischen? Es könnte ja das vorerst letzte Spiel des VfB auf internationaler Bühne sein.
Staudt: Das wäre schade, aber mit dieser Einstellung treten wir dort nicht an. Wir wollen Barcelona zeigen, dass wir auch guten Fußball spielen und dass wir auch gegen diese Größen mithalten können. Und das haben wir ja im Hinspiel getan. Jetzt wollen wir zeigen, dass es auch dort geht.
Ihr für Finanzen zuständiger Präsidiumskollege Ulrich Ruf hat gesagt, ein Jahr ohne internationalen Wettbewerb könnte der Verein gut verkraften. Wie weit würde es den VfB zurückwerfen?
Staudt: Unser Verein ist jetzt im siebten Jahr hintereinander in den schwarzen Zahlen und wir haben ein gutes Potenzial aufgebaut. Wir sind finanziell nicht so aufgestellt, dass wir ohne internationalen Wettbewerb nicht existieren können. Trotzdem ist es unser Ziel, weil wir uns international präsentieren wollen, weil es unsere Fans wollen, weil wir Mittwochabends schöne internationale Wettkämpfe austragen wollen.
Es geht also längst nicht nur ums Finanzielle . . .
Staudt: Genau, es geht auch um die Ehre. Jeder Verein will neben seiner Tabellensituation auch seine Marktposition verbessern. Wir wollen den deutschen Fußball gut vertreten. Und ich will, dass die Leute, die vor dem Fernseher sitzen, auch Spaß am VfB haben und nicht sagen: Naja, Stuttgart gegen Barcelona brauche ich nicht angucken, die verlieren ja sowieso.
Noch mal zu den Finanzen: Sie haben sich vorgenommen, den Personaletat zu verringern. Geht das überhaupt in einer Zeit, in der fast alle Mannschaften eher teurer werden?
Staudt: Wir haben damit in der Winterpause schon angefangen, indem wir mehrere Spieler abgegeben haben. Wir werden auch weiterhin eine Politik des engen Gürtels betreiben. Das heißt, dass wir den Kader nicht unnötig aufblähen werden. Dabei sind wir uns mit dem Trainer völlig einig. Wir werden auch weiterhin versuchen, aus dem eigenen Nachwuchs Spieler in den Profikader zu integrieren.
Hauptsponsor EnBW steigt in dieser Funktion am Saisonende aus. Wie weit ist die Suche nach einem Nachfolger?
Staudt: Da sind wir mittendrin. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Wochen ein Resultat haben werden. Wobei ich sagen muss, dass das im Moment ein schwieriges Geschäft ist, weil die gesamte wirtschaftliche Situation nicht zu unseren Gunsten läuft.
Würde da ein Coup in Barcelona helfen?
Staudt: Nicht konkret. Aber für die Stimmung wäre es schon förderlich.



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