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Warum Schalkes erfolgreichster Stürmer ein permanenter Wechselkandidat ist

  Privat zieht es ihn immer wieder nach Stuttgart zurück, sportlich schlägt Kevin Kuranyis Herz aber für den FC Schalke 04.Foto: dpa
 

Privat zieht es ihn immer wieder nach Stuttgart zurück, sportlich schlägt Kevin Kuranyis Herz aber für den FC Schalke 04. Foto: dpa

 

Von Sigor Paesler

Gelsenkirchen - Es ist ein Phänomen: Bayer Leverkusens Stefan Kießling hat in der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga schon 14 Tore geschossen - und saß zuletzt beim Länderspiel gegen Argentinien 90 Minuten lang auf der Bank. Kevin Kuranyi, mit 13 Treffern die Nummer zwei der Torjägerliste, hat seit fast eineinhalb Jahren nichts mehr von Bundestrainer Joachim Löw gehört. Dass der Stürmer des FC Schalke 04 in Ungnade gefallen ist, hat seine Gründe. Beim 2:1-Sieg am 11. Oktober 2008 gegen Russland verließ er in der Halbzeit das Dortmunder Stadion und wurde dafür hart bestraft. Warum der ehemalige Stuttgarter aber auch in dieser Saison trifft und trifft und warum ihn die Schalker in der Winterpause trotzdem abgeben wollten, ist erst auf den zweiten Blick durchschaubar. Noch zwei Tore fehlen ihm, um seinen Dreifach-Rekord der Spielzeiten 2002/2003 (mit Stuttgart) sowie 2006/2007 und 2007/2008 (mit Schalke) einzustellen. Am liebsten würde der gebürtige Brasilianer natürlich gleich heute (20.30 Uhr) gegen den VfB nachlegen - und damit einen weiteren Schritt in Richtung Champions-League-Teilnahme der Schalker machen. Von der Meisterschaft sprechen sie in Gelsenkirchen aus leidvoller Erfahrung eher leise.

Beim VfB immer ein Thema

Im vergangenen Sommer, als die Stuttgarter einen Nachfolger für Mario Gomez suchten, wurde auf dem Wasen natürlich auch der Name Kuranyi gehandelt. So wie eigentlich jedes Jahr seit seinem Wechsel im Jahr 2005. Genauso gilt Kuranyi seither bei den Königsblauen permanent als potenzieller Abgang. Die Reaktionen bei den VfB-Fans waren fast durchweg ablehnend. Kuranyi galt als Chancentod - dabei hatte er in der Runde zuvor auch 13 Mal getroffen - und eben als gescheiterter Nationalspieler. Die Vereinsführung hielt sich bedeckt, was wohl vor allem mit den nackten Zahlen zu tun hatte: Der Schlacks war einstmals nach Gelsenkirchen gegangen, weil er dort wesentlich mehr verdiente. Bei einer Rückkehr hätte er wohl kaum Abstriche gemacht. Zudem läuft sein Vertrag noch bis zum Ende der laufenden Saison.

Kuranyi hat seine langjährige Freundin Victorija 2007 in Stuttgart geheiratet und ist regelmäßig in der alten Heimat zu Besuch. Sportlich aber fühlt er sich auf Schalke pudelwohl, obwohl er auch dort von den Fans nicht immer nett behandelt wurde. Zurzeit aber lieben sie ihn.

Dass er seit Monaten mal mit türkischen Clubs, dann mit der halben englischen Liga und zuletzt mit einigen italienischen Vereinen in Verbindung gebracht wurde, liegt vor allem an den Schalker Finanznöten. Kuranyi ist Top-Verdiener und im Winter hätte Trainer und Manager Felix Magath noch richtig Ablöse-Geld kassieren können. Doch er hatte die Rechnung ohne den Stürmer gemacht. Der hatte sich mit den Verantwortlichen des FC Sunderland getroffen, danach sprach er mit Magath, der daraufhin kundtat: „Ich war schon einig mit einem Club, der ihn verpflichten wollte. Aber Kevin hat gesagt, dass er nicht weg will.“ Sogleich betonte Magath, der Transfer hätte rein „finanzielle Gründe“ gehabt, 4,5 Millionen Euro hätte Sunderland wohl bezahlt. „Aber sportlich bin ich nicht unglücklich, dass er bleibt.“ Der Kicker dankte es seither mit fünf weiteren Toren.

Vieles spricht für Juventus Turin

Trotzdem bleibt Kuranyi Wechselkandidat, jetzt für den Sommer. Dann kann er zwar ablösefrei gehen, würde aber den Etat nicht mehr strapazieren. Bis zu zehn Millionen Euro Jahresgehalt fordert sein Berater Roger Wittman angeblich in Verhandlungen. Bei dieser Summe ist er für VfB diesmal wohl kein ernsthaftes Thema. „Er ist für viele Vereine interessant, sowohl in der Bundesliga als auch im Ausland“, sagt Stuttgarts Manager Horst Heldt diplomatisch. „Bei Kuranyi weiß man, was er kann und was er nicht kann. Er ist kein Messi, aber er schießt Tore und das ist entscheidend.“

Juventus Turin hat seine Fühler ausgesteckt - und damit erstmals ein Club, der auch sportlich interessant für den 28-Jährigen wäre. Vieles spricht für einen Wechsel. Kuranyi aber sagt: „Wenn nur mein Herz entscheiden würde, könnte ich ewig Schalker bleiben.“ Und er hat sogar eine Möglichkeit gefunden, wie das funktionieren könnte: „Vielleicht kann ich mir den Vertrag ja selbst besorgen - wenn ich uns in die Champions League schieße.“ Er ist auf einem guten Weg.

Auf dem Weg zurück ins Nationalteam ist Kuranyi offenbar nicht, egal, wie oft er trifft. „Ich werde ihn auch in Zukunft nicht mehr nominieren“, hatte Löw im Oktober 2008 gesagt und ist davon seither kein Bissle abgerückt. „Ich muss es akzeptieren. Ich kann nur meine Leistung bringen“, sagt der Stürmer. Wo er sie in der kommenden Saison bringt, ist wie immer offen.

 

Artikel vom 12.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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