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Das schnelle Ende der Europapokal-Träume

Die Fußballer des VfB Stuttgart wehren sich gegen den Gedanken, dass die Bundesliga-Saison so gut wie gelaufen ist

  Alles gegeben, und nichts gewonnen. Timo Gebhart, Alexander Hleb, Sami Khedira und Serdar Tasci (von links) schleichen geschlagen vom Rasen.Foto: Rudel
 

Alles gegeben, und nichts gewonnen. Timo Gebhart, Alexander Hleb, Sami Khedira und Serdar Tasci (von links) schleichen geschlagen vom Rasen. Foto: Rudel

 

Von Sigor Paesler

Gelsenkirchen - Am Mittwoch haben die Fußballer des VfB Stuttgart in Camp Nou zu Barcelona den Höhepunkt der Saison vor sich. Und sollte die Riesen-Überraschung im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League tatsächlich gelingen, würden noch weitere folgen. Das ist angesichts der Stärke des Gegners allerdings ähnlich unwahrscheinlich wie die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb in der Bundesliga. Nach dem 1:2 am Freitagabend beim FC Schalke 04 blieb den Stuttgartern die süß-saure Erkenntnis, dass sie dem Ein-Tag-Tabellenführer mindestens ebenbürtig waren, dass der Abstand zu Platz fünf aber wohl zu groß geworden ist. Es sind nur noch acht Spiele - und es spricht viel dafür, dass nach Saisonschluss festgestellt werden muss, dass nach dem verkorksten Start zu spät mit der Aufholjagd begonnen wurde. Der VfB ist wieder auf Platz neun abgerutscht - genau in die Mitte der Tabelle.

Das Bild sprach Bände. VfB-Verteidiger Serdar Tasci musste einem Fernsehreporter erklären, wie es zum ersten Gegentreffer gekommen war. Dabei schweifte sein Blick auf einen Bildschirm, auf dem zu sehen war, wie die Schalker auf dem Rasen tanzten und sangen. Tasci wischte sich den Schweiß vom Gesicht und er wirkte so, als fühlte er sich um ein Gefühl betrogen. „Mit ein bisschen Glück hätten wir in den zwei Spielen sechs Punkte holen können, dann sähe es jetzt ganz anders aus“, sagte er. In Schalke verloren und zuvor in Bremen 2:2 gespielt - in beiden Begegnungen waren die Stuttgarter besser. Der Rückstand auf Europa-League-Platz fünf beträgt jetzt trotzdem acht Punkte.

In Tasci zeigte sich die gesamte VfB-Ernüchterung: Er hatte insgesamt eine starke Leistung abgeliefert, sich vor dem 0:1 jedoch - wie er hinterher zugab - einen dicken Patzer geleistet (46.). Sein eigener Treffer vier Minuten später war zu wenig.

Tore fallen oft nach Fehlern. Für die Stuttgarter lautete die bittere Erkenntnis ganz simpel: Zwei Fehler - beim 1:2 durch Kevin Kuranyi (55.) klappte die Abseitsfalle nicht - sind zwei zu viel, um ganz vorne mitzuspielen. Sonst gab es wenig zu meckern: Die linke Seite mit Cristian Molinaro und Alexander Hleb wird immer gefährlicher, Georg Niedermeier ließ in der Innenverteidigung den gelb-gesperrten Matthieu Delpierre nicht vermissen, Zdravko Kuzmanovic zeigte an der Seite von Sami Khedira auf der Sechser-Position, dass er eigentlich immer in die Startelf gehört. Lediglich Timo Gebhart lieferte eine ganz schwache Partie ab. Trainer Christian Gross nahm den 20-Jährigen wohl nur deshalb erst in der 73. Minute vom Feld, weil er schon häufiger aus dem Nichts eine entscheidende Situation eingeleitet hatte. Dass die Angreifer „Entschlossenheit im Abschluss“ (Gross) vermissen ließen, ist nichts, worüber andere Trainer nicht klagen müssten. So bemängelte Gross vor allem: „In der Defensive müssen wir fehlerfreier spielen.“

Barcelona im Hinterkopf

Ansonsten überwog das Lob - wobei Gross auch den Auftritt am Mittwoch im Hinterkopf hatte. „Es steht ein wichtiges Spiel an. Da muss man die Emotionen raus lassen und nüchtern analysieren“, gab er einen Einblick in seine Gedanken. „Ich war mit der Mannschaft zufrieden.“

Das ändert aber nichts daran, dass der bis dahin zweitbesten Rückrundenmannschaft die Punkte fehlen. „Die Ausgangslage ist nicht einfacher geworden. Aber wir werden die Saison jetzt nicht abhaken“, sagte Manager Horst Held trotzig. Wobei er ein schlechter Funktionär wäre, wenn er jetzt verbal den Kopf in den Sand stecken würde. Torhüter Jens Lehmann meinte fast philosophisch: „Wir gucken immer nach oben, aus jeder Perspektive.“ Als einziger erinnerte er noch einmal daran, wie noch vor wenigen Wochen die Ziele gelautet hatten: „Zuerst sind wir mal froh, dass wir von unten weg sind.“ Bei den meisten Stuttgartern aber war nur die Enttäuschung darüber zu spüren, dass der Traum von einem europäischen Platz bei realistischer Betrachtungsweise schon wieder ausgeträumt ist. So wäre es in zweifacher Hinsicht eine Riesen-Überraschung, wenn der Auftritt am Mittwoch in Camp Nou nicht der vorerst letzte auf der europäischen Bühne wäre.

 

Artikel vom 15.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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